Offene Hallentür für Vereine im Bezirk Scheibbs. Vom Schuldirektor über den Schulwart bis zum Bürgermeister und oft wieder retour – der Weg zu einem geöffneten Turnsaal ist für Sportvereine oft ein langer und beschwerlicher. Dabei zeigt eine Studie der Sportunion, dass Bedarf an zusätzlichen Hallenzeiten besteht (siehe Artikel rechts). Die NÖN hörte sich in der Region um.

Von Karin Katona. Erstellt am 10. September 2019 (05:49)
Christ
Sportlehrer Patrick Bruckner (von links), die Schüler Florentina Bichler und Andreas Pitzl mit Direktor Ingolf Völker im Turnsaal der Sportmittelschule in Scheibbs, der auch vom Turnverein und den Fußballern regelmäßig genutzt wird.

Leichtathletik, Kleinkinderturnen und Dance Aerobic, das sind nur drei von insgesamt elf Kursen, die vom Turnverein Scheibbs 1885 angeboten werden.

Ein Großteil der Kurse wird im Turnsaal der Sportmittelschule Scheibbs abgehalten, die anderen im Turnsaal der Volksschule. „Auch in den Sommerferien nutzen wir diese Räume gelegentlich, wenn zum Beispiel Vereinsmitglieder für Aufnahmeprüfungen trainieren“, informiert Vereinsobmann Karl Wieland.

Bedarf an zusätzlichen Hallenzeiten sieht er nicht. „Im Sommer sind wir ohnehin oftmals auf den Außenanlagen“, betont Wieland. „Ja, die Zusammenarbeit von Vereinen und Schulen klappt sehr gut. Die Vereine nutzen unsere Halle natürlich nur abends, außerhalb der Unterrichtszeiten“, erklärt Direktor Ingolf Völker.

Haftung: „Im schlimmsten Fall wird das ein Fall für das Gericht“

Für die Nutzung zahlen die Vereine eine Saalmiete. Mit der Schlüsselübergabe wird auch die Verantwortung übergeben. Dass Vereine in der Stadtgemeinde Scheibbs noch mehr Hallenzeiten benötigen, davon hat VP-Vizebürgermeister Franz Aigner in Scheibbs bislang noch nichts gehört. „Wir sind da mit den Turnhallen in der SMS, der Volksschule und auch im BORG sowie den Außenanlagen sehr gut aufgestellt. Und auch der der Saal im Rathaus wird für den Yogakurs genutzt.“

Alles paletti also. Aber wie sieht es mit der Haftung aus, wenn einmal etwas passiert oder Geräte kaputt werden? „Bei Verletzungen, und die passieren nun mal hin und wieder, aber auch wenn Geräte kaputt gehen, haben wir bzw. die Schulerhaltergemeinschaft natürlich einen dementsprechenden Versicherungsschutz“, erklärt der Vizebürgermeister.

Etwas kritischer sieht das Direktor Völker und erklärt seine Bedenken an einem Beispiel: „Nehmen wir mal an, einer klettert auf die Sprossenwand, fällt herunter und verletzt sich schwer. Dann wird man mit Sicherheit auch über die Haftung diskutieren müssen. Im schlimmsten Fall wird das ein Fall für das Gericht“, betont er und verweist auf einen Präzedenzfall in einem Kärntner Kindergarten. Dort ist ein Kind von einem Baum gefallen und hat sich den Arm gebrochen. Das Gericht verurteilte den Kindergarten zu einer saftigen Geldstrafe.

„Wenn Bund und Länder wollen, dass Sportvereine auch während der Sommermonate in die Schulen dürfen, dann nur nach dem Motto: Wer anschafft, muss das Geld haben.“ Es könne nicht sein, dass die Gemeinde zum Buhmann gemacht werde: „Die Haftungssache gehört in diesem Punkt grundlegend geklärt.“

Ortswechsel nach Purgstall: Hier nutzt die Sportunion Purgstall mehrmals wöchentlich sowohl den Turnsaal der Volksschule als auch die Sporthalle der NMS. Die Benützung der Schulsportanlagen durch die Purgstaller Sportvereine sei bestens geregelt, hebt Sportunion-Obmann Walter Mittendorfer hervor: „Die Vereine können die Hallen auch an Wochenenden und in den Ferien benützen. Das Miteinander funktioniert reibungslos.“

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