„Der Weibsteufel“: So aktuell wie vor 100 Jahren. „Der Weibsteufel“ begeistert dank dreier ausdrucksstarker Schauspieler und stimmungsvollen Umfeldes.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 30. Juli 2019 (15:54)
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„Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr – 1914 im Johann Strauß Theater in Wien uraufgeführt und dennoch heute aktueller denn je. Zwei Männer – der junge Grenzjäger (Mathias Pichler, links) und der Mann (Martin Sedlinger) am Gängelband des Weibes (Christina Sedlinger-Meister). Und alles dreht sich um Macht, Geld oder eben ein Haus.
imagefoto.at/Theo Kust

Eines vorweg: Der Theatersommer Schloss Neubruck ist gelungen. Alle zehn Vorstellungen, inklusive der Zusatzvorstellung, sind bereits jetzt ausverkauft.

Die Premiere am Freitag fand bei angenehm warmen Temperaturen im stimmungsvollen Ambiente des Schlosshofes statt. Auch am Samstag und Sonntag musste man trotz unbeständigem Wetter nicht in den Keramiksaal ausweichen – der Idealfall für Schauspieler und Publikum.

Abwechselnd heiß und kalt wurde dem Publikum ohnehin durch das Stück selbst. „Der Weibsteufel“, von Karl Schönherr vor über 100 Jahren geschrieben, ist alles andere als eine leichte Sommerkost. Und sein Inhalt heute aktueller denn je. Es geht um Gefühle, Besitz, Macht, Geld und Egoismus und darum, welch kleine Einflüsse von außen einen Menschen komplett zu verändern vermögen. So weit zu verändern, dass man zum Kriminellen wird. Aus dem ihren gebrechlichen, alternden aber schlauen Mann liebenden Weib wird ein echter Weibsteufel, für den der starke, ehrgeizige, junge Grenzjäger ein leichtes Spiel ist.

Die drei Schauspieler auf der Bühne – Christina Meister-Sedlinger als das Weib (sehr ausdrucksstark), Martin Sedlinger als der Mann (Idealbesetzung) und Mathias Pichler als der junge Grenzjäger (vielleicht um Nuancen zu zurückhaltend) – brillieren in ihren Rollen, gehen darin wahrlich auf und spielen mit sehr viel Leidenschaft.

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Christina Meister-Sedlinger – sie spielt nicht nur die Titelrolle, sondern ist auch Intendantin und Regisseurin – lässt das Schönherr-Stück unverändert. Auch das ist mit einer Gesamtnettospielzeit von zweieinhalb Stunden keine leichte Kost. Dennoch, der familiäre Rahmen (110 Sitzplätze) sorgt dafür, dass sich die Emotionen und das Spannungsfeld unmittelbar auf das Publikum übertragen und dieses in jeder Phase mitnehmen. Optimal verstärkt durch die Lichteffekte (Franz Sauprügl) und die Impro-Live-Musik (Christina Gaismaier und Christoph Rabl alias „Traumfänger-Duo“, perfekt).

Die Handlung bleibt in Tirol, der Tiroler Dialekt sorgt mitunter für den einen oder anderen Schmunzler im Publikum. Einzig das von Theo Kust fotografierte Bühnenbild (eine Fotomontage von Erlaufschlucht und Ötscher) entführt ins Ötscherland.

Resümee: Premiere gelungen, Fortsetzung sehr erwünscht.