Rückblick: In St. Pantaleon-Erla war großes Atomkraftwerk geplant

Erstellt am 06. März 2022 | 08:47
Lesezeit: 3 Min
In der Gemeinde St. Pantaleon-Erla an der Grenze zu Oberösterreich sollte ein Atomkraftwerk errichtet werden. Es kam aber nicht über die Planungsphase hinaus.
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Bald nachdem der Beschluss zum Bau des ersten österreichischen Atomkraftwerks in Zwentendorf gefallen war, forderten vor allem die Landeselektrizitätsgesellschaften NEWAG und STEWEAG den Bau eines weiteren Atomkraftwerks. Erste Ankündigungen für eine zweite Anlage an der Mündung der Enns in die Donau bei St. Pantaleon-Erla im Bezirk Amstetten wurden im Jahr 1973 verbreitet.

Das AKW sollte mit einer Leistung von 1.300 Megawatt eines der weltweit größten werden und ein neues Industriegebiet Linz-Enns-Perg beziehungsweise 70.000 Arbeitsplätze mit Elektrizität versorgen. Mit dem Bau sollte 1975 begonnen werden, die Inbetriebnahme war für 1985 vorgesehen. Die Betreibergesellschaft erwarb Baugrund in St. Pantaleon-Erla, ließ Höfe im Ortsteil Stein abreißen und versuchte, Bürger für das Projekt zu gewinnen, indem sie diese zu einer Rundfahrt nach Deutschland und Frankreich einlud. Sie sollten sich dort selbst von der Sicherheit von Atomkraftwerken überzeugen.

Großer Widerstand aus der Bevölkerung

Es kam jedoch noch im Jahr 1973 zu Widerständen von diversen Anti-Atomkraftorganisationen. Die Bevölkerung lehnte das Projekt mit großer Mehrheit ab, 75.000 Unterschriften gegen den Bau wurden gesammelt. Im Dezember 1974 kam es zu einer Kundgebung, bei der hunderte von Atomkraftgegnern, insbesondere Mitglieder einer lokalen Bürgerinitiative, gegen die Errichtung der Anlage demonstrierten. Umweltschützer führten eine Bürgerbefragung in der Gemeinde durch. Bei einer Beteiligung von 70 Prozent der Stimmberechtigten waren 90 Prozent gegen den Bau des Kernkraftwerks.

Im Jahr 1978 wurde mit den ersten Vorbereitungen für das Kernkraftwerk begonnen. So wurde ein 73 Meter hoher Mast aufgestellt, der zur meteorologischen Messung von Klimafaktoren auf dem Baugelände dienen sollte. In der Nacht von 22. auf 23. März wurden zwei der acht Stahlseile, die den Messmast in Position hielten, von unbekannten Tätern durchgeschnitten.

Die Planungen für das AKW in Stein fanden ein jähes Ende, als sich am 5. November 1978 bei einer Volksabstimmung in Österreich eine knappe Mehrheit von 50,47 Prozent dagegen aussprach, in die Nutzung der Atomenergie einzusteigen und das erste Atomkraftwerk in Zwentendorf in Betrieb zu nehmen.

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