Schulfilm bringt Jugendliche zusammen

Schüler als Schauspieler „verwurzelt“: Eine bewegende Filmpremiere erlebten die Gäste im Turnsaal der Neuen Mittelschule Gresten.

Michael Söllner
Michael Söllner Erstellt am 12. November 2018 | 09:05
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Mehr als 35 Schüler der dritten Klassen waren in den vergangenen Monaten im Rahmen des EU-Projekts „Verwurzelt“ in die Rolle von Glaubensflüchtlingen aus dem 17. Jahrhundert geschlüpft. In der 20-minütigen Dokumentation von Regisseurin Anita Lackenberger erzählen sie das dunkle Kapitel der evangelischen Exulanten nach. 

Diese mussten ihre Heimat in der Eisenwurzen aufgrund des „falschen Glaubens“ verlassen und im vom 30-jährigen Krieg verwüsteten Franken, Deutschland, einen Neuanfang wagen.

Den Anstoß für das Projekt gab der Lokalhistoriker Hans Karner und seine Mitstreiter von der ARGE Familienforschung NÖ-Eisenwurzen & Franken. Am kommenden Freitag, 16. November, erlebt das Vorhaben seinen Höhepunkt, wenn die Grestner Schüler nach Kammerstein reisen, um dort mit Gleichaltrigen aus Deutschland zusammenzutreffen. 

„Wir haben den ersten Teil des Schulfilms gestaltet, unsere deutschen Partner den zweiten. Nun kommt es zur Begegnung und zum Zusammenführen der beiden Teile“, erklärten die beiden Klassenlehrerinnen Jasmina Hinterreither und Christa Füsselberger.

Bei der Premiere traten die Jungschauspieler in ihren historischen Kostümen auf, die sie mit dem Team der Kreativlösung FilmproduktionsGmbH größtenteils selbst geschneidert hatten. „Wir haben auch viel über Kameratechnik, übers Schminken und den Bühnenbau gelernt. Jetzt sind wir gespannt, wie die deutschen Kinder ihren Film gemacht haben“, berichteten die Schüler. „Anschaulicher kann Geschichtsunterricht nicht sein. Die Schüler erlebten hautnah den kargen Alltag und das Schicksal der Vertreibung mit“, ergänzte Lehrerin Christa Füsselberger.

In alten Bauernhäusern in Reinsberg und Ybbsitz, in einer Schmiede oder in den Kirchen in Gresten und Feichsen drehten die Schülerinnen die Szenen, barfuß schritten sie durch Bach und Wiesen. „Für die Schüler war die Verfilmung dieses dunklen Kapitels unserer Vergangenheit sehr aufregend und spannend. Danke an Anita Lackenberger und ihr Team“, fasste NMS-Direktor Erich Buxhofer zusammen.

Bei der Premiere gaben die Schüler das „Exulantenlied“ zum Besten und freuten sich über die positiven Rückmeldungen der zahlreichen Ehrengäste. Eisenstraße-Obmann Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger, Vizebürgermeister Harald Gnadenberger (Gresten-Markt) und Bürgermeister Leopold Latschbacher (Gresten-Land) würdigten den verbindenden Charakter des Projekts, EU-Abgeordneter Othmar Karas gratulierte mittels Videobotschaft zum „europäischen Gedanken“. 

Denn schließlich handelt es sich bei „Verwurzelt“ um ein transnationales LEADER-Projekt der Eisenstraße Niederösterreich und der deutschen Gemeinde Kammerstein, das aus Mitteln der Europäischen Union, des Landes und des Bundes kofinanziert wird. Auch mehrere Eisenstraße-Vorstandsmitglieder und Schwarze Grafen verfolgten die Premiere mit.