Netz NÖ: Die Säge fliegt seit 20 Jahren. Der „Jungfernflug“ der „fliegenden Säge“ war 2001 in Scheibbs. Auch der „Jubiläums-Einsatz“ ging im Bezirk über die Bühne.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. März 2021 (13:09)
Seit 20 Jahren greift die Netz NÖ, die für den Transport und die Verteilung von Strom in Niederösterreich mit ihrem Leitungsnetz von knapp 55.000 Kilometer zuständig ist, auf die „fliegende Säge“ bei Instandhaltemaßnahmen der Stromleitungen zurück.
Netz NÖ/Moser

Rotorengeräusche eines Helikopters, Motorengeräusche mehrerer Sägeblätter und fallende Äste. Wer in den letzten Tagen am Schlagerboden „Lärm“ vernommen hat, der wurde Zeuge der jüngsten Arbeiten der „fliegenden Säge“.

Seit 20 Jahren greift die Netz NÖ, die für den Transport und die Verteilung von Strom in Niederösterreich mit ihrem Leitungsnetz von knapp 55.000 Kilometer zuständig ist, auf die „fliegende Säge“ bei Instandhaltemaßnahmen der Stromleitungen zurück.

„Durch das Freischneiden unserer Leitungen möchten wir die Stromausfälle für die Bewohner auch in entlegenen Gebieten minimieren.“Netz NÖ-Mitarbeiter Christian Gudra

Schon vor 20 Jahren kam die „fliegende Säge“ erstmals in Scheibbs zum Einsatz. Und auch der „Jubiläums-Einsatz“ fand im Bezirk Scheibbs statt. Am Schlagerboden wurde eine Trassenlänge von sechs Kilometern ausgeschnitten. Unterstützt wird die Netz NÖ hier von den Mitarbeitern der Firma Heli Austria und Rotorflug.

Die Arbeiten mit der „fliegenden Säge“ sollen die von Ästen und Bäumen verursachten Stromausfälle reduzieren. „Durch das Freischneiden unserer Leitungen möchten wir die Stromausfälle für die Bewohner auch in entlegenen Gebieten minimieren“, erzählt Netz NÖ-Mitarbeiter Christian Gudra. „Ich war bereits vor 20 Jahren dabei, als die fliegende Säge österreichweit zum ersten Mal hier in Scheibbs geflogen ist.“

Diese Methode ist schnell und günstig. „Im Durchschnitt entastet die Helikopter-Säge, sie hat eine Schnittfläche von sechs Meter, in einer Stunde den Baumbestand auf einer Länge von zirka 500 Meter“, erklärt Gudra.

Mit großen Interesse verfolgt David Salzmann das Geschehen. Er ist Lehrling bei der Netz NÖ und zum ersten Mal bei einem Einsatz der „fliegenden Säge“ dabei. „Diese Arbeiten sind natürlich sehr spannend für mich“, sagt Salzmann. „Ein Vorteil des Freischneidens per Helikopter ist auch die minimale Abschaltzeit des Leitungsnetzes“, erklärt der junge Mitarbeiter.

Flugeinsatz nur für erfahrene Piloten

Um eine Stromleitung von wuchernden Baumästen freizulegen, kommt derzeit ein Sägesystem zum Einsatz, das von einem Helikopter aus bedient wird. Sägesystem und Motor sind bis zu 50 Meter unter dem Helikopter an einer Stange befestigt. Aus der Distanz könnte man meinen, die Säge hänge an einem Seil. Doch in Wahrheit handelt es sich um rund acht Meter lange Alurohre, im Fachjargon „Sling“ genannt, die zusammengeschraubt sind.

Dank dieses Systems kann einerseits die Arbeitslänge variabel eingestellt werden, andererseits kann die Säge viel ruhiger geführt werden – auch bei windigen Verhältnissen. Im Inneren des Rohres befinden sich ein Steuerkabel, über das sich die Säge aus dem Cockpit bedienen lässt, sowie ein Drahtseil, das bei einem allfälligen Rohrbruch die Säge halten würde.

Nur erfahrene Piloten mit einer entsprechenden Zusatzausbildung dürfen den Hubschrauber mit „Anhang“ fliegen. Außerdem sollte man nicht einsteigen, wenn man einen empfindlichen Magen hat. „Die Flüge sind sehr unruhig, man muss schon einiges an Turbulenzen aushalten“, schmunzelt Gudra. Nach einem Schnitt bedürfen die Trassen für fünf bis zehn Jahre keiner weiteren Ausholzung.