Gegenwind für geplante Deponie. Nachbarn kämpfen mit Petition gegen geplante Bodenaushub-Deponie an.

Von Anna Faltner. Erstellt am 09. September 2020 (05:59)
Sie haben genug von den Erweiterungsplänen der proDes Deponie in Steinakirchen. Im Ortsteil Brandstatt trafen sich besorgte und verärgerte Anrainer, um gemeinsam gegen das Vorhaben der Firma aufzutreten.
Anna Faltner

Mit viel Gegenwind reagieren jene Steinakirchner, die vom Wind, der aus der Richtung der Mülldeponie weht, genug haben. Von Umweltverschmutzung, Lärm- und Staubbelastung sowie einem getrübten Landschaftsbild ist die Rede. Nun soll die Deponie vergrößert werden, für 30. September ist eine Bauverhandlung angesetzt.

Grund genug für die Anrainer, eine Unterschriftenaktion gegen die Erweiterung zu starten. „Lange haben wir zugesehen und uns nicht beschwert. Aber jetzt reicht‘s. Wo soll das noch hinführen?“, fragt Johann Weingartner. Gemeinsam mit Thomas Heigl und Anita Pflügl startete er diese Aktion, die am Donnerstagabend mit einer Versammlung aller Nachbarn ins Rollen gebracht wurde.

Nachbarn sorgen sich um die Umwelt

Innerhalb der ersten zwei Tage fanden sich bereits 200 Namen auf der Unterschriftenliste. „Es hat sich eigentlich jeder gefreut, dass endlich jemand die Initiative ergreift“, erzählt Thomas Heigl von seiner Tour. Ihm sind mehrere Punkte ein Dorn im Auge. Einerseits die Umweltverschmutzung. „Irgendwann wird die Bodenabdichtung das nicht mehr aushalten und wir haben den Müll im Grundwasser.“ Zwei Damen berichten beim NÖN-Lokalaugenschein von ihrem gesteigerten Putzverhalten seitdem die Deponie vor ein paar Jahren aufgestockt wurde.

„Sobald ein Lkw ablädt, weht der ganze Staub zu uns. Da wird man mit dem Fenster putzen gar nicht mehr fertig.“ Das fällt unter den Punkt Lärm- und Staubbelastung. „Wenn der Wind passt, dann ist es so, als wäre die Deponie direkt neben uns.“ Ihre Nachbarin sorgt sich um die Kinder und die Natur. „Da wird Asbest gelagert, das ist gefährlich. Und ich möchte keine Ablagerungen und Rückstände von der Deponie bei der Ernte auf meinen Bio-Flächen mehr finden“, sagt sie und ergänzt: „Ich möchte, dass meine Enkerl Eisvögel und Wasserläufer sehen können. So kann ich mir das leider nicht vorstellen!“ Der dritte Punkt, der die Anrainer beschäftigt, ist das Landschaftsbild. „Wir wollen nicht mitten in unserer schönen Landschaft einen künstlichen Müllberg ansehen müssen, der immer größer wird“, betont Thomas Heigl.

Und wie soll es jetzt bis zum 30. September weitergehen? Die Unterschriften werden jedenfalls in den nächsten Tagen dem Umweltausschuss der Marktgemeinde übergeben, der die Causa in seiner nächsten Sitzung behandeln wird. In einem weiteren Schritt möchten die Anrainer Kontakt mit der Landesregierung aufnehmen.

„Ich kann den Leuten die Furcht nehmen“

Wenn es nach Christoph Hinterholzer, Geschäftsführer der proDes Deponie Steinakirchen, geht, besteht kein Grund zur Sorge: „Im Gegenteil. Wir planen eine Bodenaushub-Deponie. Das hat nichts zu tun mit einer Baurestmassen-Deponie!“ Konkret bedeutet das eine Verwertung des bestehenden Bodenmaterials – dem „Erdhaufen“. „Wir haben einen Landschaftsplaner beauftragt, damit das ins Landschaftsbild passt. Wir tun damit sogar etwas für die Bürger. Ich kann den Leuten sämtliche Furcht nehmen, hier wird kein neuer Müll gelagert“, beschwichtigt er. Der Naturschutz spiele in seiner Branche ebenfalls eine wichtige Rolle, die Güter werden getrennt, alles werde strikt kontrolliert. Geplant ist die Modellierung für Herbst oder Frühjahr – wenn die Bewilligung da ist. Was Hinterholzer an der Aktion ärgert, ist, dass niemand nachfragt. „Ich biete den Leuten an, mit mir zu reden. Aber keiner meldet sich.“