Risse in der Fahrbahn: Landesstraßenbauabteilung gibt Entwarnung

Erstellt am 28. April 2022 | 19:40
Lesezeit: 4 Min
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An die 20 Meter lang ist der größte, mittlerweile wieder ausgefüllte Riss in der Fahrbahn der B25 in unmittelbarer Nähe der seinerzeit eingestürzten und neu errichteten Brücke. Im Böschungsbereich werden aktuell bereits mögliche Setzungen oder Verschiebungen vermessen.
Foto: Christian Eplinger
Nach nicht einmal einem Jahr gibt es schon erste Risse in der Fahrbahn der Umfahrung Wieselburg. Landesstraßenbauabteilung und externe Experten beruhigen allerdings: Es besteht keine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer. Die Ursachenforschung läuft. Sobald Untersuchungen zu Ende sind, stellt sich auch die Schuldfrage.
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Irgendwie steht die am 10. Juni des Vorjahres für den Verkehr freigegebene Umfahrung Wieselburg bautechnisch nicht unter dem besten Stern. Nachdem am 7. Juni 2020 noch während der Bauarbeiten eine Brücke eingestürzt war – zum Glück war dabei niemand verletzt worden – sind jetzt nach noch nicht einmal zehn Monaten schon erste Risse in der Fahrbahn aufgetaucht. Und das noch dazu im unmittelbaren Nahbereich der seinerzeit eingestürzten und neu errichteten Brücke.

"Arbeiten mit natürlichen Materialien"

„Diesen beiden Sachen haben allerdings nichts miteinander zu tun. Es besteht keinerlei Zusammenhang“, betont Wolfgang Leitgöb, Projektleiter seitens der Landesstraßenbauabteilung bei der Umfahrung Wieselburg, beim Pressegespräch gleich vorweg und gesteht im selben Atemzug.

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Seiten der Straßenbauabteilung des Landes – Sebastian Riegler, Gerhard Fichtinger und Wolfgang Leitgöb (von links) ist man natürlich alles andere als glücklich über diese Risse in der Fahrbahn der Umfahrung Wieselburg. Die Ursachenforschung läuft. Wichtig ist es aber allen zu betonen: Es herrscht für die Verkehrsteilnehmer nicht die geringste Gefahr.
Foto: Christian Eplinger

„Natürlich sollte so etwas nicht passieren und wir seitens des Landes als Auftraggeber für dieses Projekt sind alles andere als glücklich darüber. Aber es ist auch nicht das erste Mal, dass so etwas bei größeren Straßenbauvorhaben auftritt. Der Straßenbau arbeitet eben mit natürlichen Materialien und da kann es zu Setzungen oder Wanderungen kommen“, erklärt Leitgöb.

Denn auch wenn schon während der Bauphase noch so genau kontrolliert wurde und auch das verwendete Schüttmaterial höherwertig als vorgeschrieben war, „es waren immer nur Stichprobenkontrollen. Wir können nicht jeden einzelnen Schotterstein kontrollieren“, betont Leitgöb.

Auch sein Kollege Sebastian Riegler erläutert, dass man gerade bei in diesem Bereich, wo für die Fahrbahn bis zu sieben Meter hoch aufgeschüttet wurde, man baulich alle möglichen Vorkehrungen getroffen hätte. „Die einzelnen Schüttungen wurden relativ langsam Schicht für Schicht aufgetragen. Dazwischen gab es immer wieder Messungen. Und erst wenn die Tragfähigkeit gegeben war, hat man die Schüttung fortgesetzt“, erklärt Riegler.

Nichtsdestotrotz kamen jetzt auf den beiden Spuren in Fahrtrichtung Ybbs unmittelbar vor der besagten Brücke zwei große Risse zu Tage: ein 20 Meter langer Riss und ein rund acht Meter langer Riss. Beide wurden mittlerweile schon mit Rissverguss ausgeschüttet, sodass man beim Drüberfahren sowohl mit dem Auto als auch mit Motorrädern kaum mehr etwas spürt.

Sofort erste Messungen eingeleitet – keine Gefahr

„Wir haben auch sofort Untersuchungen durch externe Geotechniker eingeleitet und an 25 bis 30 Stellen sowohl direkt neben den Rissen als auch im Böschungsbereich Messpunkte gesetzt. Alle Experten haben uns daraufhin bescheinigt, dass für die Verkehrsteilnehmer keine Gefahr droht, dass irgendetwas einbrechen könnte. Die Umfahrung ist also ganz normal zu befahren“, unterstreicht Wolfgang Leitgöb.

Im Mai wird jetzt die Ursachenforschung noch intensiviert. Es werden mehrere Bohrungen und Messungen mit 15 Meter tiefen Rohren und Sonden durchgeführt – erneut von einer externen Firma. Dabei kommt es für zwei bis drei Tage in diesem Bereich zu einer Fahrbahnverengung, wobei zwei Fahrstreifen aber immer übrig bleiben. Dabei wird untersucht, ob der Grund für die Risse im Bereich des Untergrundes oder im bebauten Bereich liegt. Je nachdem, was da herauskommt, wird entschieden, wie saniert werden muss und vor allem auch, wer die Kosten der Sanierung tragen muss. Das Land (Untergrund) oder die Baufirmen (bebauter Bereich) ist hier die Frage?

Brückeneinsturz: Noch keine Entscheidung des Gerichts

Apropos Kosten: Bezüglich des Brückeneinsturzes von 2020 läuft immer noch das Gerichtsverfahren. Immerhin geht es dabei um Kosten von 4,7 Millionen Euro. „Man muss die Gerichte arbeiten lassen. Wir können dazu derzeit genauso wenig etwas sagen, wie zu den möglichen Kosten der aktuell notwendigen Sanierung“, erklärt Gerhard Fichtinger, Pressereferent des NÖ Landesstraßendienstes.

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