Offener Brief: "Willkommen Mensch" wendet sich an Land. In einem offenen Brief hat sich der Verein Willkommen Mensch an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gewandt und um Kursänderung in der Flüchtlingspolitik gebeten.

Von Karin Katona. Erstellt am 24. Juli 2018 (04:50)
Luisa Katona
Abdulsatar Alawi – hier mit Johann Pöcksteiner, Obmann des Vereins Willkommen Mensch – ist afghanischer Staatsbürger. Er kam vor drei Jahren nach Österreich und wartet auf seinen Asylbescheid.

„Wir wenden uns an Sie, um unsere tiefe Besorgnis über die derzeitigen Entwicklungen im Bereich Asyl und Menschenrechte zu artikulieren“ – so beginnt der offene Brief, den der Scheibbser Verein Willkommen Mensch – Verein zum Finden einer neuen Heimat an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gerichtet hat. Man wolle, erklärt Obmann Johann Pöcksteiner, die Ablehnung der aktuellen Asylpolitik ausdrücken und Alternativen aufzeigen.

„Arbeit und Deutsch-Kurse für Asylwerber“

Anlass für den Brief: Es sei bisher nicht gelungen, einen Termin für die Überreichung der Unterschriften und Anliegen der Online-Petition „NÖ darf nicht Vorreiter für Unmenschlichkeit werden“ zu erhalten.

„Wir wollten ein Zeichen setzen, dass Niederösterreich mit seiner Flüchtlingspolitik in die falsche Richtung geht. Und 1.125 Menschen haben unsere Petition unterzeichnet“, berichtet Christine Kladnik, Vorstandsmitglied des Vereins. „Doch bisher haben wir vom Büro Mikl-Leitner noch keinen Termin für die Abgabe der Petition erhalten.“ Vereinsobmann Johann Pöcksteiner vermutet:

„Ich sehe in diesem Nicht-Reagieren eine Hinhaltetaktik, damit wir irgendwann Ruhe geben.“ Eine Aussage, der Hermann Muhr, Pressesprecher von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, vehement widerspricht: „Wir nehmen alle Anliegen, die an uns herangetragen werden, ernst. Einen Termin für eine Übergabe der Unterschriften wird es sicherlich geben, sobald das zeitlich möglich ist.“

„Warum lässt man die Menschen nicht dort leben, wo sie von der Bevölkerung aufgenommen werden?“Johann Pöcksteiner, Obmann Verein Willkommen Mensch

Im Brief wird auch die Geschichte der achtköpfigen kurdischen Familie Omar, die seit 2015 in Wang lebt und nach Ablehnung ihres Asylantrags von der Abschiebung in den Irak bedroht ist, geschildert (die NÖN berichtete).

Nach der vorläufigen Aussetzung des Abschiebungsbescheides sei zwar Ruhe eingekehrt, doch die Familie lebe in Angst, berichtet Birgit Redl vom Verein Willkommen Mensch in Steinakirchen, die die Familie betreut. „Wir versuchen, auch im Interesse der Kinder, alles so normal wie möglich weiterlaufen zu lassen und optimistisch in die Zukunft zu schauen.“ Die Kinder haben gute Schulzeugnisse nach Hause gebracht, die Mutter habe ihre Deutschprüfung bestanden, der Vater Aussicht auf einen Job.

„Warum lässt man Menschen wie die Familie Omar, die bestens integriert sind, nicht dort bleiben, wo sie sicher leben können und von der Bevölkerung aufgenommen worden sind?“, fragt Vereinsobmann Johann Pöcksteiner. Er fordert eine „andere Flüchtlingspolitik“. „Statt den Menschen Sozialschmarotzertum zu unterstellen, könnte man sie arbeiten lassen, ihnen die Chance geben, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. Statt dessen gibt es kein Geld für Deutschkurse.“