Retter brauchen höhere Beträge. Gemeinden greifen für Aufrechterhaltung des Rettungsdienstes im Bezirk ab 2020 noch tiefer in die Taschen. Beitrag erhöht sich von 13 auf 18 Euro pro Einwohner.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 19. November 2019 (05:12)
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Besuch von LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (4. von rechts) und dem Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner (5. von links) bei der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Scheibbs, von links: Bezirkskommandant Franz Aspalter, Bezirksgeschäftsührer Reinhard Punz, Leiterin Soziale Dienstag Caroline Schalhaas, Bezirksstellenleiter-Stellvertreter Johann Eßletzbichler, Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl, RKNÖ-Vizepräsidentin Elfriede Wilfinger, Viertelsvertreter Hans Ebner und Bezirksstellenkassier Franz Eßletzbichler.
Christian Eplinger

Gesundheit kostet Geld. Das gleiche gilt für einen flächendeckenden, 24-Stunden-durchgehenden Rettungsdienst. „Natürlich haben wir als Gemeinde keine große Freude, wenn die Beitragskosten für uns steigen. Aber uns muss klar sein, dass dieses wirklich perfekte Service des Rettungsdienstes mit dem Roten Kreuz Geld kostet. Wenn wir wo einsparen wollen, dann müssten wir entscheiden, welche Leistungen zu kürzen wären“, weiß der Scheibbser VP-Bürgermeister Franz Aigner.

Er und seine 17 Amtskollegen des Bezirks haben in den nächsten Wochen die Aufgabe, dass in ihren Gemeinderäten die notwendigen Beschlüsse für die Neufestsetzung der Rettungsdienstbeiträge im Scheibbser Bezirk gefällt werden.

Nachdem dieser 2009 von 5,80 Euro pro Einwohner auf 13,06 Euro gestiegen und zwischenzeitlich auf 10 Euro abgesenkt worden war, lag der Beitrag 2019 wieder bei 13 Euro pro Einwohner. Nun steht für 2020 die nächste gravierende Erhöhung an. 18 Euro pro Einwohner lautet der Vorschlag und Wunsch des Roten Kreuzes. Der höchste Wert in ganz Niederösterreich.

„Dann können wir den Rettungsdienst kostendeckend rund um die Uhr in allen vier Dienststellen des Bezirks aufrechterhalten. Wenn nicht, muss uns wer sagen, welche Leistungen wir kürzen sollen“, meint Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Kurt Schlögl, selbst VP-Gemeinderat in Scheibbs.

„Mit weiteren Fahrten, so wie sie in unserer Region die Norm sind, binde ich natürlich meine Ressourcen länger – sowohl vom Personal als auch von den Autos her.“Reinhard Punz, Rotes Kreuz

Der Rettungsdienst ist eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinden. Per Vertrag wurde diese Pflicht im Scheibbser Bezirk an das Rote Kreuz übergeben.

Gründe für den notwendigen höheren Kostenbeitrag sind die vor allem durch das neue Arbeitszeitgesetz gestiegenen Personalkosten und auch eine entsprechende Leistungssteigerung. Zwölf-Stunden-Dienste etwa müssen nun auf zwei Mitarbeiter aufgeteilt werden. Heuer werden außerdem über 1,2 Millionen reine Rettungsdienst-Kilometer mit den 21 Rot-Kreuz-Rettungsdienstautos zurückgelegt. „Wir haben rund 23.000 Transporte pro Jahr“, weiß Schlögl.

Gab es bereits 2018 eine Steigerung der Transportfahrten um rund zehn Prozent, so rechnet Bezirksgeschäftsstellenleiter Reinhard Punz für 2019 mit einer weiteren Steigerung um sechs bis sieben Prozent. Vor allem die Dialyse-Transporte haben zugenommen und auch die Fahrten vom Landesklinikum Scheibbs in andere Spitäler.

„Im LK Scheibbs wird nur mehr die Grundversorgung angeboten, bei Herzproblemen werden die Patienten jetzt nach Waidhofen oder St. Pölten gebracht, bei Schlaganfällen nach Amstetten. Mit den weiteren Fahrten binde ich aber auch meine Ressourcen – sowohl vom Personal als auch von den Autos her“, erklärt Reinhard Punz.

Bei den Dialyse-Patienten komme hinzu, dass die Dialyse-Stationen in den Spitäler aufgrund des erhöhten Arbeitsaufkommens jetzt immer mehr Abendschichten anbieten.

Die Behandlungen dauern damit bis um Mitternacht. „Ich kann von freiwilligen Kräften nicht verlangen, dass sie regelmäßig erst nach Mitternacht von geplanten Ausfahrten zurückkommen und dann nächsten Tag in die Arbeit gehen. Da müssen wir immer mehr auf hauptamtliche Mitarbeiter zurückgreifen“, weiß Punz. Aktuell umfasst die Rettungsdienst-Mannschaft in den vier Rot-Kreuz-Dienststellen des Bezirks 25 hauptberufliche und rund 310 freiwillige Mitarbeiter.

Die Hoffnung der Rot-Kreuz-Verantwortlichen ist auf lange Sicht eine nachhaltige Lösung auf Landesebene, um nicht jedes Jahr mit den Gemeinden verhandeln zu müssen. Allerdings hatte man sich schon im Vorjahr solch eine Lösung erhofft.

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf versprach bei einem Besuch der Scheibbser Rot-Kreuz-Bezirksstelle seine Unterstützung. Aber er hielt auch fest, dass es künftig klare Regelungen geben müsse, von wem und wann die Rettungsdienste in Anspruch genommen werden können. „Es kann nicht sein, dass ich mir die Rettung wie ein Taxi bestelle, nur dass ich nichts zahlen muss. Da muss man gewisse Lenkungsinstrumentarien miteinbeziehen“, sagt Pernkopf.