Raiffeisenbank: Dicke Luft und viel Kritik in Bründl. Die Ortsversammlung in St. Georgen/Leys brachte die erwartete scharfe Kritik an der Filialschließung – persönliche Angriffe gegen Obmann inklusive.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 06. März 2018 (17:15)
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Bürgermeister Stefan Schuster ist enttäuscht über die Schließung der Filiale. „Unserem Ort fehlt damit was. Dass gerade die Raiffeisenbank zu zentralisieren beginnt, passt nicht zum Raiffeisenprinzip.“
NOEN

Am 4. Mai wird die Bründler Bankstelle der Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel das letzte Mal geöffnet haben. Klar, dass dieser Punkt bei der Ortsversammlung St. Georgen-Oberndorf am Donnerstag im Gasthaus Hueber im Mittelpunkt stand. So sehr sich Direktor Johann Vieghofer und Obmann Leopold Gruber-Doberer auch bemühten, Verständnis für diese Maßnahme zu erzeugen, ganz schafften sie es nicht.

21 Millionen Euro an Einlagen und 6,3 Millionen Euro an Krediten verzeichnet die Bankstelle St. Georgen/Leys mit ihren 1,76 Mitarbeitern. Damit liegt sie zwar besser als die Filialen in Reinsberg oder St. Anton, die ebenfalls geschlossen werden, aber die Schließung sei dennoch alternativlos, betonte Vieghofer.

Regionale Banken müssen Bankomaten aufrecht erhalten

„Dass wir dafür keinen Applaus bekommen, ist uns klar. Aber wir Funktionäre haben Entscheidungen zu treffen, um auch in Zukunft Hausherren in der Region und langfristig am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Gruber-Doberer. Denn bei großen Krediten kämen immer mehr jene Banken zum Zug, die keine regionale Infrastruktur aufrechterhalten. Und die Sparer würden zu Internetbanken wie ING-DiBa wechseln, weil sie dort bessere Konditionen bekommen.

„Nur um von dort Geld zu bekommen, brauchen sie Bankomaten, die wir regionalen Banken aufrecht erhalten müssen. Denn ING-DiBa hat keinen einzigen eigenen Bankomaten. Das ist genauso wie bei Amazon. Dort wird zu Hause bequem bestellt, aber wenn es um den Lehrplatz für den Buben oder die Tochter geht, dann weiß man wo die örtlichen Nahversorger oder das Lagerhaus zu finden sind“, betonte Gruber-Doberer.

„Nahversorger könnte Leidtragender sein“

Um die Nahversorgung macht sich Bürgermeister Stefan Schuster (ÖVP), der enttäuscht ist von der Entscheidung der Raiffeisenbank, große Sorgen: „Ich fürchte, dass unser Nahversorger einer der Hauptleidtragenden sein könnte. Und wenn der nach Post und Bank auch noch zusperren müsste, dann wird unsere kleine Ortschaft ganz ausgedünnt.“ Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Bankomat (derzeit) nicht zur Diskussion steht. „Wir müssen uns auf alle Fälle etwas einfallen lassen, wie ältere Menschen, die nicht so mobil sind, ihre Bankgeschäfte abwickeln können. Nur kann es nicht sein, dass wie bei der Post immer wieder die Gemeinde einspringen muss“, sagte Schuster.

Durchaus scharfe Kritik an der Schließung hagelte es auch von vielen anwesenden Mitgliedern. „Wer zahlt uns das, dass wir euch nachfahren sollen?“. „Was sage ich meinem Enkerl, wenn er in der Weltsparwoche nicht mehr in St. Georgen zur Bank gehen kann?“. „So sorgt ihr dafür, dass die kleinen Orte langsam sterben. Ist das das viel gepriesene Genossenschaftsprinzip?“.

Leopold Karner, ehemaliger Raiffeisebank-Mitarbeiter, kritisierte die Schließung der Bründler Filiale heftig: „Damit sorgt ihr dafür, dass kleine Orte sterben.“
NOEN, Eploinger

Obmann Gruber-Doberer mit persönlichen Angriffen konfrontiert

So lauteten einige der vielen Fragen an die Mtiglieder. Einen ebenfalls angesprochenen Kritikpunkt – „In der Geschäftsleitung gibt es das Vier-Augen-Prinzip. Wieso gibt es in der Raiffeisenbank acht Augen? Spart bei Euch selbst. – konnte Vieghofer klar stellen: „Spätestens 2020 wird es auch bei uns nur mehr zwei Geschäftsführer geben, da Eduard Neumayer und ich in Pension gehen und nicht nachbesetzt werden.

Mit dem einen oder anderen persönlichen Angriff unter der Gürtellinie („Multifunktionär“, „keine soziale Kompetenz“) sah sich auch Obmann Leopold Gruber-Doberer konfrontiert. Auch für diesen brach Vieghofer eine Lanze: „Ich bin froh, dass wir einen Obmann haben, der auch schwierige Entscheidungen trifft, zu diesen steht und sich den Diskussionen stellt.“