Das ComeBäck der Tradition in Gresten. Siegfried Hackl übernimmt die Bäckerei Dötzl und führt mit „Siegis Bäckground“ eine lange Grestner Linie fort.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 29. April 2020 (17:49)
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Alt und neu. Siegfried Hackl eröffnet Mitte Mai „Siegis Bäckground“ im Grestner Unteren Markt. Seine Frau Mayi wird sich um das dazugehörige Café kümmern. Das Haus wurde im Jahr 1912 von der Familie Gams gekauft. Heinz Dötzl übernahm 1981 und geht jetzt in Pension.
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Es gab Zeiten, da existierten in Gresten vier Backstuben. „Latschbacher, Dötzl, Fischer, Thusswald.“ Siegfried Hackl kennt alle Namen. Wobei er sich zunächst unsicher ist, ob es nicht doch noch zwei Weitere gab. Die Nachfrage bei seinem Vater Josef schafft Klarheit: „Es waren vier.“

Warum gerade der einer der besten Ansprechpartner ist, wenn es um die Geschichte der Bäckereien in Gresten geht, schauen wir uns später genauer an.

Bleiben wir zunächst bei Siegfried Hackl. Mit Ende April schließt eine Grestner Institution offiziell ihre Pforten. Heinz Dötzl verabschiedet sich nach fast 40 Jahren in die wohlverdiente Pension. Hackl übernimmt und eröffnet Mitte Mai „Siegis Bäckground“. Langsam läuft das Werkl an. „Aktuell ist es ein Auf und Ab“, erzählt er lachend. „Manchmal geht‘s besser, dann hapert es doch wieder sehr.“ Alles in allem befindet sich das Projekt aber auf einem guten Weg, die ersten Testläufe wurden zur vollsten Zufriedenheit des Chefs absolviert. „Wir sind komplett neu eingerichtet, haben neue Maschinen gekauft, aber auch alte restauriert“, sagt der 36-Jährige.

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Zurück zur Familie Hackl. Die hat das Bäckereiwesen in ihrer DNA. Mutter Friederike stammt eigentlich aus Wieselburg und ist eine geborene Neubacher. Richtig: Bäckerei Neubacher. Ihren Mann Josef lernte sie kennen, als der in ihrem Familienbetrieb arbeitete. Dann gibt es da noch einen Konnex. Siegfried Hackl erklärt: „Die Frau Neubacher senior und die Frau Latschbacher senior waren Schwestern.“ Das ist in dieser Geschichte deshalb wichtig, weil die Bäckerei Latschbacher über Jahrzehnte hinweg Gresten und Umgebung mit frischen Backwaren versorgte. Vater Josef war auch hier engagiert.

Ein Testlauf in Kinshasa

Seine Frau Mayi lernte Hackl kennen, während er als (ja) Bäcker in Kinshasa, der Hauptstadt der Republik Kongo, arbeitete. „Dort war ich Mädchen für alles“, blickt er zurück. „Während eines mehrwöchigen Urlaubes der Chefin kamen alle mit ihren Problemen zu mir. Obwohl ich die Sprache gar nicht konnte. Das war irgendwie ein Probelauf für das, was vor mir liegt.“ Mayi wird – gemeinsam mit Ulli Wieser (früher Dötzl) – das zur Backstube gehörende Café weiterführen. Sobald es die aktuellen Umstände eben erlauben.

Siegfried Hackl scharrt in den Startlöchern. „Ich freue mich darauf, bald wieder meine eigentliche Arbeit aufnehmen zu können.“ Großen Wert legt er auf regionale Partner. Er hofft, die Grestner mit diesem Ansatz erreichen zu können. „Wenn du beim Professionisten einkaufst, dann weißt du, wo deine Produkte herkommen. Das mag hin und wieder umständlich sein, aber es lohnt sich.“

„Mir war früh klar, dass ich Bäcker werden will“, sinniert Hackl abschließend. „Die Schule hat mich nie recht interessiert. Heute mache ich das, was ich gut kann.“ Gut für ihn, und gut für Gresten.