Das Wolfpassinger Schloss wechselt die Besitzer. SWB Bewirtschaftungs GmbH und Gemeinde sehen die Revitalisierung als geglückt und verkaufen Schloss und Hof.

Von Anna Faltner. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:46)
Jetzt ist es fix. Mit Juni erfolgt die Übernahme des Schlosses Wolfpassing samt Wirtschaftshof durch die „HRH GmbH“ aus Amstetten (von links): die bisherigen Eigentümer Franz und Stefan Schrittwieser, die neuen Eigentümer Manuel Röska und Alexander Haider sowie die bisherigen Eigentümer Johann Vonwald und Bürgermeister Friedrich Salzer.
Anna Faltner

Nach mehreren Jahren Leerstand und großer Ungewissheit, was mit dem Schloss Wolfpassing zukünftig geschieht, haben die beiden Unternehmer Johann Vonwald und Stefan Schrittwieser Ende 2016 das gesamte 7,4 Hektar große Schlossareal gekauft.

Anfang 2018 hat sich auch die Gemeinde Wolfpassing mit 300.000 Euro einen Anteil von 10 Prozent des Schlossareals erworben. Ziel der eigens gegründeten SWB Schloss Wolfpassing Bewirtschaftungs GmbH war es, die Liegenschaft für unterschiedliche Nutzungen zu reaktivieren, zu entwickeln und, wenn möglich, auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Projekte wie Betreutes Wohnen angedacht

„Das haben wir geschafft. Genau so, wie wir es auch vor hatten. Uns schwebte schon immer vor, das Schloss später einmal für Projekte wie ‚Betreutes Wohnen‘ oder Ähnliches zu nutzen“, erzählt Johann Vonwald.

Der abschließende Schritt betrifft genau das, die Nutzung des Schlosses an sich. Und die soll mit der Übernahme des Schlosses sowie des Wirtschaftshofes durch die „HRH GmbH“ von Alexander Haider, Manuel Röska und Dietmar Helm in Angriff genommen werden. „Wir haben das Gefühl, dass das mit den neuen Eigentümern in die richtige Richtung geht“, meint Vonwald.

Das Amstettner Unternehmen hat sich auf die Errichtung und Sanierung von Immobilien sowie auf die Immobilienverwaltung spezialisiert und hat ab Juni die Zügel in der Hand, was das Schloss Wolfpassing betrifft. Die restlichen Liegenschaften des Schlossareals samt der Wohnbauflächen bleiben im Besitz der SWB Schloss Wolfpassing Bewirtschaftungs GmbH. Der Kaufpreis wird, so wie schon 2016, nicht verraten.

„Wir diskutieren nicht über ungelegte Eier. In den zwei Jahren ist die Schule im Schloss. Da haben wir genug Zeit, alles zu planen.“ Alexander Haider, HRH GmbH zur zukünftigen Nutzung

Für die nächsten zwei Jahre gibt es schon einen fixen Plan. Denn während das Schulgebäude renoviert wird, zieht ab August die Volksschule Steinakirchen vorübergehend ins Schloss ein. Was danach mit dem Schloss passiert, wird noch nicht verraten. „Wir diskutieren nicht über ungelegte Eier. In den nächsten zwei Jahren haben wir genug Zeit, alles zu planen“, betont Alexander Haider.

Nur so viel steht fest: Das Schloss soll multifunktional genutzt werden. „Die drei Herren sind mit mehreren Ideen an uns herangetreten, und die haben uns wirklich gut gefallen“, lobt Bürgermeister Friedrich Salzer. Er ist überzeugt, dass das Schloss mit den neuen Eigentümern wiederbelebt und einer multifunktionalen Nutzung zugeführt werden kann.

„Ich freue mich besonders über die positive Entwicklung, die uns gemeinsam in den letzten Jahren gelungen ist“, hält Salzer fest. Denn in den vergangenen vier Jahren ist viel geschehen. Zum einen wurden die Villa, also das Beamtenwohnhaus, und die Kaserne revitalisiert und wieder vermietet.

Weiters entstanden im Bereich des Wirtschaftshofes eine Käserei sowie der Hofladen samt Hofcafé, und auch der Brauverein „Craft Wolf Brewery“ braut sein Bier im Wirtschaftshof. Somit wurden Wohnungen mit 1.150 m² Nutzfläche sowie Gewerbeflächen im Wirtschaftshof mit etwa 1.100 m² wieder reaktiviert.

Im Schloss selbst konnten Veranstaltungen wie die Frühlingskonzerte des Blasmusikvereines, Seminare und Präsentationen stattfinden. Als ökologische Maßnahme wurden sämtliche Objekte an die Fernwärmegenossenschaft Steinakirchen-Wolfpassing angeschlossen und zu diesem Zweck das Heizwerk der FWG erweitert, um eine Versorgung zu garantieren.

Schutt vom Abbruch für Wegebau genutzt

Damit wurde auch die alte Ölheizungsanlage obsolet und es konnte letztendlich der gesamte Heiztrakt gemeinsam mit der ehemaligen Molkerei abgetragen werden. „Das Schuttmaterial, das beim Abbruch der Molkerei zustande kam, haben wir sortiert, recycelt und für den Wegebau in Wolfpassing verwendet. Der ökologische Gedanke dabei ist uns auch wichtig“, unterstreicht Vonwald. Durch die Grundfreistellung nach den Abbrucharbeiten war es möglich, auf dem ehemaligen Molkereiareal 14 Einfamilienhausparzellen zu schaffen, die bereits zur Gänze neue Eigentümer gefunden haben.

Im vorderen Schlossparkbereich mit den ungepflegten Flächen des ehemaligen Tennisplatzes und der bereits verfallenen Kegelbahn konnte mit der GEDESAG ein gemeinnütziger Bauträger für den Wohnbau als Partner gefunden werden. Hier befinden sich 22 Wohneinheiten und vier Doppelhäuser gerade in der Umsetzung.

Mit dem Einzug der Volksschule ins Schloss kommt nun auch regelmäßiges Leben ins Schloss Wolfpassing sowie dessen Nebenanlagen. Die ersten Vorbereitungen für den Umzug der Schule wurden bereits getroffen. „Da im Schloss ja schon einmal eine Schule untergebracht war (Anm.: die Molkereifachschule sowie das Lebensmitteltechnologische Zentrum Wolfpassing (LMTZ)), ist es kein extremer Aufwand. Speiseraum und Klassenräume sind vorhanden“, informiert Vonwald.

Sowohl Gemeinde als auch die SWB Bewirtschaftungs GmbH sind mit der Revitalisierung des Schlossareals absolut zufrieden. Alte Werte wurden erhalten und wiederbelebt, Arbeitsplätze und Wohnraum geschaffen. „So können, sollen und müssen in Zukunft Politik und Wirtschaft handeln“, sind Salzer und Vonwald überzeugt.