Theatersommer: „Das Stück fordert in allen Belangen“. Am 26. Juli ist Premiere von „Der Weibsteufel“. Die NÖN sprach mit Intendantin, Regisseurin und „Weib“ Christina Meister.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 17. Juli 2019 (11:06)
Kurt Tutschek
Schauspielerin und ORF-Moderatorin Christina Meister ist Intendantin des Theatersommers Schloss Neubruck, führt Regie und spielt in Schönherrs „Der Weibsteufel“ auch die Hauptrolle: das „Weib“.

NÖN: Am 26. Juli, geht die Premiere des ersten Theatersommers im Schloss Neubruck über die Bühne. Sie haben die Intendanz übernommen, führen Regie und spielen zugleich die Hauptrolle. Können Sie noch gut schlafen?

Christina Meister: Naja, den einen oder anderen Albtraum, wo ich vor dem Publikum stehe und keinen Text mehr weiß, hatte ich schon. Aber das hat wohl jeder Schauspieler, wenn die Premiere näher rückt. Ich bin jedenfalls irrsinnig nervös und fiebere der Premiere sehr entgegen. Neben meinem Bett liegt ein Zettel, wo ich Gedanken, die mir in der Nacht kommen, sofort aufschreibe. Generell gibt es jeden Tag eine riesige To-do-Liste, die wir noch abarbeiten müssen. Ich will schon beim ersten Theatersommer, dass möglichst alles perfekt ist.

Was macht den Unterschied dieser Produktion zu jüngsten Produktionen beim Schauspiel. Scheibbs oder in Wieselburg?

Meister: Da stand immer ein Verein dahinter, der sich um das Drumherum gekümmert hat. Ich konnte mich auf die Regie und die Schauspielerei konzentrieren. Als Intendantin ist man für alles verantwortlich. Zum Glück habe ich ein gutes Team hinter mir, mit meinem Mann an der Spitze, und die Unterstützung der Stadtgemeinde. Unsere Familie ist jedenfalls voll eingebunden. Unsere elfjährige Tochter Nora hilft beim Requisiten-Erstellen, meine 72-jährige Mutter Stephanie hat in ganz Niederösterreich Plakate verteilt und ist bei den Proben unsere schärfste Kritikerin.

Mit Ihrer Idee des Theatersommers in Neubruck haben Sie sich nicht nur Freunde gemacht. Gerade von Kulturschaffenden in Scheibbs ist doch eine gewisse Distanziertheit zu verspüren.

Meister: Leider wurde von einigen Personen ein gewisses Konkurrenzdenken lanciert. Ich sehe den Theatersommer nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung, besonders, weil es in der Region keine derartige Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt gibt. Ich habe mich bei unserer Hochzeit im Juni 2016 in das Schloss Neubruck verliebt und wollte hier unbedingt etwas machen – ohne „um Erlaubnis“ zu fragen. Das hat manchen sauer aufgestoßen. Aber wenn man sich als Künstler immer nach persönlichen Befindlichkeiten anderer richtet, dann passiert gar nichts. Bürgermeisterin Christine Dünwald-Specht war auf jeden Fall sofort Feuer und Flamme. Daher tritt die Stadtgemeinde als Veranstalter auf.

Sie bringen mit „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr einen Klassiker der österreichischen Theaterliteratur auf die Bühne. Wieso gerade dieses Stück? Es ist keine leichte Sommertheaterkost.

Meister: Das stimmt. Das Publikum wird genauso wie die Schauspieler gefordert. Die zweistündige Aufführung wird auch keine Pause haben. Eine Pause würde die gesamte Spannung, die sich sowohl für das Publikum als auch für uns Schauspieler im Laufe des Stücks immer mehr aufbaut, unterbrechen. Im Kino hält man es auch zwei Stunden ohne Pause aus.

Haben Sie als Regisseurin das Stück sehr verändert oder die Zeit und den Ort des Geschehens an das Heute angepasst? Immerhin wurde das Stück bereits 1915 am Burgtheater uraufgeführt.

Meister: Nein, es ist das erste Stück, bei dem ich als Regisseurin nicht eine Textzeile verändert habe. Für mich ist es ein Meisterwerk von Karl Schönherr. Daher habe ich nichts modernisiert. Einzig in dem in Zusammenarbeit mit Theo Kust gestalteten Bühnenbild lassen wir die Region etwas miteinfließen.

Als Weib spielen Sie auch die Hauptrolle im Stück. Ein Weib, um das Ihr Mann – gespielt von Ihrem Ehemann Martin Sedlinger – und der junge Grenzjäger Mathias Pichler buhlen. Man geht in dieser Dreiecksgeschichte nicht immer nur zärtlich miteinander um. Wie leicht ist es, diese Emotionen auf der Theaterbühne zu belassen?

Meister: Martin und ich haben schön öfters miteinander in einer Theaterproduktion gespielt, aber noch niemals ist eine Rolle so derart an die Substanz gegangen. Denn in den Rollen gibt es schon einige gegenseitige verbale Verletzungen, die unter die Haut gehen. Die missfallen aber vor allem unserer Tochter. Wir beide können da recht gut Abstand gewinnen – also eine Paar-Therapie brauchen wir danach nicht. Etwas anders ist es bezüglich der Rundum-Organisation. Da prallen manchmal unterschiedliche Meinungen und mitunter zwei Dickköpfe aufeinander (lacht).

Seit vorigen Samstag wird in Neubruck vor Ort geprobt. Geplant sind neun Vorstellung. Wird es Zusatzvorstellungen geben? Pro Vorstellung haben ja nur rund 110 Besucher Platz.

Meister: Der Vorverkauf läuft gut, aber es gibt noch genug Karten. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Wir werden bei Schönwetter auch einige Abendkarten auflegen, weil wir im Schlosshof mehr Plätze zur Verfügung haben als im Keramiksaal, wohin wir bei Schlechtwetter ausweichen. Die Crew hätte Zeit für Zusatzvorstellungen.