Assisi-Hof: Trennung fällt schwer. Nach Kündigung des Kooperationsvertrags müssen 105 Tiere vom Gnadenhof St. Georgen an der Leys übersiedelt werden.

Von Karin Katona. Erstellt am 24. Dezember 2019 (05:12)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Claudia Schmid-Riegler: „Der Abschied von den Tieren macht uns sehr zu schaffen. Wir hätten uns vom ÖTV mehr Unterstützung gewünscht. Auch im Sinne der Tiere.“
Gerhard Rötzer

Schon seit der Kündigung des Kooperationsvertrags durch die Betreiberfamilie Riegler im April war klar: Die Tage des Assisi-Hofs des Österreichischen Tierschutzvereins in St. Georgen an der Leys sind gezählt. Jetzt, wo es daran geht, alle Tiere zu verladen und in den neuen Assisi-Hof im Waldviertel zu übersiedeln, ist es allen schwer ums Herz. „Es ist eine Stimmung wie bei einem Begräbnis“, sagt Claudia Schmid-Riegler, den Tränen nahe.

Was sie am meisten kritisiert, ist die überstürzte Absiedelung der Tiere in eine ungewisse Zukunft: „Man hört, dass der neue Assisi-Hof in Wielands noch gar nicht ganz fertig ist.“ Manche Vorstellungen der neuen Betreiber seien sehr unrealistisch: „Es soll ein Katzenhaus geben, aber unsere Katzen sind Freigängerkatzen. Wir haben von mehr als 40 Katzen bisher vier einfangen können. Was geschieht mit den anderen?“ Ein weiteres wichtiges Anliegen der Tierschützer: Die Tiere sind schon bis zu 15 Jahre auf dem Hof und haben zueinander Beziehungen entwickelt. Für die paar Jahre, die ihnen noch bleiben, sollen sie nicht auseinandergerissen werden.

„Wir fühlten uns mit vielen Problemen alleingelassen. Die Gesprächsbasis war gleich Null.“Claudia Schmid-Riegler vom Assisi-Hof

„Auch wir haben in all den Jahren eine starke Beziehung zu den Tieren aufgebaut. Viele waren verängstigt und haben viel liebevolle Zuwendung gebraucht, um wieder Vertrauen zum Menschen aufzubauen“, schildert Claudia Schmid-Riegler. Durch die Übersiedelung und Trennung von ihren Bezugspersonen werde den Tieren erneut Schaden zugefügt: „Das macht auch uns sehr zu schaffen. Wir hätten uns gewünscht, sie wenigstens behutsam in andere Hände weitergeben zu können.“

Denn: „Unsere Pferde kennen keine Anhänger und müssten erst langsam daran gewöhnt werden. Dazu war keine Zeit mehr, denn bis 11. Dezember wussten wir nicht annähernd, wann und welche Tiere abgeholt werden.“ Eines der Pferde sei am vergangenen Donnerstag beim Verladen kollabiert. Es werde jetzt, gemeinsam mit einem anderen Pferd, an dem es sehr hänge, vorläufig vor Ort bleiben. Auch Kuh Esther könne aus gesundheitlichen Gründen nicht transportiert werden.

Der Gnadenhof in St. Georgen an der Leys gehört Familie Riegler, die Tiere dem Österreichischen Tierschutzverein. Der Kooperationsvertrag wurde im Jahr 2001 geschlossen. Im Januar kündigte Familie Riegler jedoch schweren Herzens den Vertrag wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Tierschutzverein. „Wir fühlten uns mit vielen Problemen allein gelassen. Die Wertschätzung hat gefehlt, die Kommunikationsbasis war gleich Null. Auch die Arbeitsbedingungen wurden immer schlechter“, sagt Claudia Schmid-Riegler. Eine ausgeschiedene Vollzeitarbeitskraft wurde nicht mehr nachbesetzt, die Arbeit war dadurch für uns kaum mehr zu schaffen.“

Judith Unterdörfler, Sprecherin des Österreichischen Tierschutzvereins, widerspricht: „Wir hatten Familie Riegler sehr wohl angeboten, eine externe Hilfskraft für den Hof anzustellen oder die Anzahl der Tiere zu reduzieren. Beides wurde nicht gewünscht.“ Auch für den starken Zeitdruck bei der Übersiedelung der Tiere hat Unterdörfler eine Erklärung:

„Nach der Kündigung im April mussten wir schnell einen geeigneten Hof finden und umbauen. Jetzt sei aber alles bereit für den Einzug der Tiere, die Zug um Zug abgeholt würden. „Wir werden uns bemühen, die Übersiedelung für die Tiere so schonend wie möglich abzuwickeln“, verspricht die ÖTK-Sprecherin. Bis alle Tiere im Waldviertel einquartiert sind, werde es noch etwas dauern: „Es wird sich auf keinen Fall vor Weihnachten und wohl auch nicht bis Jahresende ausgehen. Familie Riegler wird das natürlich finanziell abgegolten.“