Die Ehe wird zur Scheinwelt in Wolfpassing

Umjubelte Premiere beim ersten Theatersommer Schloss Wolfpassing. „Das Konzert“ als Lustspiel im wahrsten Sinne.

Erstellt am 11. August 2021 | 14:17

Es ist vollbracht: Mit einjähriger Corona-bedingter Verspätung ging am Freitag die Premiere von „Das Konzert“ im Schloss Wolfpassing über die Bühne. Dabei war es eine Premiere in mehrfacher Hinsicht. Erstmals bildeten das Schloss und die Gemeinde Wolfpassing den Rahmen für den von Intendantin Christina Meister-Sedlinger und ihrem Mann Martin Sedlinger als Produktionsleiter 2019 damals noch in Neubruck ins Leben gerufenen Theatersommer – „ihr Traumprojekt“, wie die beiden selbst sagen.

Eine Premiere war es auch für das eigens zusammengestellte Theatersommer-Ensemble. Dabei standen Profis und Laien gemeinsam auf der Bühne. Als Starpianist und von seinen Schülerinnen umschmeichelter Meister Gustav Heink agierte Daniel Pascal, der zugleich auch Regie führte. Christina Meister-Sedlinger spielte die gehörnte, aber kluge Ehefrau Marie Heink – beide sehr souverän. Ebenfalls sehr überzeugend agierten Hanna Gruber und Johannes Schmid als Ehepaar Jura.

„Nicht überflüssig die Wahrheit sagen.“ Lebensweisheit von Franz Jura

Die Lacher auf ihrer Seite haben die Bediensteten des Ehepaars Heink: Lisa-Marie Bachlechner als Fräulein Wehner (grandios) sowie Petra Pöchhacker und Joschi Auer als Ehepaar Pollinger, das sich um die Berghütte des Meisters kümmert, wohin sich dieser regelmäßig zu seinen „besonderen Konzerten“ mit seinem aktuellen Techtelmechtel zurückzieht. Doch dass sich der so schöne Meister für ein Konzert mit Delfine Jura und nicht mit Eva Gerndl (Lisa Schmid) entschieden hat, bringt den Stein ins Rollen. Die eifersüchtige Schülerin schreibt Franz Jura ein Telegramm.

Das Lustspiel von Hermann Bahr wurde 1909 uraufgeführt. Regisseur Daniel Pascal hat es in seiner Urfassung belassen und keine modernen Querverbindungen gesucht. Er lässt es als Lustspiel auf sich beruhen, zeigt auf verschiedensten Ebenen die Scheinwelten zwischen Eheleuten und spielt mit den Dialogen und so manch augenzwinkernden und ironischen Lebensweisheiten.

Etwa, dass das Spiel von Mann und Frau einem Schachspiel gleicht. Zug um Zug führt eines zum anderen bis hin zur Damenrochade. Vielleicht hätte man die eine oder andere Szene noch straffen können, am Ende der rund zweistündigen Aufführung bleibt jedoch das Gefühl eines schönen, lustigen und entspannenden Theaterabends. Genauso wie ihn sich Intendantin Christina Meister-Sedlinger in ihren Begrüßungsworten gewünscht hatte.

„Die Planungen für 2022 laufen bereits“ Martin Sedlinger

Auch für den in Traun (OÖ) wohnhaften Daniel Pascal, Regisseur und Hauptdartsteller in Personalunion, war es übrigens eine Premiere beim Theatersommer. Eine Zusammenarbeit, die sich voraussichtlich auch in Zukunft verlängern wird. So wie der Theatersommer auch dauerhaft im Schloss Wolfpassing bleiben soll. „Die Planungen für 2022 laufen bereits“, verrät Martin Sedlinger: „Es bleibt in der humorigen Richtung. Den Namen des Stücks wollen wir aber noch nicht nennen.“ Heuer wird bis 22. August gespielt: www.theatersommer-wolfpassing.at