Machtspiele um den Bürgermeister-Sessel. Laut Gerüchten und Mandataren will Gemeinderat Johann Watschka so bald wie möglich VP-Ortschef Pöhacker ersetzen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 06. November 2018 (04:30)
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VP-Ortschef Wolfgang Pöhacker wünscht sich eine offene Gesprächsbasis im Gemeinderat. VP-Gemeinderat Johann Watschka wäre dem Bürgermeisteramt nicht abgeneigt.
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Nach den Diskussionen rund um das Aus des Lokals „Zum Gassl“ droht die Stimmung im Gemeinderat offenbar weiter zu kippen. Denn nicht alle Gemeinderäte wollen VP-Bürgermeister Wolfgang Pöhacker weiter an der Spitze sehen. Nach Gerüchten, die sich nun verdichten, steht der geschäftsführende Gemeinderat Johann Watschka schon in den Startlöchern für den Posten.

Laut LUST-Fraktionsobmann Wolfgang Zuser ist das schon länger ein offenes Geheimnis. „In der ÖVP herrscht Handlungsbedarf – wie auch immer das aussieht. Aber so kann es nicht weitergehen“, spricht Zuser die Causa Fußthaler an. „Bis heute ist nichts passiert. Das ist meiner Meinung nach unwürdig“, findet er harte Worte. Der Ortschef reagiert gelassen: „Das ist eben seine Meinung.“

„Wenn jemand wem etwas zu sagen hat, dann soll er sich nicht anonym verstecken.“Ortschef Wolfgang Pöhacker

Zur Erinnerung: Anfang Oktober kündigte der Gemeinderat den Pachtvertrag mit der Fußthaler Gastronomie GmbH. Grund dafür waren Verzögerungen bei den Miet- und Abgabenzahlungen. Pächter war Ex-Vizebürgermeister Gerhard Fußthaler, der den Gemeinderat im Sommer verließ. Dass die Wogen in der ÖVP noch lange nicht geglättet sind, beweist ein anonymes Schreiben an die NÖN – laut Absender von einer „Gemeinderätin“. Darin heißt es: „Watschka will schon lange Bürgermeister werden und hat absichtlich den Gassl hof ruiniert, damit der Bürgermeister schlecht da steht.“ Dabei stärkt sie dem Ortschef den Rücken: „Er will nur das Beste, aber alle reden ihm drein.“ Die Absenderin wird übrigens innerhalb der VP-Fraktion vermutet.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, reagiert der Gemeinderat überrascht: „Ich habe niemandem ein Ultimatum gestellt. Natürlich gibt es ab und zu Diskussionen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand mir oder dem Bürgermeister etwas Böses will.“

Abgeneigt wäre Watschka dem Amt aber nicht. „Sollte irgendetwas passieren und ich gefragt werden, würde ich zur Verfügung stehen. Aber da müsste der Parteivorstand auch dahinter stehen“, sagt der VP-Fraktionschef. Solange Wolfgang Pöhacker aber keine Ambitionen für einen Rücktritt hegt, will Watschka nicht dazwischenfunken. Der Ortschef selbst ist ebenfalls überrascht. „Wenn jemand etwas zu sagen hat, soll er das direkt mit der Person besprechen. Man sollte sich nicht hinter einem anonymen Namen verstecken“, betont er. Die Tatsache, dass seine Funktion infrage gestellt wird, ließ er unkommentiert. Die Bezirks-ÖVP wollte sich dazu auch nicht äußern.