Anonyme Anrufe und geschlitzte Reifen: Mann vor Gericht. 53-Jähriger soll einer Frau das Leben schwer gemacht haben. Beharrliche Verfolgung leugnet er vorm Strafrichter. Prozess vertagt.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 10. Juni 2018 (05:00)
NOEN, Symbolfoto

„Sie war permanent im Stress, ständig in Sorge und hat schon jeden verdächtigt“, sagt ein Zeuge über das mutmaßliche Opfer in einem Stalkingprozess. Auf der Anklagebank am Landesgericht sitzt ein 53-Jähriger aus dem Erlauftal. Einer 30-Jährigen soll der Mann das Leben monatelang zur Hölle gemacht haben.

Beharrliche Verfolgung gibt der Angeklagte nicht zu. Das Opfer erzählt anderes. „Das Schloss meiner Eingangstür war vier Mal mit Klebstoff verschmiert, eine Scheibe meines Autos war mit Lackstift beschmiert, der Lack war beschädigt. Anrufe mit unterdrückter Nummer habe ich Tag und Nacht bekommen, via SMS wurde ich wöchentlich mehrmals beschimpft und es wurde gedroht, Fotos von mir zu veröffentlichen. Drei Mal wurden meine Reifen aufgestochen“, erzählt das mutmaßliche Opfer.

"Ich habe es nicht glauben wollen. Wir hatten ja ein freundschaftliches Verhältnis."

Lange habe die Frau nicht gewusst, wer hinter diesen Taten stecke, sagt sie. Und ist mittlerweile überzeugt, dass der Angeklagte der Täter ist. „Ich hatte begonnen, mir Notizen zu machen. Und dann hatte ich Gewissheit und ich habe es nicht glauben wollen. Wir hatten ja ein freundschaftliches Verhältnis. Aber ich habe dann gesehen, dass er sich vor meiner Wohnung herumgetrieben hat und am Parkplatz bei meinem Arbeitsplatz.“

Ob sich ihr Leben verändert hat? „Ich bin vorsichtiger geworden. Äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen, aber nervös war ich schon.“

Bevor der Richter ein Urteil fällt, möchte er noch Zeugen befragen. Der Prozess wird auf unbestimmte Zeit vertagt.