Scheibbser BH-Chef: „Bin extrem stolz auf mein Team“. Seit März 2020 steht die Bezirkshauptmannschaft bei der Pandemiebekämpfung in der ersten Reihe. Bezirkshauptmann Johann Seper über zwölf harte Monate.

Von Christian Eplinger. Update am 17. März 2021 (11:47)
Johann Seper
BH Scheibbs

NÖN: In Österreich gab es Ende Februar die ersten Corona-Fälle. Gab es damals bereits Vorbereitungen in der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs?

Johann Seper: Es gab damals unter den NÖ Bezirkshauptleuten laufend Abstimmungsgespräche, wie wir im Fall von positiven Fällen vorgehen werden – als dann im Bezirk Korneuburg der erste Fall auftrat, wurden auch bei uns die Vorbereitungen intensiviert. Dennoch, damals war vieles noch unklar.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als der erste Fall Mitte März im Bezirk Scheibbs aufgetaucht ist?

Den ersten positiven Fall gab es bei uns am 16. März. Mir wurde damals so richtig klar, dass es sich um eine sehr ernste Angelegenheit handelt und keine Region verschont bleibt. Bestätigt wurde mir das in den nächsten Tagen, als weitere Erkrankte sehr schwere Verläufe hatten und das, obwohl sie zum Teil unter 60 Jahre waren.

War damals für Sie abzusehen, dass diese Pandemie den Bezirk derartig lang in Atem halten wird?

Damals konnte man noch nicht abschätzen, wie lange die Entwicklung eines Impfstoffes dauern wird. Ich habe damals in einer Dienstbesprechung an der BH einmal gesagt, wir können uns wohl darauf einstellen, dass uns diese Pandemie dieses Jahr – gemeint war 2020 – in Atem halten wird.

Haben sich die Arbeitsabläufe von damals bis heute verändert?

Ja, zum Teil sehr wesentlich. Es waren und sind laufende Anpassungen nötig. Etwa bei der Art und Dauer der Quarantänebescheide, beim Prozedere für Schulen, Kindergärten oder betreffend Veranstaltungen und Zusammenkünfte, aber auch hinsichtlich Kontrollvorgaben, mit denen Bezirkshauptmannschaft und Polizei ständig befasst sind. Zuletzt haben die uns sehr for dern den Mutationsvarianten wieder einiges verändert.

Gab es Zeitpunkte, wo das Contact Tracing im Bezirk an seine Belastungsgrenze gestoßen ist?

Im November 2020 hatten wir leider über 17 Tage den Höchstwert der Sieben-Tage-Inzidenz in NÖ. Hier war die Belastung für uns extrem. Der Rückstand beim Contact Tracing war aber auch damals nie mehr als 15 Stunden. Ich bin jetzt noch stolz auf unser Team. Denn generell ist unser Bezirk aufgerechnet auf 100.000 Einwohnern jener NÖ Bezirk mit der höchsten Zahl an Infizierten (Stand 15. März: 6.732).

Wie lange dauert es, einen Fall und die Folgefälle abzuarbeiten?

Unterschiedlich. Bei einem positiven Fall gibt es folgende Vorgehensweise: Telefonat, Systemerfassung, Quarantänebescheid erstellen und zustellen, sodann Kontaktpersonen erheben und im System erfassen, diese telefonisch kontaktieren und qualifizieren. Bei Hochrisiko-Kontakten oder Haushaltsangehörigen geht es weiter mit Quarantänebescheid erstellen und Testungen veranlassen. Bei Niedrigrisiko genügt derzeit die Übermittlung des Informationsblattes über die Verhaltensweise.

Gab es größere Cluster im Bezirk?

Kleinere Cluster sind öfter aufgetaucht – meist nach diversen Zusammenkünften, Feiern oder Veranstaltungen, vereinzelt auch in Betrieben, Schulen sowie Alten- und Pflegeheimen. Nur oft sind abgrenzbare Cluster weniger zeitintensiv abzuarbeiten, als viele verstreute Einzelfälle.

Wie hat sich der Zugang zu Corona für Sie verändert?

Ich habe berufsbedingt eigentlich täglich mit Corona zu tun – hier gilt es, zwar die Aufgaben professionell abzuwickeln, aber zugleich einen Weg zu finden, sich von diesem Thema nicht völlig vereinnahmen zu lassen. Familie und Sport sind mir dabei eine große Hilfe.

Wie viele Anzeigen gab es in den zwölf Monaten wegen Missachtung der Pandemiegesetze?

19 wegen Verletzung des Epidemiegesetzes, 95 wegen Verletzung des Covid-19-Maßnahmengesetzes. Weiters wurden einige Sachverhalte an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Wenn Sie nach vorne blicken – wie glauben Sie persönlich, wird es weitergehen?

In den letzten Tagen sind unsere Zahlen im Bezirk leider wieder stark steigend. Obwohl sehr viele schon höchst „coronamüde“ sind, wird es gerade in den nächsten Monaten sehr wichtig, die empfohlenen Verhaltensweisen einzuhalten, damit unsere Zahlen nicht wieder völlig explodieren. Das hätte verschärfte Maßnahmen in einzelnen Gemeinden oder im Bezirk zu Folge. Es bleibt uns daher nichts anderes übrig als durchzuhalten, so schwer es uns auch fällt. Außerdem wird die