Gute Noten für die Schulen im Bezirk Scheibbs. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Karin Katona. Erstellt am 08. Juli 2020 (04:19)
Jakob Gassner, Manuel Hintersteiner, Kiara Wurzenberger, Maximilian Scheinhart, Sophia Hörhan, Valentina Tiefenbacher und Niklas Scharner aus Purgstall starten voller Freude in die Ferien.
Karin Katona

Nach der Pressekonferenz der Regierung am Freitag, 13. März, war in Österreich nichts mehr wie vorher. Lockdown des öffentlichen Lebens, Schließung der Schulen.

„Mein erster Gedanke war, was mach‘ ich jetzt?“, gibt Michaela Holzhacker zu, die im heurigen Schuljahr mit der Leitung der NMS Gresten betraut war. Durch ihren Mann, einen Tierarzt, war die Pädagogin vorgewarnt gewesen: „Er hat gesagt, pass auf, das ist etwas Ernstes. Also habe ich schon in einer Kurzkonferenz am Mittwoch den Lehrern gesagt, dass sie alles für Fernunterricht herrichten sollen, weil wir nicht wissen, ob wir am Montag noch da sind.“ Logistisch, sagt Holzhacker, sei der Unterricht sowohl während des Lockdowns als auch danach aufwendig gewesen, doch: „Alle, Schüler, Lehrer und Eltern haben ihr Bestes gegeben und wir haben es gemeinsam geschafft!“

„Wir haben die Kinder intensiv betreut und dadurch viel besser kennengelernt.“Helga Moosbauer, Direktorin Schule Oberndorf

E-Learning, Skype, Videokonferenzen – an den Schulen begann eine neue Art des Lernens. In der Schule Oberndorf tat man sich damit nicht schwer, wie Direktorin Helga Moosbauer berichtet: „Unsere Lehrer wurden schon in den vergangenen Jahren dafür ausgebildet und konnten gleich losstarten.“

Die Schulleiterin nimmt aus der Coronakrise auch Positives mit: „Beim Fernunterricht muss man ganz genau auf jedes Kind eingehen. Wir haben sie dafür viel besser kennengelernt. Auch die Kommunikation mit den Eltern hat eine neue Dimension angenommen.“

Die Direktoren und Lehrer der Volksschulen waren vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. „Wir haben bemerkt, dass wir einige Schüler nicht erreichen. Da die Schule für Betreuung ohnehin geöffnet war, haben wir uns diese Kinder zum Unterricht in die Schule geholt“, schildert Manuela Gutlederer, Direktorin der Volksschule Purgstall. „Auch jetzt besuchen sie noch immer parallel zum regulären Unterricht Förderstunden.“

Seit der Wiederöffnung der Schulen wird – wie überall – im Reißverschlusssystem unterrichtet. Auch die Pausen werden so organisiert, dass die Klassen sich nicht begegnen. „Aber jedes Kind soll sich einmal am Tag in unserem Schulfreiraum an der frischen Luft bewegen können“, sagt Direktorin Gutlederer.

Der Schichtbetrieb in der Zeit vor den Ferien hat auch den Lehrern großen Einsatz abverlangt. „Dass nicht alle Kinder gleichzeitig unterrichtet werden, bedeutet, dass der Lehrer alles doppelt denken muss“, berichtet Helga Jungwirth, Direktorin der Volksschule Wieselburg. Auch Jungwirth sieht durchaus positive Auswirkungen der Coronazeit: „Gut, dass der Einsatz der digitalen Medien jetzt auch in der Volksschule selbstverständlich ist.“ Auch sozial hätten viele Kinder gelernt: „Klar haben die Kinder ihre Freunde vermisst, aber viele haben durch den individuellen Unterricht daheim sogar besser lernen können.“ Die Leistungsfeststellung hätte Jungwirth sich anders gewünscht: „Es hätte nach so einem Semester keine Noten gebraucht.“

In Purgstallt lernt man lieber zu Hause

Auch für die Eltern war die Zeit des Corona-Lockdowns nicht leicht. „So von null auf hundert völlig unvorbereitet auf Fernunterricht umzusteigen, war ein wie ein Sprung ins kalte Wasser, natürlich besonders für das Lehrpersonal“, sagt der Elternvereinsobmann der Schule Purgstall, Karl Pöchhacker. „Mit vereinten Kräften ist es gegangen – viel besser, als ich je erwartet hätte.“ Dass die Kommunikation der Schulen mit den Familien so gut geklappt habe, weiß er zu schätzen: „Hut ab vor diesem Engagement.“

Davide Scavelli und Tobias Scharner gehen im Herbst in die vierte Klasse der Volksschule Purgstall. Beide lernen lieber in der Schule als daheim. „In der Schule kann ich mich besser konzentrieren“, sagt Tobias. „Und es macht mehr Spaß, weil ich meine Freunde treffe.“ Auch Davide zieht den Unterricht in der Schule vor: „Zusammen mit meinen Freunden ist es viel lustiger. Und meine Lehrerin ist lang nicht so streng wie meine Mama!“

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