Gemeinde kündigt Vertrag mit Fußthaler. Gebühren nicht bezahlt. Marktgemeinde setzt Pächter des Festsaals vor die Tür. Besondere Brisanz: Der war bis Juni noch VP-Vizebürgermeister.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 09. Oktober 2018 (05:10)
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Die Gemeinde hat den Pachtvertrag für Festsaal und Gasthaus mit der Fußthaler GmbH gekündigt und ist damit wieder auf der Suche nach einem neuen Pächter.
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Der Steinakirchner Festsaal ist in seiner mittlerweile 21-jährigen Geschichte um ein Kapitel reicher. Denn der Steinakirchner Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, den Pachtvertrag mit der Fußthaler Gastronomie GmbH mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Damit setzt die VP-geführte Gemeinde den ehemaligen VP-Vizebürgermeister Gerhard Fußthaler, der seit 2015 mit seiner Familie den Festsaal und das Gasthaus „Zum Gassl“ übernommen hat, vor die Tür.

„Es war eine schwere Entscheidung für uns. Doch uns blieb keine Wahl. Die Fußthaler Gastronomie GmbH ist bereits seit einem längeren Zeitraum mit Mieten und Abgaben im Rückstand und hat uns trotz mehrmaliger Aufforderung keine Konzepte vorgelegt, wie sie die Begleichung der Außenstände und der künftigen Einhaltung ihrer Verpflichtungen nachkommen könne“, erläuterte VP-Bürgermeister Wolfgang Pöhacker auf NÖN-Anfrage.

Dritte Mahnung ging an Fußthaler

Bereits im Sommer hatte der Gemeindevorstand eine dritte und letzte Mahnung gegenüber Fußthaler beschlossen, in der auch mit der Auflösung des Pachtvertrages als Konsequenz gedroht wurde. Als mögliches Auflösungsdatum wurde damals Ende Oktober genannt. Nun reichte es scheinbar der VP-Fraktion. Denn sie brachte in der Gemeinderatssitzung den Antrag auf sofortige Auflösung des Pachtvertrages ein. Ein Antrag, der einstimmig angenommen wurde, nachdem zuvor ein Abänderungsantrag der LUST-Mandatare, doch Ende Oktober als Auflösungstermin zu belassen, von der VP-Fraktion abgelehnt worden war.

„Wir fanden diese nun gewählte Vorgehensweise etwas überstürzt und unseriös, daher unser Antrag. Allem Anschein nach ging es in dieser Sache aber – so wie auch schon beim Rücktritt Fußthalers als Vizebürgermeister – weniger um ein verantwortungsvolles Handeln als um persönliche Animositäten“, schildert LUST-Gemeindevorstandsmitglied Wolfgang Zuser. Dieser wundert sich auch, dass die von der LUST bevorzugte Variante einer getrennten Verpachtung von Festsaal und Gasthaus, nun anders als im Sommer kein Thema mehr ist.

Einvernehmliche Lösung angestrebt

Aktuell haben Festsaal und Gasthaus noch geöffnet ebenso wie der Feinkostladen. „Wir verhandeln gerade mit Gerhard Fußthaler über eine einvernehmliche Lösung. Da geht es natürlich einerseits um die Ausstände aber auch andererseits um die Ablöse für den Feinkostladen und andere Investitionen, die Fußthaler getätigt hat“, erklärt Bürgermeister Pöhacker.

Gerhard Fußthaler reagiert auf die Pachtvertragskündigung gelassen. „Wir haben damit gerechnet und geplant, mit Jahresende zu schließen. Jetzt peilen wir eben den 4. November als letzten offiziellen Öffnungstag an. Bis dahin wollen wir das Gasthaus noch offen halten und auch den Festsaal betreiben, wobei die Verhandlungen mit der Gemeinde noch laufen“, sagt Fußthaler, der sich künftig mehr aufs Marktfahren konzentrieren will. Für die Gemeinde indes beginnt wieder die Suche nach einem neuen Pächter.