Schloss Wolfpassing: Wieder Käufer gesucht. Neue Interessenten gesucht / War der Kauf des Schlosses Wolfpassing nur ein Immobilien-Deal? Derzeit deutet vieles darauf hin.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
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Von Christian Eplinger und Eva Lugbauer

WOLFPASSING / Erst vor kurzem langte das Geld der TH Holding GmbH auf einem Treuhandkonto ein. Die Immobilienfirma hatte das Schloss Wolfpassing von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gekauft. Und nun soll das Schloss wieder weiterverkauft werden.

Wolfpassings Bürgermeister Josef Sonnleitner bestätigte, dass ein Gespräch zwischen ihm und Dieter Marhold, der im Auftrag der TH Holding GmbH das Schloss verwaltet, stattgefunden hat. „Uns wurde mitgeteilt, dass das Schloss wieder zum Verkauf steht und dass auch öffentliche Veranstaltungen im Schloss stattfinden können. Das traditionelle Frühlingskonzert des Musikvereins Steinakirchen am 5. April wird nun doch wieder im Schloss über die Bühne gehen“, erklärt Sonnleitner.

Nur TH Holding GmbH erfüllte Ausschreibungskriterien

Die BIG hatte das Schloss samt Liegenschaften im Vorjahr an die Immobilienfirma TH Holding GmbH verkauft. Sie war der einzige Kaufinteressent, der die Ausschreibungskriterien erfüllte. Das Angebot eines Raiffeisen-Konsortiums war knapp unter dem Mindestkaufpreis von 1,77 Millionen Euro gelegen. Nach einiger Verzögerung war im Dezember der Kaufpreis auf einem Treuhandkonto eingelangt. Inzwischen ist auch die eigens gegründete „TH SW Liegenschaftsbesitz GmbH“ als neuer Besitzer im Grundbuch eingetragen.

Über den weiteren Verwendungszweck des Schlosses hüllte sich Tobias Hufnagl, der 38-jährige Geschäftsführer der TH Holding GmbH, bisher in Stillschweigen. Die TH Holding GmbH dürfte als Immobilienfirma aber die Chance ergriffen haben, ein sehr gut erhaltenes Schloss samt Nebengebäuden mit einer Nutzfläche von 8.500 m und einem 75.000 m großen Gesamtareal relativ kostengünstig zu kaufen.

Verwendungszweck des Schlosses offen

Verwalter Marhold bestätigte gegenüber der NÖN, dass es vor Ort wieder jemanden gebe, der sich um das Schloss kümmere und daher auch die traditionelle Musikvereinsveranstaltung kein Problem darstelle. Wie es mit dem Schloss weitergeht, wisse aber auch er nicht. „Weitere Aktivitäten sind derzeit nicht geplant. Das ist Sache von Herrn Hufnagl. Aber in der Immobilienbranche ist es durchaus üblich, dass man Objekte erwirbt, wenn sich eine kostengünstige Chance ergibt“, sagt Marhold.

Um welchen Preis das Schloss weiterverkauft werden soll, darüber wird geschwiegen. Durchgesickert ist nur, dass der Betrag um einiges höher liegen soll, als die TH Holding GmbH das Schloss von der BIG gekauft hat.

„Im Prinzip obliegt dem Eigentümer, was er mit dem Schloss tut“, kommentiert BIG-Pressesprecher, Ernst Eichinger, den Wiederverkauf. Es gebe zwar im Kaufvertrag eine Nachbesserungsklausel. „Die bezieht sich aber nur auf eine Umwidmung. Das heißt, wenn eine höherwertige Widmung erfolgt, ist eine Nachbesserung fällig.“ Davon sei beim Schloss Wolfpassing aber nicht auszugehen, sagt Eichinger.

Internationale Auktion in London möglich 

Sollte das Schloss nicht innerhalb der nächsten Monate verkauft werden können, dann könnte es laut Bürgermeister Sonnleitner auch zu einer internationalen Auktion des Schlosses am Marktplatz London kommen.

Mit dem Gutachten über den aktuellen Marktwert des Schlosses wurde das Wiener Architekturbüro Rollwagen beauftragt, dort kann man aber über ein Ergebnis des Gutachtens keine Auskünfte geben: „Wir unterliegen der Schweigepflicht.“ Die sogenannte Führerglocke, die noch immer im Wolfpassinger Schlossturm hängt, wurde im Gutachten jedenfalls nicht berücksichtigt: „Bewertet wird nur, was nicht beweglich ist.“

Was mit der Führerglocke passiert, bleibt weiterhin unklar. Der Wieselburger Historiker Johannes Kammerstätter hatte im Vorjahr auf die Glocke mit Nazi-Inschrift und ihre Bedeutung als Symbol aufmerksam gemacht. Kammerstätter fordert nach wie vor: „Die Glocke darf nicht eingeschmolzen werden, sie gehört in den öffentlichen Raum, zum Beispiel in ein Museum.“ Und sie dürfe natürlich keinesfalls in falsche Hände gelangen.