Bürgermeister Pöhacker: „Kämpfen um jeden Meter“. Steinakirchens Gemeinderat stellt sich hinter Bürgerinitiative und will den Ausbau der proDes-Deponie mit allen Mitteln verhindern.

Von Anna Faltner. Erstellt am 16. September 2020 (15:53)
Der Gemeindevorstand tritt gegen den Ausbau der Deponie auf (von links): Vize Iris Steindl, Thomas Stockinger, Ortschef Wolfgang Pöhacker, Andreas Grabenschweiger, Günter Mondl (alle ÖVP), Kathrin Sieberer, Wolfgang Zuser (beide LUST) und FP-Gemeinderat Gerhard Bayerl.
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„Jetzt reicht es uns auch“, sagt VP-Bürgermeister Wolfgang Pöhacker. Mit „Händen und Füßen“ will sich der Ortschef mit der Rückendeckung des gesamten Gemeinderates gegen die Erweiterung der proDes-Deponie stemmen. Denn neben der Errichtung der Bodenaushub-Deponie hat die Firma auch einen Plan zur Erweiterung ihrer Baurestmassendeponie um 2.091 m² und 13.651 m³ eingereicht. „Die Anrainer leiden seit 15 Jahren, immer wieder tauchen Probleme auf. Dadurch wird die Lebensqualität der Leute stark beeinträchtigt. Und darum kämpfen wir gegen jeden Quadratmeter“, unterstreicht Pöhacker seinen Standpunkt. Die Bauverhandlung findet am 30. September statt.

In der Vorwoche war die geplante Erweiterung auch Thema in der Sitzung des Umweltausschusses, deren Vorsitz Kathrin Sieberer (LUST) leitet. „Wir stehen komplett hinter den Anrainern und werden gemeinsam mit ihnen bei der Verhandlung gegen das Projekt auftreten“, sagt sie entschlossen. Dabei gehe es nicht nur um das Landschaftsbild und die Staub- und Lärmbelästigung, sondern auch um das Wasserschutzgebiet, das gefährdet ist, und die Müllverfrachtung, die die Steinakirchner schon seit Jahren zu spüren bekommen. „Das ist eine enorme Umweltverschmutzung. Wir haben rund um die Deponie einen richtigen Müllwald. Das wurde der Bezirksforstverwaltung auch schon einmal gemeldet“, ergänzt Pöhacker. Bei einem Treffen mit dem gesamten Gemeindevorstand brachte Günther Mondl (ÖVP) zur Demonstration einige „Stücke“ mit, die er im „Müllwald“ gesammelt hatte. „Jetzt wird alles vollgefüllt, und wir müssen dann auf Dauer mit der Deponie leben“, ärgert sich Mondl.

„Das ist eine enorme Umweltverschmutzung. Wir haben rund um die Deponie einen richtigen Müllwald.“ Wolfgang Pöhacker, Bürgermeister (ÖVP)

2006 wurde die Baurestmassendeponie vom Land NÖ genehmigt. Sechseinhalb Hektar sind im Besitz der proDes-Deponie, ein Teil davon stünde ohnehin noch für eine Vergrößerung zur Verfügung. „Sie sollen diese sechseinhalb Hektar noch verbauen, aber dann muss wirklich Schluss sein. Die Bürger haben genug ertragen müssen“, fordert der Bürgermeister. Für die angrenzenden Grundstücke dürfte sich die Firma schon länger das Vorkaufsrecht gesichert haben. Ein weiterer Ausbau wäre fatal. Würde ausgebaut werden, hätten die Fischteiche eine Deponie als direkten Nachbarn. „Und das mit dem Wissen, dass auch schon das ein oder andere Mal Flüssigkeiten von der Deponie in den Bach geflossen sind“, berichtet FP-Gemeinderat Gerhard Bayerl. In den vergangenen Tagen erreichte den Ortschef ein Anruf einer Familie, die sich um ihre Kinder sorgt, weil auf der Deponie Asbest gelagert wird. Eine Beschwerde beim Land NÖ wurde eingereicht. „Alle, die dort leben, haben einen riesigen Nachteil und verlieren an Lebensqualität“, sagt Pöhacker. Bis zum Ende der Woche liegen die Unterschriftenlisten der Bürgerinitiative gegen den Ausbau der Deponie in Geschäften und Gemeindeämtern (Steinakirchen, Wolfpassing, Wang) auf. Das Ziel? „Das Optimum wäre die Verhinderung des Ausbaus. Wenn nicht, zumindest eine Verzögerung“, erklärt der Vorstand unisono.