Eine Vision mit Feingefühl: Weiterbildung für Gehörlose. Mit ihrem „Inklusiven Gesundheitstag“ am 19. Oktober wollen Ute Stipsits und Andrea Döltl gehörlosen Menschen eine Chance auf Fortbildung geben.

Von Anna Faltner. Erstellt am 22. September 2019 (04:36)
Anna Faltner
Ute Stipsits

Ohne Worte, nur mit Händen und Füßen, Mimik und Gestik – so kommunizieren Menschen, die taub, stumm oder sogar beides sind. Wäre nicht der Alltag schon genug Herausforderung, wird es beim Thema Weiterbildung noch schwieriger.

Denn dabei müsste man – um die Dolmetscherkosten zu stemmen – tief in die Geldtasche greifen. „Für gehörlose Menschen ist eine leistbare Weiterbildung fast unmöglich. Auf sie nimmt niemand Rücksicht. Das wollen wir aber nicht mehr so hinnehmen“, erklärt Ute Stipsits, Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Lebenswelt Wallsee.

Unsicherheiten ablegen und Stärken aneignen

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Andrea Döltl kam ihr vor über einem Jahr die Idee, dieses Problem mit einem Seminartag, der sowohl für Hörende als auch für Gehörlose geeignet ist, in Angriff zu nehmen. Die Zielgruppe sind Personen, die in Pflege- und Betreuungsberufen tätig sind sowie interessierte Privatpersonen.

„Wir haben viele gehörlose Arbeitskollegen, für die es bei Weitem nicht dieselben Möglichkeiten gibt wie für uns. Aber wir wollen alle Mitarbeiter schulen, damit sie Unsicherheiten ablegen können und in ihrem eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich gestärkt werden“, betont die Steinakirchnerin.

„Unsere Vision ist es, eine Weiterbildungsmöglichkeit für hörende, gehörlose und taubstumme Menschen zu schaffen.“Organisatorin Ute Stipsits

Also starteten die beiden Frauen vor einem Jahr mit der Konzeption ihres „Inklusiven Gesundheitstages“, der nun am Samstag, 19. Oktober, im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten erstmals über die Bühne geht. Im Fokus steht die Komplementärmedizin, behandelt werden die Themen Aromapflege, die Hausapotheke aus der Naturheilkunde, Homöopathie und Komplexmittelhomöopathie sowie das Darm- und Immunsystem.

„Unsere Vision ist es, eine Weiterbildungsmöglichkeit für hörende, gehörlose und taubstumme Menschen zu schaffen. Wir wollen ihnen einen Raum zur Kommunikation geben, damit sie sich ein Netzwerk aufbauen können“, sagt die Organisatorin. Wenn alle gemeinsam lernen, dann sei auch das Verständnis für den anderen da. „Wir wollen Barrieren aufbrechen und diese Idee auch für die Zukunft weiterentwickeln“, verrät Stipsits.