Diskussion über neuen Bezirksbauernkammer-Standort. Nach Angebot der Raiffeisenbank gibt es heftige Diskussionen über mögliche Zusammenlegung der beiden Kammer-Standorte Scheibbs und Melk in Wieselburg.

Von Christian Eplinger und Markus Glück. Erstellt am 22. Juli 2020 (05:12)
Der Bürostandort der Bezirksbauernkammer in Scheibbs steht aktuell zur Diskussion. Bis September soll es eine Entscheidung geben.
Eplinger

„Da reden’s von Stärkung des ländlichen Raumes und jetzt wollen sie uns die Bauernkammer in Scheibbs wegnehmen. Das lassen wir nicht zu.“ Deutliche Worte, die ein Bauernbundfunktionär aus dem Scheibbser Bezirk, der nicht namentlich genannt werden möchte, im NÖN-Telefonat findet. „Ja, es gibt eine Diskussion über eine mögliche Zusammenlegung der beiden Bürostandorte Scheibbs und Melk in Wieselburg. Aber da ist noch nichts entschieden“, bestätigt der Scheibbser Bezirksbauernkammerobmann Franz Rafetzeder.

Die Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel, die in Wieselburg am Standort des ehemaligen Feuerwehrhauses ein neues Bürogebäude errichten wird, war mit einem Angebot auf die beiden Bezirksbauernkammern zugekommen. „Wir haben angefragt, ob seitens der Bauernkammer Interesse besteht, hier miteinzuziehen, wobei sowohl Kauf- als auch Mietvarianten denkbar sind“, erklärt Raiba-Direktor Leopold Grubhofer. Ein Umzug wäre im Sommer 2022 möglich. Denn mit einem Baubeginn rechnet Grubhofer frühestens im Spätherbst des heurigen Jahres.

Ein Angebot, das nun genau geprüft wird. Am Freitag wurden beide Hauptausschüsse in einer gemeinsamen Sitzung in Scheibbs über das Vorhaben genau informiert. Jetzt geht es um das Abwägen der Vor- und Nachteile. Den Beschluss über die mögliche Verlegung des Bürostandortes müssen beide Kammervollversammlungen separat treffen. Aus Melk kommen eindeutige Signale pro Zusammenlegung, da die beiden Kammern seit der Organisationsreform 2018 eine Büroeinheit bilden.

Für den Melker Obmann Johannes Zuser liegt der Vorteil an einem Standort in der besseren Koordination unter den 25 Mitarbeitern. Zudem erwartet er sich eine weitere Verbesserung der bisher bereits hohen Qualität der Beratung der Mitglieder. Für Zuser wäre Wieselburg sowohl für die Mitglieder aus Scheibbs als auch aus Melk ein zentraler Standort. Die Entscheidung müsse die Kammervollversammlung treffen. „Langfristig werden wir unsere Strukturen anpassen müssen“, sagt Zuser.

„Ist auch eine politische Grundsatzentscheidung“

Völlig offen ist der Ausgang der Diskussion aktuell noch für den aus Wieselburg stammenden und erst mit Ende Mai neu gewählten Scheibbser Kammerobmann Franz Rafetzeder. „Die Zeit bleibt nicht stehen, wir dürfen uns daher vor Neuerungen nicht verschließen. Es gibt sicher Vorteile, wenn alle Mitarbeiter an einem Standort vereint sind, aber eine Zusammenlegung ist vor allem auch eine politische Grundsatzentscheidung“, sagt Rafetzeder, der so wie Zuser betont, dass es nur um die Zusammenlegung der beiden Standorte gehe. Die Kammern würden weiterhin selbstständige Körperschaften bleiben.

Genau da setzt die Kritik der der neun Scheibbser Kammerräte des Unabhängigen Bauernverbandes sowie von FP-Kammerrat Herbert Höllmüller an. „Der gemeinsame Bürostandort ist nur der erste Schritt. Die Zusammenlegung der beiden Kammern wird über kurz oder lang folgen“, ist sich UBV-Hauptausschussmitglied Alois Fröschl sicher. Der UBV ist daher geschlossen gegen die Zusammenlegung. „Man zieht wieder etwas aus dem südlicheren Teil des Bezirks in das Zentrum im Norden. Das ist nicht nur für uns Bauern schlecht, sondern auch für die Stadt Scheibbs. Denn die Kammer ist ein hoher Frequenzbringer“, sagt UBV-Kammerrat Peter Hrnecek.

Einen unmittelbaren baulichen Bedarf, an den Bürostandorten etwas zu ändern, gibt es übrigens nicht. Das Kammergebäude in Scheibbs wurde 2003 umgebaut und erst vor eineinhalb Jahren neuerlich saniert. In Melk hat die Bauernkammer 2004 gemeinsam mit der Wirtschaftskammer ein Gebäude errichtet. Beide Gebäude sind im Besitz der Bauernkammern.