Egon Schiele und die Enten: Fälschung oder Original?. Melker Sammler will Echtheit einer Zeichnung beweisen, die er als Schiele- Original erworben hat. Obwohl Experten ihm widersprechen, hofft er auf echte Urheberschaft.

Von Karin Katona. Erstellt am 18. Mai 2019 (05:00)
Franz Reisinger aus Melk will den Weg dieser Zeichnung zurückverfolgen – angeblich ein Werk aus Schieles Zeit in Mühling.
privat

Auf einer „Mystery Tour“ auf den Spuren von Egon Schiele, die ihn ins Große Erlauftal geführt hat, befindet sich derzeit Franz Reisinger aus Melk. „Ich habe eine Zeichnung mit der Signatur ‚Egon Schiele. 1914“ angeboten bekommen, die keine Ähnlichkeit mit den von ihm bekannten erotischen Blättern hat. Es ist eine Vogelflug-Studie“, schildert der Kunstliebhaber.

Experten winken ab

„Sie soll während Schieles Dienstzeit im Kriegsgefangenenlager Mühling entstanden sein. Er habe damals mit der Hilfe von Wachsoldaten bei den Bauern in der Umgebung Zeichnungen für Lebensmittel eingetauscht. Das hat mir der Sohn eines Wachsoldaten erklärt“, sagt Franz Reisinger. Er habe bereits bei Schiele-Experten Rat gesucht: „Jane Kallir, eine amerikanische Schiele-Kennerin, hat die Zeichnung für nicht echt erklärt. Auch Wiener Experten haben abgewinkt.“

„Es ist so ein eigenartiges Gefühl in mir. Ich gebe noch nicht auf.“Franz Reisinger

Mit der Erkenntnis, eine Fälschung erworben zu haben, will Franz Reisinger sich jedoch noch nicht ganz abfinden: „Es ist so ein eigenartiges Gefühl in mir. Ich gebe noch nicht auf.“ Franz Wiesenhofer, Lokalhistoriker aus Purgstall und Autor des Buches „Die Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs im Großen Erlauftal“, hat für Reisinger keine guten Nachrichten:

„Allein von der Jahreszahl 1914 her kann die Zeichnung nicht echt sein. Schiele war erst ab Juni 1916 in Mühling stationiert. Davon, dass er bei Bauern Zeichnungen gegen Lebensmittel eintauschte, ist nichts bekannt.“ Kunsthistoriker Carl Aigner vom Niederösterreichischen Landesmuseum muss Schiele-Fan Reisinger ebenfalls enttäuschen: „Die Signatur auf dem Bild ähnelt in keiner Weise der Signatur, die für Schiele typisch ist. Auch sind von ihm keine Vogelflug-Bilder überliefert. Ich halte das Bild zu 99,9 Prozent für eine Fälschung.“

Franz Reisinger hat noch ein letztes Eisen im Feuer: „Der Wachsoldat, der die Zeichnungen für Schiele verkauft hat, soll ein Franz Steinwender aus Purgstall gewesen sein. Ich hoffe, dass mir jemand darüber Auskunft geben kann.“