Umsatzstarker Karfreitag: „Zum Offenhalten gezwungen“. In der Karfreitags-Debatte haben ÖVP und FPÖ am Dienstag angekündigt, den Feiertag ganz zu streichen. Stattdessen können sich Arbeitnehmer an einem "persönlichen Feiertag" Urlaub nehmen. Einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür aber nicht. Zuvor war eine Halbtags-Lösung angepeilt worden - NÖN.at hatte berichtet:

Von Claudia Christ und Peter Führer. Erstellt am 26. Februar 2019 (05:00)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
shutterstock.com/Bacho

Der Karfreitag zählt im Handel gemeinsam mit den Tagen vor Weihnachten zu den umsatzstärksten Tagen im Jahr. Bislang war dieser Tag nur für Menschen evangelischem, altkatholischem und protestantischem Glaubensbekenntnis ein Feiertag. Nun soll er für alle Arbeitnehmer ein halber Feiertag werden. Geht es nach den Plänen der Regierung, ist ab 14 Uhr Schluss mit der Arbeit.

„Im Handel ist diese Regelung nicht umsetzbar“, ärgert sich Anna Brandstätter. Gerade kurz vor dem Osterfest wandern in ihren beiden Geschäften „Annas Spielewelt“ in Purstall und Wieselburg unzählige Spielwaren über den Ladentisch.

„Am Karfreitag um 14 Uhr das Geschäft zu schließen, ist keine Option. Wir werden quasi dazu gezwungen offenzuhalten“, erklärt sie. Abgesehen davon, dass die Chefin selbst an diesem Tag im Laden stehen wird, bedeutet das 100-prozentige Zuschläge für ihre sechs Angestellten. „Das geht wieder voll auf die Kosten der kleineren Betriebe, denn diesen Umsatz kann sich keiner entgehenlassen“, ärgert sich Brandstätter.

„Die Feiertagsregelung geht wieder voll auf die Kosten der kleineren Betriebe. Den Umsatz kann sich einer entgehen lassen.“ Anna Brandstätter

Als Schnellschussaktion bezeichnet Bäckermeister Thomas Czihak in Gaming die geplante Regelung: „Die ganze Aktion hat nicht Hand und nicht Fuß.“ Das Problem sei nicht in der Backstube, „denn wir Bäcker beginnen mit der Arbeit um 24 Uhr“, sondern in der Bäckerei zu finden. „Wir können gar nicht anders, als offen zu halten, denn auf den Umsatz vor dem Osterwochenende können wir ganz sicher nicht verzichten“, sagt er. Auch mit dem Zeitplan – immerhin soll die Umsetzung schon für den diesjährigen Feiertag gelten – hat Czihak ein Problem: „Da wollen sich wieder einige profilieren. Man merkt, dass die AK-Wahlen anstehen“. Der Bäcker kritisiert, dass so eine Änderung neben der Abänderung im Kollektivvertrag auch Maßnahmen bei der Lohnverrechnung und in der Buchhaltung nach sich ziehe. Denn ein halber Urlaubstag ist im Kollektivvertrag nicht vorgesehen.

Diese Kritik teilt auch Gottfried Steinecker von Steinecker Moden mit Sitz in Randegg: „Das ist eine typisch österreichische Lösung, mutlos, konzeptlos, ein Schnellschuss und wenig bis gar nicht durchdacht.“

Der Karfreitag sei ein sehr starker Einkaufstag, auch in der Mode. Dieser halbe Feiertag passe da überhaupt nicht dazu. Auch einen Profit für die Arbeitnehmer kann der Geschäftsführer der Modehaus-Kette nicht erkennen: „Beide, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sind hier die Verlierer.“ Zudem fehlen bislang wichtige Details. „Wir wissen ja noch nichts Konkretes, aber die Regelung, wie die am 8. Dezember, bringt nur Kosten für den Handel, da die Stunden ab 14 Uhr mit 100 Prozent Zuschlag und 100 Prozent Freizeit abgegolten werden müssen“, erläutert Steinecker.

16 bezahlte Feiertage

Österreich habe mit 16 bezahlten Feiertagen und fünf Wochen Urlaub ohnehin schon EU-weit die Nase vorne. „Man hätte ruhig einen anderen Feiertag umwidmen können. Das Groteske ist ja, dass immer weniger Menschen die Religion praktizieren - aber bei solchen Themen sind wir dann plötzlich wieder alle sehr gläubig“, macht der Geschäftsmann seinem Ärger Luft.

Dass nicht nur die Klein- und Mittelbetriebe, sondern auch die großen Unternehmen im Bezirk die „Feiertagskost“ noch nicht ganz verdaut haben, beweist die Tatsache, dass sich auf Anfrage der NÖN, weder ZKW-Lichtsyteme in Wieselburg, noch Welser Profile in Gresten und die Handelsriesen Rewe und Spar zu einem offiziellen Statement durchringen konnten.

„Die Geschäftsleitung sei derzeit noch mit der Ausarbeitung von Lösungen beschäftigt“, heißt es bei ZKW in Wieselburg. Die Handelsketten Rewe und Spar wollten angesichts der fehlenden Details noch kein Statement abgeben. Erhoffen sich aber angesichts des umsatzstarken Tages, dass eine Regelung, die Mehrkosten für das Unternehmen verhindert.

Umfrage beendet

  • Aus Feiertag wird Urlaubstag: Ist die Karfreitags-Lösung gerecht?