Alltag zur Poesie vermessen. Philipp Hager aus Lunz veröffentlicht seinen zweiten Gedichteband. Die Botschaft: „Ja“ zum Leben.

Von Jutta Streimelweger. Erstellt am 11. Oktober 2017 (04:25)
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Philipp Hager, 1982 in Scheibbs geboren und in Lunz aufgewachsen, schreibt in seinem Posierband „Sextant-Sonaten“ über das Ja und die Liebe zum Leben – verpackt in lebendigen „Vermessungen“ der geistigen Landschaften.
privat

Er sitzt im Café, trägt ein T-Shirt, eine olivgrüne Armyhose, hat Tätowierungen und einen ernsten Blick: Erst auf den zweiten Blick würde man Philipp Hager als Lyriker erkennen. Zu Recht – bevor der gebürtige Lunzer zur Poesie fand, war er Kampfrichter, Hundesitter, Telefonist, Rezeptionist, Türsteher und Reporter. Jetzt schreibt er seine Gedanken nieder, meist spontan. So ist auch sein zweiter Lyrikband „Sextant-Sonaten“ entstanden, den er nun im Sisyphus-Verlag veröffentlichte.

In seinem Band geht es um das Vermessen, Erschließen, Kartografieren, „allerdings nicht auf geografische Landschaften bezogen, sondern auf geistige – auch auf jene der Umgebung Scheibbs“, bekräftig Hager. So finde einiges Beobachtete, Gehörte, Erlebte aus der Gegend Eingang in seine Bände, teils gäbe es auch unmittelbare Bezüge. „Auch die Voralpen-Schnittstelle, die Lunz darstellt, diese Nachbarschaft von Zivilisation und Wildnis, wirkt auf mich anregend und fließt auf diese oder jene Weise in viele Gedichte ein.“

„Ich sehe Neins in Büchern, Warums, Vielleichts, Was-wenns, aber was meiner Meinung nach fehlt, ist ein umfassendes Ja zu formulieren.“Philipp Hager

Während die Idee spontan kommt, werden nur einige wenige seiner Gedichte in einem durch geschrieben. „Meistens findet das Gedicht seine endgültige Form in zahlreichen Stunden am Schreibtisch – es wird geformt, gehämmert, geschliffen, gefasst, poliert, so lange, bis es für mich, für meinen persönlichen Blick, eine Form erreicht hat, mit der ich zufrieden bin. Was heißt, dass ich eine Wahrheit darin spüre, eine konzentrierte Wirklichkeit, reines Leben.“

So kommt es dann zu Gedichten wie „Zen-Gärtnerei“ oder „Tod dem Einhorn“. Mit seiner Poesie will Hager etwas aussprechen und anbieten. „Eine Perspektive. Meine aktuellen Bücher teilen eine gemeinsame Perspektive. Es geht darum, ‚Ja‘ zu sagen. Ich sehe Neins in Büchern, Warums, Vielleichts, Was-wenns, aber was meiner Meinung nach fehlt, ist, ein umfassendes Ja zu formulieren — ein Ja zur Individualität wie auch zur Gesellschaft, zur Politik wie auch zur Kultur, zum Reich des Geistes ebenso wie zum Reich des Körpers.“ Das werde er auch in seinem Roman, der Frühjahr 2018 bei Braumüller erscheinen wird, tun.

„Und immer geht es um die Liebe zum Leben. Im Gedicht ‚Mein Sohn‘ steht der Satz: ‚Ich liebe diese Welt, wie eine Flamme das Holz liebt‘ – darin steckt etwas Tiefes von mir, etwas Dauerndes.“

Eine Lesung im Bezirk Scheibbs ist geplant, werde aber wahrscheinlich erst nächstes Frühjahr stattfinden – dann präsentiert Hager nicht nur seinen Gedichtband, sondern auch seinen Roman.