Neuer Kaplan: „Mögen auf Heil unserer Seele achten“. Der künftige Scheibbser Kaplan Simon Eiginger wurde am Samstag in St. Pölten zum Priester geweiht. Mit der NÖN sprach er über seine Beweggründe.

Von Red. Erlauftal. Erstellt am 15. Oktober 2020 (14:42)
Am vergangenen Samstag empfing Simon Eiginger (3. von links) im St. Pöltner Dom seine Priesterweihe. Weihspender war Diözesanbischof Alois Schwarz. Von links: Altbischof Klaus Küng, Diakon Johann Braunshofer, Simon Eiginger Diözesanbischof Alois Schwarz, Weihbischof Anton Leichtfried und Regens Richard Tatzreiter. Am Sonntag, 18. Oktober, feiert Simon Eiginger seine erste Heilige Messe in der Stadtpfarrkirche Scheibbs und spendet seinen Primizsegen.
Diözese St. Pölten

NÖN: Wie ging es Ihnen in den Tagen kurz vor Ihrem „großen Tag“? Verspürten Sie Nervosität in Hinblick auf Ihre Priesterweihe?

Simon Eiginger: Nein, nervös war ich nicht. Die Priesterweihe war ja schon für den 29. Juni geplant, wurde aber aufgrund des Corona-Virus verschoben. Deshalb überwog die Vorfreude, auch wenn es wegen aktueller Vorgaben und Bestimmungen gar nicht leicht war, wieder zu planen und zu organisieren. Ich war sehr dankbar, dass die Diözese St. Pölten auf ihrem Youtube-Kanal einen Livestream von meiner Priesterweihe eingerichtet hatte, damit viele Menschen mitfeiern konnten.

Wann wurde für Sie klar, dass Sie diesen Weg einschlagen und Priester werden möchten?

Eiginger: Zu meiner Berufung kann ich weder ein besonderes Ereignis noch einen genauen Zeitpunkt nennen. Mit 15, 16 Jahren habe ich den Ruf verspürt, Priester zu werden. Damals war ich Ministrant in meiner Heimatpfarre. Diesen Dienst habe ich insgesamt 16 Jahre lang sehr gerne verrichtet. Von der Schönheit der Liturgie und von der Tatsache, dass man als Ministrant ganz nahe beim Altar sein darf, wo Jesus Christus durch die Wandlung selbst gegenwärtig wird, war ich so fasziniert, dass ich auch bei den Wochentagsmessen ministriert habe. Ich habe dadurch den Ruf Gottes stärker vernommen, weshalb ich nach dem Zivildienst mit dem Theologiestudium begonnen habe und ein Jahr später schließlich ins Priesterseminar eingetreten bin.

Was wäre für Sie eine Berufsalternative gewesen?

Eiginger: Wenn man mich als Kind nach meinem Berufswunsch gefragt hat, war meine Antwort immer eindeutig: Polizist! Später habe ich mir ein Jus-Studium gut vorstellen können. Ich wollte Richter werden. In der Zeit als Zivildiener beim Roten Kreuz in Amstetten interessierte ich mich für Medizin.

 „Herr, Du weißt alles. Du weißt, dass ich dich liebe.“ Johannes 21,17 – Primizspruch von Simon Eiginger

 Gibt es Momente, in denen Sie an Ihrer Entscheidung zweifeln?

Eiginger: Es gab natürlich die Momente des Zweifelns, des Prüfens. Diese gehörten zu dem wichtigen Prozess, dass ich die Entscheidung treffen konnte.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Gibt es diese überhaupt?

Eiginger: Im Vertrauen auf Gottes Hilfe möchte ich mich schon sehr bemühen, meine Arbeit gut zu machen. Es ist aber auch wichtig, sich selbst nicht zu überfordern. Wenn es möglich ist, ist der Montag mein freier Tag. Da besuche ich meine Familie, ich lese viel und fahre im Sommer gerne mit dem Rad aus.

Wie sehen Sie die schwierige Situation in der Corona-Krise?

Eiginger: Die Corona-Krise betrifft alle Menschen. Diese Tatsache fordert uns. Wir brauchen aber nie den Mut verlieren, wir dürfen allezeit auf Gottes Beistand vertrauen. Die Krise kann uns auch zu Erkenntnissen führen, wenn wir uns auf das Wesentliche im Leben besinnen. Und bei aller gebotenen Sorge um die Gesundheit des Leibes, die zweifellos ein hohes Gut ist, mögen wir ebenso auf das Heil unserer Seele achten.

Freuen Sie sich schon auf Ihre Arbeit als Kaplan in Scheibbs? Was erwarten Sie sich?

Eigigner: Ich freue mich schon auf meine vielfältigen Aufgaben als Kaplan in Scheibbs. Diese reichen von der Feier der Gottesdienste über die Begleitung der Menschen in allen Lebenslagen bis hin zum Religionsunterricht an der Volksschule in St. Georgen/Leys. In Anlehnung an einen Ausspruch des Heiligen Augustinus möchte ich sagen: Für euch bin ich gerne Priester, mit euch bin ich gerne Christ. Kaplansjahre sind auch Lehrjahre, bevor ich selbst einmal eine Pfarre übernehmen darf.