Scheibbser Lehenhof: Die vier Säulen des Hilfsprojekts

Erstellt am 20. Juli 2022 | 05:37
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8418121_erl29sb_gemeinde_lehenhof.jpg
Alois Höger vom Verein „Brücke Scheibbs“, Bürgermeister Franz Aigner, Stadträtin Alena Fallmann (der „Fels in der Brandung vor Ort“) und Stadtamtsdirektor Gerhard Nenning (von links) ziehen nach 120 Tagen Flüchtlingsbetreuung im Lehenhof eine Zwischenbilanz.
Foto: Christian Eplinger
Nach 120 Tagen Flüchtlingsbetreuung im Lehenhof ziehen die Verantwortlichen eine erste durchaus positive Zwischenbilanz.
Werbung
Anzeige

Mitte März kamen die ersten aus dem ukrainischen Kriegsgebiet vertriebenen Familien im Scheibbser Lehenhof an. Seitdem läuft das von der Stadtgemeinde Scheibbs mit Unterstützung des Vereins „Brücke Scheibbs“ organisierte Hilfsprojekt auf Hochtouren. Aktuell sind 64 ukrainische Kinder, Frauen und Männer im Lehenhof untergebracht. Der Höchststand war bislang kurz bei über 90 Vertriebenen. Für diese Woche sind neue Familien angesagt.

„Wir sind die größte Unterkunft im Mostviertel und es läuft gut, auch wenn man natürlich da und dort mit einigen kleineren und größeren Problemen zu kämpfen hat“, weiß Bürgermeister Franz Aigner und bedankt sich vor allem bei Stadträtin Alena Fallmann („unser Fels in der Brandung vor Ort“), Alois Höger vom Verein „Brücke Scheibbs“, Stadtamtsdirektor Gerhard Nenning und seinem Team für die organisatorische Arbeit sowie den vielen Freiwilligen und Unterstützern, ohne die dieses Projekt nicht umzusetzen wäre. Ein Projekt, das aktuell fest auf vier Säulen steht, von denen aber keine „wegbröckeln“ darf, wie alle Verantwortlichen überzeugt sind.

Säule Stadtgemeinde:

Die Stadtgemeinde Scheibbs hat den Betrieb und die organisatorische Abwicklung aller Ansuchen im Hintergrund übernommen sowie auch die finanziellen Angelegenheiten. Auch die sechs Anstellungen für das Projekt (Dolmetscher, Köche, Hauswartin) laufen über die Stadtgemeinde. „Wir haben einen Vertrag mit dem Land, die eine 24-stündige Betreuungspflicht inkludiert. Das können wir aktuell dank der Freiwilligen bewältigen. Und wir konnten vielen Bewohnern auch schon diesen Geist des österreichischen Freiwilligenwesens weitergeben. Viele Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten und helfen mit. Das ist ja gleichzeitig auch eine sinnvolle Beschäftigungstherapie“, weiß Gerhard Nenning.

Säule Freiwillige Helfer:

Tina Exinger organisiert weiterhin vorbildlich die Freiwilligendienste. Allerdings das wird gerade über den Sommer (Urlaubszeit) nicht einfacher. Zudem seien einige Freiwillige schon „etwas müde“ geworden. „Die Motivation, Dienste zu übernehmen, lässt nach über vier Monaten naturgemäß etwas nach. Die Ehrenamtlichen haben bislang über 3.000 Stunden geleistet. Insgesamt umfasst der Pool rund 50 Personen, wobei rund 20 den harten Kern bilden, der viele Dienste übernimmt“, erklärt Alois Höger und appelliert so wie Alena Fallmann weiter an die Bevölkerung, sich freiwillig zu melden und das Projekt zu unterstützen. „Es kann jeder vorbeikommen und sich vor Ort ein Bild machen oder sich einfach über die Gemeindehomepage bei uns melden. Wir können jede Hilfe gebrauchen“, weiß Alena Fallmann.

Säule Geld- und Sachspenden:

Auch die Geld- und Sachspenden sind zuletzt nicht mehr in jenem Umfang geflossen wie zu Beginn der Aktion. Nichtsdestotrotz freuen sich die Organisatoren über treue (Groß)Spender, die teilweise auch die Kosten für gewisse Dienste (Dolmetsch/Deutschkurse) übernehmen.

Insgesamt sind bislang rund 50.000 Euro für Projekt gespendet worden. Zuletzt kam wieder ein größerer Betrag von der Pfarre Scheibbs, die die Sammlung beim Festgottesdienst 100 Jahre NÖ gespendet hat. Dennoch macht sich Stadtamtsdirektor Nenning wegen der Finanzen keine allzu großen Sorgen: Die Stadtgemeinde erhält aktuell für jeden Bewohner/jede Bewohnerin 21 Euro pro Tag. Hier gibt es im Land eine Diskussion über eine mögliche Aufstockung auf 25 Euro. „Solange wir über 50 Bewohner haben, geht es sich dank der vielen Freiwilligen halbwegs aus“, weiß Nenning. Auch die Lehenhof-Besitzer seien sehr kulant. Die Miete gestaltet sich flexibel nach Anzahl der Bewohner. Übrigens: Sollte am Ende des Lehenhof-Projektes noch Geld am Spendenkonto vorhanden sein, fließt dies eins zu eins an den Verein „Brücke Scheibbs“.

Säule Deutschkurse:

Da gab es zuletzt zwei Wochen „Eiszeit“, weil der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) keine Trainer zur Verfügung stellen konnte. Seit dieser Woche wird wieder unterrichtet. „Wir haben eine voll dem Lehenhof zugeordnete Trainerin bekommen. Das ist wichtig, denn die Sprachbarrieren sind auch ein Hemmnis für die Integration der durchaus sehr gut ausgebildeten Frauen in den Arbeitsmarkt“, weiß Alois Höger. Neben den Trainern über den ÖIF unterrichten auch Freiwillige des Vereins „Brücke Scheibbs“ – bislang leisteten diese bereits rund 100 Stunden.

Werbung