Leerer Sitzungssaal: „Motivation ist im Keller“

Gemeinderäte glänzen seit Längerem mit Abwesenheit bei Sitzungen.

Anna Faltner Erstellt am 09. Januar 2019 | 04:00
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Steinakirchen Gemeinderat
v.l.n.r.: VP-Ortschef Wolfgang Pöhacker: „Einmal in vier Jahren vollzählig.“ „LUST“-Listenobmann Wolfgang Zuser ortet Motivationsprobleme bei Gemeinderäten. FP-Gemeinderat Wolfgang
Bayerl hat Verständnis: „Nicht einfach, weil
alle berufstätig sind.“
Foto: Eplinger, Gemeinde

Ein fast leerer Sitzungssaal, unpünktliches Erscheinen und ein liebloser Umgang mit den Tagesordnungspunkten – laut „LUST“-Listenobmann Wolfgang Zuser zieht sich diese Vorgangsweise im Gemeinderat schon durch die gesamte Periode. Nur zwölf von 21 Mandataren kamen zur Wiederholung der Budget-Sitzung in der Vorwoche. „Scheinbar gibt es da null Einsehen. Die Motivation der Gemeinderäte ist offenbar im Keller“, ärgert er sich.

Dennoch: Von der „LUST“-Fraktion war kein einziges Gemeinderatsmitglied anwesend. „Wir waren urlaubs- oder arbeitsbedingt verhindert. Was bei der kurzfristigen Planung kein Wunder ist“, meint Zuser. Beim Budget selbst hätte er nämlich gerne mitgesprochen. „Ich persönlich hätte es sicher abgelehnt. Mit dem wenigen Geld, das wir haben, wird ineffizient umgegangen. Es ist wie jedes Jahr ein Spar-Budget“, sagt er.

Mitgestimmt hat dafür FPÖ-Gemeinderat Gerhard Bayerl. Für ihn sieht die Lage weniger dramatisch aus als für Zuser. „Manchmal fehlen halt ein paar Gemeinderäte. Es ist nicht einfach, immerhin sind alle berufstätig. Meistens sind sie aber eh entschuldigt. Und falls mal einer vergisst, ruft man ihn schnell an“, sieht er es gelassen.

„Man hat Verantwortung gegenüber dem Bürger“

Dass das Fehlen einiger Gemeinderäte mittlerweile zur Norm geworden ist, bestätigt aber auch VP-Bürgermeister Wolfgang Pöhacker. „Wir haben es einmal in vier Jahren geschafft, dass wirklich alle anwesend waren. Aber dass wir nicht beschlussfähig sind, war eine Ausnahme“, erzählt er. Das Warum ließe sich schwer beurteilen. „Für mich ist es eine ehrenvolle Aufgabe, die man ernst nehmen sollte. Außerdem hat man auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Bürgern, die einen gewählt haben“, betont der Ortschef. Warum sie trotzdem fehlen? „Manchen ist das egal.“