Worthington in Kienberg: Ab Jänner nur drei Schichten

Worthington reagiert auf reduziertes Auftragsvolumen und muss 19 Mitarbeiter abbauen. Dennoch hält man an Modernisierung und Ausbau des Standortes Kienberg fest.

Erstellt am 22. Dezember 2019 | 03:45
Lesezeit: 2 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7771521_erl51kienberg_worthington_prueller.jpg
Im August fiel der offizielle Startschuss für die Vergrößerung des Kienberger Standortes von Worthington Industries. Um 7,3 Millionen Euro entsteht derzeit eine zusätzliche Produktionshalle, in der ab Sommer 2020 Wasserstofftanks produziert werden sollen.
Foto: Prüller/Greenhill Studios

Bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag der Vorwoche waren auch die Kündigungen bei Worthington Industries in Kienberg Thema. VP-Prüfungsausschussobmann Franz Heher sprach angesichts von kolportierten 40 Freistellungen bei Worthington von viel zu hoch angenommenen Kommunalsteuereinnahmen und einem beschönigten Budget (Seite 38).

„Die Zahl 40 ist viel zu hoch gegriffen“, heißt es im Gegenzug von der Firma Worthington. Aktuell muss die Belegschaft um 19 Personen aus dem Produktionsbereich reduziert werden. Die betroffenen Dienstnehmer wurden Ende November über die bevorstehende Auflösung ihres Dienstverhältnisses informiert. „Wir würden diesen Schritt nicht setzen, wenn wir nicht bereits alle anderen Optionen ausgeschöpft hätten“, erklärt Worthington-Geschäftsführer Timo Snoeren auf NÖN-Anfrage.

„Das ist keine Krise, sondern einfach eine konjunkturbedingte Kapazitätsanpassung.“Timo Snoeren, Worthington

Der Grund für diesen Schritt ist das verlangsamte Wirtschaftswachstum in Europa. Einige Großkunden von Worthington in Deutschland, Italien und Großbritannien haben die Auftragsvolumen zurückgeschraubt. Das bedeutet in den nächsten sechs bis zwölf Monaten weniger Auslastung als geplant. Gleichzeitig werfen die neuen geplanten Projekte noch keinen Gewinn ab. „Wir sollten das daher nicht als Verlust von Arbeitsplätzen betrachten, sondern umgekehrt als Rettung von fast 400 guten Jobs an der Eisenstraße“, betont Snoeren, der keinesfalls von einer Krise, sondern nur von einer „Kapazitätsanpassung“ sprechen will.

Snoeren blickt auch nach wie vor optimistisch nach vorne: „Unser Managementteam hat einen strategischen Geschäftsplan erarbeitet, um sicherzustellen, dass das Unternehmen neue Märkte erschließt und in den Schlüsselmärkten noch wettbewerbsfähiger wird.“

Dieser Plan fußt auf zwei großen Projekten. Um die Kernkompetenz des Traditionsbetriebs – das Herstellen von nahtlosen Gashochdruck-Stahlflaschen – zu stärken, wird die große Presse umfassend modernisiert.

Dadurch wird ermöglicht, dass Bereiche wie Entwicklung, Produktion sowie Innovation vorangetrieben werden und so den aktuellen Kundenwünschen genau entsprochen wird. Die 125 Tonnen schwere neue Presse wird im Juli 2020 installiert. Der überdimensionale Kran, der dafür nötig ist, wird auch von der Erlauftalbundesstraße aus nicht zu übersehen sein.

Ein internationales Team zeichnet für den Bau des neuen Kompositwerks für die Produktion von Wasserstofftanks verantwortlich. Durch diese zusätzliche Produktionsstätte wird Worthingtons Kundenstamm – historisch aus der Industriegase-Branche gewachsen – auf Kunden aus dem Bereich der alternativen Treibstoffe weiter ausgebaut. Die Erweiterung betrifft aber nicht nur die Kundenkreise, sondern auch die Belegschaft: Ab dem Frühsommer 2020 entstehen wieder neue Arbeitsplätze am Kienberger Standort.

Auch das Konzernmanagement vertraue auf den Erfolg dieser beiden Projekte, versichert Snoeren. Zusammen mit den aktuellen Investitionen hat die US-Zentrale über die letzten zwei Jahrzehnte 60 Millionen Euro in den Standort investiert. Aktuell wird noch in vier Schichtgruppen an sechs Tagen gearbeitet. Ab Jänner reduziert sich dies auf drei Schichtgruppen (24 Stunden), allerdings nur mehr an fünf Tagen (Montag bis Freitag).