Bauwirtschaft & Corona: „Abstand oft einfach unmöglich“

Zwei Meter Mindestabstand, Mund-Nasenschutz oder FFP2-Maske beim Verrichten von schwerer Arbeit – am Bau sind Corona-Maßnahmen oft nicht praktikabel.

Erstellt am 12. Februar 2021 | 05:44
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Traunfellner-Betriebsratsvorsitzender Reinhard Pitzl (rechts) mit Martin Mayer bei der Traunfellner-Baustelle in Purgstall. „Wir geben uns größte Mühe, die Vorgaben einzuhalten aber oft sind sie einfach für den Bau nicht praktikabel“, sagt Pitzl.
Foto: Franz Reiterer

Lokalaugenschein auf einer aktuellen Baustelle der Scheibbser Baufirma Traunfellner in Purgstall. An diesem Montagvormittag arbeiten bis zu 20 Mitarbeiter auf dieser Baustelle in der Schottergrube – jeder hat eigentlich viele Quadratmeter Platz für sich.

Dennoch erfordern manche Arbeiten direkte Zusammenarbeit. Der grundsätzlich laut Covid-19-Notmaßnahmenverordnung auch für die Bauwirtschaft an allen Arbeitsorten vorgeschriebene Mindestabstand von zwei Metern wird fallweise unterschritten.

Bau bislang gut durch die Krise gekommen

„Bei uns geben sich alle Mühe und schauen, dass wir die Maßnahmen so gut als möglich einhalten. Aber bei der Arbeit selbst ist es einfach oft unmöglich. Eine Eisenmatte oder Schaltafel mit entsprechender Größe kannst du nicht alleine tragen. Da müssen mehrere Leute anpacken. Und bei so schwerer Arbeit am Bau ist ein Mund-Nasenschutz oder gar eine FFP2-Maske auf Dauer nicht praktikabel“, hat Traunfellner-Betriebsratsvorsitzender Reinhard Pitzl volles Verständnis für seine Kollegen.

Natürlich sei Corona auch am Bau ein Thema. Man fährt in kleineren Gruppen zu den Baustellen, hat zusätzliche Baucontainer aufgestellt, damit die Leute mehr Platz bei den Pausen haben, macht wenn möglich Pause in Schichten, hat Desinfektionsmittel vor Ort und hat die Reinigungsintervalle der Aufenthalts- und WC-Container auf den Baustellen deutlich erhöht.

„Wir sind zudem in der glücklichen Lage, dass wir meistens im Freien arbeiten. Da ist die Ansteckungsgefahr doch deutlich geringer. So haben wir bislang auch in unserem Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern, davon 300 Arbeiter, die Pandemie noch ohne große Cluster oder Ausfälle überstanden. Natürlich gab es einige Infizierte und auch einige Quarantänefälle, aber ganze Partien sind noch nicht ausgefallen“, weiß Pitzl. Zuletzt sind in der Firma Traunfellner die Mitarbeiter auch verstärkt getestet worden – natürlich auf freiwilliger Basis.

Dass der Bau bislang gut durch die Krise gekommen ist, bestätigt auch Daniel Lachmayr, Regionalsekretär der Gewerkschaft Bau-Holz. „Die Bauwirtschaft floriert. Fälle, dass Baustellen aufgrund eines Corona-Clusters stillgestanden sind, kann man an einer Hand abzählen. Der Vorteil ist, unsere Leute arbeiten in der frischen Luft oder meist gut durchlüfteten Räumen. Und wenn sie auch im Umfeld oder den Pausen gewisse Vorsichtsmaßnahmen einhalten, dann ist die Infektionsgefahr gering“, sagt Lachmayr.

„Völlig überzogen“, sagt die Spartenobfrau

Wie schwierig die Umsetzung mancher Maßnahmen ist und welche Verwirrung teilweise herrscht, zeigte die in der Vorwoche aufgekommene Diskussion um eine angebliche FFP2-Maskenpflicht für Bauarbeiter. Im Gesundheitsministerium hielt man gegenüber der APA fest, dass es „keine Verpflichtung für FFP2-Masken am Arbeitsplatz, weder in geschlossenen Räumen noch im Außenbereich“ gebe. Allerdings gelte am Arbeitsplatz – auch im Außenbereich – grundsätzlich die Pflicht zum Tragen von herkömmlichem Mund-Nasen-Schutz.

Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer hatte das kritisiert. Die Vorgabe sei angesichts des deutlich geringeren Infektionsrisikos bei Arbeiten im Freien und des Mindestabstandes von zwei Metern „völlig überzogen“, befand Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. „Baustellenmitarbeiter werden dadurch massiv beeinträchtigt, insbesondere jene, die besonders schwere körperliche Tätigkeiten verrichten.“