Bus-Chaos erhitzt die Gemüter im Bezirk Scheibbs. Eltern und Politik fordern sofortige Änderung des Busfahrplans, Sicherheit der Kinder im Fokus.

Von Anna Faltner. Erstellt am 10. September 2019 (06:10)
Faltner
Wollen sich für rasche Verbesserungen im Schülertransport einsetzen: VP-Bezirksgeschäftsführerin Katja Hochebner, Bürgermeister Friedrich Salzer (Wolfpassing), VP-Landtagsabgeordneter Anton Erber und Bürgermeister Franz Sonnleitner (Wang).

Erster Schultag, die Wolfpassinger Kinder warten an der Bushaltestelle wie gewöhnlich – der Bus bleibt aber nicht stehen, fährt an ihnen vorbei. Ein Stück weiter – in Zarnsdorf – möchte eine Mutter ihr Kind von der neuen Bushaltestelle (mitten auf der stark befahrenen Grestnerstraße) abholen. Der Bus kommt nicht, lässt die Volksschüler stattdessen wo anders aussteigen. Das sind nur zwei von vielen Szenarien, die in der ersten Schulwoche im Kleinen Erlauftal für Aufregung sorgten.

Eltern und Politik gingen mit der Problematik an die Öffentlichkeit. Sie fordern sofortige Verbesserungen, angepasste Fahrzeiten und vor allem Sicherheit vom Verkehrsverbund Ostregion (VOR).

Haltestellen gestrichen und Fußweg auf L89

In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz der Bezirks-VP waren mangelhafte und fehlende Linienführungen sowie die neuen Haltestellen ein brisantes Thema. Vor Ort: VP-Landtagsabgeordneter Anton Erber, Wolfpassings VP-Bürgermeister Friedrich Salzer sowie Franz Sonnleitner, Obmann-Stellvertreter des ÖVP-Gemeindevertreterverbands, sowie zahlreiche Eltern, die ihrem Ärger Luft machten. Betroffen sind die Gemeinden des Kleinen Erlauftals, Göstling und Oberndorf.

„Es ist notwendig, sofort einzugreifen. Eine mangelhafte Vorbereitung seitens des VOR sowie der Mobilitätszentrale tragen die Schuld. Eine Befahrung der Routen wurde angekündigt, aber offensichtlich nicht durchgeführt“, ärgert sich Erber.

„Man lässt unseren Ort im Verkehr einfach so links liegen und setzt die Kinder lebensgefährlich mitten auf der Straße ab.“Friedrich Salzer, Wolfpassing

Die größten Probleme gibt es in Wolfpassing. Haltestellen wurden komplett gestrichen, Kinder müssen direkt auf der Landesstraße (L89) aussteigen und dann noch bis zu 1,4 Kilometer Fußweg (!) auf der stark befahrenen Straße auf sich nehmen. „So etwas Schlampiges habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Dass man unseren Ort im Verkehr einfach so links liegen lässt und Kinder lebensgefährlich mitten auf der Straße absetzt. Die Sicherheit sollte wirklich im Vordergrund stehen“, zeigt sich Wolfpassings Bürgermeister Friedrich Salzer entrüstet. Immerhin nutzen mehr als 80 Wolfpassinger den öffentlichen Schülertransport.

Bürgermeister und Direktoren kritisieren: Die extreme Umstellung der Fahrpläne wurde nicht kommuniziert, die Planer hätten keine Befahrungen gemacht und sich auch nicht an den Stundenplänen orientiert. Nachgefragt beim Verkehrsverbund Ostregion (VOR), wird betont, dass sich die Verkehrsplaner in Abstimmung mit Gemeinden und Schulen um bestmögliche Varianten bemüht haben.

Dass Veränderungen notwendig sind, ist aber allen bewusst. Beschwerden seien nach der Neustrukturierung eines Busfahrplanes – wie es nun im Mostviertel sowie in der Alpenvorlandregion der Fall war – normal. „Nach dem Schulstart wird noch einmal intensiv geprüft und, wenn nötig, nachjustiert. Ganz zurück zum Vorher wird es aber nicht gehen“, informiert Pressesprecherin Christina Bachmaier. Für die Verkehrsplaner sei es eine enorme Herausforderung, in solch einer großen Region für alle Busreisenden das Optimum herauszuholen.

Zentrale Warum-Fragen konnte Bachmaier aber beantworten. Warum müssen Schüler ohne Haltestelle auf der Grestnerstraße aussteigen? „Eine richtige Haltestelle ist geplant und muss noch gebaut werden. Wir warten noch auf behördliche Bescheide.“ Warum müssen Kinder bis zu 1,4 Kilometer Fußweg auf der Bundesstraße in Kauf nehmen? „1,4 Kilometer sind im gesetzlichen Rahmen. Wenn es nicht anders geht, müssen wir es dabei belassen.“ Warum müssen Schüler zum Teil eine Stunde vor ihrer Schule oder beim Umsteigen warten? „Die Schüler aus dem Mostviertel fahren sternförmig nach Hause. Es ist kaum möglich, dass alle Schulen aus allen Gemeinden zum perfekten Zeitpunkt angefahren werden.“

Fest steht aber: Momentan werden alle Problemstellen überprüft, in den nächsten Wochen sollen Schritt für Schritt Nachjustierungen stattfinden. Die erste ist bereits eingeleitet: Die Linie 655 von Göstling nach Lunz wurde an den Stundenplan angepasst. Unterrichtsende ist um 13.40 Uhr. Der Bus war für 14.33 Uhr angesetzt, ab sofort fährt er um 13.50 Uhr.

Wie geht es weiter? Nun werden alle Problemstellen von den Gemeinden gesammelt und aufgezeigt. Bei einem Treffen von Gemeindevertretern, Landesregierung, VOR und Mobilitätszentrale am Dienstag, 10. September, wird weiter diskutiert.