Bio-Laden in Gumprechtsfelden schließt: Pionier muss kürzer treten

Erstellt am 13. Juli 2022 | 04:42
Lesezeit: 3 Min
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Schweren Herzens haben sich Robert Lutz und seine Schwester Brigitte Hollender-Lutz entschlossen, den Hofladen in Gumprechtsfelden mit 23. September zu schließen. Bis September bietet der Hofladen noch das volle Sortiment an. Der Abverkauf soll erst ganz zum Schluss gestartet werden.
Foto: Christian Eplinger
Bio Lutz schließt mit 23. September seinen Hofladen in Gumprechtsfelden – eine wirtschaftliche Entscheidung mit Herzweh.
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Die Familie Lutz war ein Pionier am Biosektor. Seit 1978 bewirtschaftete sie ihre Landwirtschaft streng nach den Bio-Richtlinien. 1980 eröffnete man den ersten Hofladen, „wobei das Wort Laden fast übertrieben ist. Es war mehr ein Türverkauf. Aber wir haben uns sukzessive erweitert und bieten seit 1996 das Vollsortiment bei uns an“, schildert Geschäftsführer und Biobauer Robert Lutz.

Umso schwerer fällt ihm und seiner Schwester Brigitte Hollender-Lutz der jetzige Schritt. Denn mit 23. September wird man den Hofladen in Gumprechtsfelden schließen. „Er ist in der aktuellen Form mit durchgehenden Öffnungszeiten von Montag bis Samstag und sechs Mitarbeitern – fünf davon in Teilzeit – leider nicht mehr wirtschaftlich zu führen“, sagt Robert Lutz.

Während der Umsatz in den Corona-Jahren außerordentlich gut war, setzt die Ukraine-Krise und die damit verbundene Teuerung dem Bio-Laden enorm zu. Und es sei auch keine Besserung in Sicht. „Die Menschen sind im Sparmodus. Auch bei einem Ende der Krise wird man die Nachwirkungen noch etliche Jahre spüren“, ist Lutz überzeugt.

Man hätte sämtliche Szenarien durchgerechnet, um den Hofladen zu erhalten. Von eingeschränkten Öffnungszeiten – Freitag und Samstag sind die umsatzstärksten Tage – über verkleinertes Produktsortiment bis zu einer Erneuerung des Ladens reichten die Überlegungen. „Ein eingeschränkter Verkauf ist schwierig umsetzbar, da im Laden sehr viele frische Produkte mit kurzem Haltbarkeitsdatum angeboten werden. Da würden zu viele Produkte verderben“, erklärt Robert Lutz.

Das Unternehmen wird sich daher in Zukunft noch mehr auf die Belieferung von Supermärkten und anderen Läden sowie Großküchen konzentrieren. Der Hofladen hat zuletzt zehn Prozent des Jahresumsatzes vom Unternehmen ausgemacht. Dieser liegt bei 3,5 Millionen Euro. Die im Laden angestellten Mitarbeiterinnen werden voraussichtlich das Unternehmen verlassen. „Wir suchen zwar in der Produktion Leute und hätten es den Mitarbeiterinnen angeboten, doch sie sind Verkäuferinnen und wollen mit Leuten zu tun haben“, weiß Robert Lutz.

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