Urlaub in der Heimat boomt im Bezirk Scheibbs. Tourismus in der Region hat schon im Vorjahr großen Aufschwung erlebt. Prognose 2021 ist ebenfalls ausgezeichnet.

Von Karin Katona. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:42)
Ulrich, Monika, Ilja, Bettina und Alexej Gräf-Muraschov haben schon viele Urlaubstage im Aktivcamp Purgstall verbracht. 
Karin Katona

Kinderlachen, Grillerdüfte – im Aktivcamp Purgstall schwebt schon Anfang Juni Ferienfeeling durch die Luft. Geschäftsführer Johann Kaiser freut sich: „Camping erlebt schon seit mehreren Jahren wachsende Beliebtheit. 2020 war für uns ein absolutes Rekordjahr. Wir hatten 10.000 Nächtigungen. Und die Prognose für heuer ist genauso gut.“

Die Corona-Pandemie habe ihr Übliches dazu getan, Campingurlaube noch populärer zu machen. Um die Gäste auf den Campingplatz zu bringen, müsse man aber auch etwas besonderes bieten: „Es ist das Flair, das den Menschen bei uns gefällt: die Natur, die Zeltwiese mit Feuerstellen, der eigene Familien-Zeltplatz mit Lagerfeuer, der Bach hinter dem Platz, aber auch die persönliche Betreuung.“

Mindestens ebenso wichtig, weiß Kaiser, sind die peinlich sauberen sanitären Einrichtungen und die Infrastruktur auf dem Platz, besonders in Corona-Zeiten. „Wir haben in den Hygienebereich viel Geld investiert und können daher sicherstellen, dass alle Vorsichtsmaßnahmen streng eingehalten werden.

Was Johann Kaiser im Magen liegt, ist das, was er „Fehlentwicklungen“ in der Camping-Szene nennt: „Angesichts des Trends versuchen diverse Anbieter, auf den Zug aufzuspringen und unter dem Begriff Camping Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten, wie zum Beispiel transportable Holz-Übernachtungscontainer. Das mag wohl seine Berechtigung haben, hat aber mit richtigem Camping nichts zu tun.“

„Die Gäste sind sehr gut informiert, planen und genießen ihren Urlaub bei uns noch bewusster als vorher.“ Birgit Rigler, Kartause Gaming

Die Nähe zur Natur ist für die Gäste auch das Schönste am Urlaub auf dem Bauernhof. Im Familienhotel Hochrieß genießen vor allem Familien mit Kindern die Nähe zu den Tieren im Wildpark, das Wandern und Ausflüge in die Umgebung.

Schon der Morgen beginnt so, wie viele Stadtkinder es sich erträumen: Mit der Fütterung der Tiere, begleitet von Seniorchef Johannes Distelberger. „Die meisten unserer Gäste kommen aus Wien oder städtischen Gebieten in Deutschland. Der Umgang mit den Tieren ist für die Kinder das größte Highlight“, sagt Matthias Distelberger.

43 Tierarten, von der Biene bis zum Hochlandrind, leben im Wildpark Hochrieß. Viele davon darf man nicht nur anschauen und beobachten, sondern auch füttern und angreifen. Bis zum Herbst ist das Familienhotel Hochrieß so gut wie ausgebucht. „Nur vereinzelt an Wochentagen gibt es noch freie Zimmer“, teilt Matthias Distelberger mit. Er bemerkt in den vergangenen Jahren ein neues Buchungsverhalten: „Junge Familien mit Kleinkindern kommen jetzt nicht nur an den Wochenenden, sondern auch unter der Woche zwei bis vier Tage zu uns.“

Corona als Chance für neue Ausrichtung

Ein stil- und stimmungsvolles Ziel für einen Kurzurlaub ist das Alpenhotel Gösing. Im historischen Hotel in der unvergleichlichen Lage mit Ötscherblick begrüßt man vor allem Wochenendgäste, die die Ruhe suchen und einige Tage abschalten wollen. Auch hier spielen die Nähe zur Natur und zu zahlreichen Wander- und Ausflugszielen in der Umgebung eine große Rolle.

Auch die Falstaff-Gabel für das zum Haus gehörige Restaurant Ötscherblick habe dem Hotel größere Popularität beschert, sagt Manager Mario Hettl. Besonders beliebt im Sommer sind die abendlichen Grillbuffets auf der Terrasse. Auch infrastrukturell ist das Hotel gut gelegen, hat sogar eine direkte Anbindung an die Mariazellerbahn.

„Im vorigen Sommer ist es uns gelungen, uns neu zu orientieren.“ Birgit Rigler

Als Veranstaltungsort für Hochzeiten, Seminare, Feiern aller Art und als Ziel für Gruppenreisen war die Kartause Gaming bis vor der Corona-Pandemie auf die Bewirtung und Beherbergung von großen Gruppen spezialisiert. Mit Corona ist dieser Sektor eingebrochen. Geschäftsführerin Birgit Rigler schildert: „Im vorigen Sommer ist es uns gelungen, uns neu zu orientieren. Denn Corona hat uns die Möglichkeit gegeben, eine neue Gästesparte anzusprechen. Wir haben die Absagen der Veranstaltungen durch den Individualtourismus ausgleichen können.“

Viele Radler, Wanderer und Ausflügler machen in der Kartause Halt, genießen ein paar Tage im historischen Flair. „Die Gäste buchen spontan, je nach Wetterprognose. Sie sind sehr gut informiert, genießen den Urlaub bewusst“, verrät Rigler. Bald werde es wohl wieder kleinere Veranstaltungen geben können. „Wir haben auch in schwierigen Zeiten immer positiv gedacht“, lacht Birgit Rigler. „Und wir haben recht behalten.“

Andreas Purt, Geschäftsführer von Mostviertel Tourismus, bestätigt die unverändert große Nachfrage am Urlaub im eigenen Land. Radfahren und Wandern ziehen viele Menschen in die Region. „Der Ybbstalradweg ist extrem gefragt“, weiß Purt. „Beim Wandern ist der Naturpark Ötscher-Tormäuer ein Besuchermagnet, aber auch die Flüsse und Seen wie der Lunzer See oder der Erlaufsee sind sehr stark frequentiert.“

Auf den Tourismus in der Region kommen spannende Herausforderungen zu: „Die Leute drängen nun aus den Städten hinaus und wir haben die Chance, dass neue Gäste unsere Region entdecken.“ Unsicher sei man noch, was den Bereich Wirtschaftstourismus, Seminare und Gruppenreisen beträfe: „Die Nachfrage ist da, aber noch verhaltener als vor Corona.“

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