Schotter-Lieferungen bleiben Streitthema. Schotterlieferung vom Semmering via Bahn ist vom Tisch. Schotter soll jetzt aus Gruben in der Region kommen.

Von Markus Glück und Christian Eplinger. Erstellt am 14. August 2018 (03:00)
Schon jetzt spürt man im Raum Wieselburg im Zuge der Umfahrungsbauten die verstärkten Lkw-Fahrten. Diese könnten mit den Schottertransporten noch mehr zunehmen.
Eplinger

Bereits ab Juli sollten täglich rund 90 Lkw von der Entladestelle bei der Firma Parik in Neusarling Schotter zur Baustelle der Umfahrung Wieselburg bringen.

Sollten, denn wie die NÖN in Erfahrung brachte, ist die Anlieferung, die Proteste von Bewohnern und Bürgermeistern hervorrief, vom Tisch. Nachdem sich der Ybbser SP-Stadtchef Alois Schroll mit einem Protestschreiben an das Land gewandt hatte, und dabei auch die Unterstützung von SP-Landtagsabgeordneten Günther Sidl erhalten hatte, meldete sich VP-Landtagsabgeordneter Karl Moser auf Sidls Facebook-Seite zu Wort: „Keine Panikmache. Dieser Transport kommt so nicht.“

„Wir haben die Sorge der Bürger ernst genommen und das Gespräch mit dem Land gesucht und eine andere Lösung gefunden.“VP-Landtagsabgeordneter Karl Moser

Nachgefragt, bestätigt Moser gegenüber der NÖN, dass kein Material vom Semmering Basistunnel nach Ybbs angeliefert wird, die Transporte also nicht stattfinden. „Wir haben die Sorge der Bürger ernst genommen und das Gespräch mit dem Land gesucht und eine andere Lösung gefunden.“

Die Materialanlieferungen vom Semmering wären mittlerweile auch ein zeitliches Problem gewesen. Daher sollen die rund 600.000 m Schotter nun von mehreren Schotterunternehmen entlang der Donau (unter anderem Loja aus Gottsdorf, Malaschofsky aus Marbach) kommen.

Das bestätigt auch die ausführende Baufirma Porr. „Das benötige Schottermaterial wird von umliegenden Steinbrüchen und Schottergruben per Lkw direkt auf die Großbaustelle gebracht“, erklärt Porr-Konzernsprecherin Sandra Bauer. Vonseiten Porr wird auch betont, dass eine geplante Abtragstelle in unmittelbare Nähe der Baustelle, dem Rottenhauser Berg, nicht genehmigt wurde: „Daher ist eine Anlieferung von weiter entfernten Schottergruben notwendig“, meint Bauer.

Porr liebäugelt mit Brandl-Schotterprojekt

Geliebäugelt wird auch mit einer Reaktivierung des andiskutierten Schotterprojektes der Firma Brandl in Mühling: „Das wäre die optimalste Lösung, um die erforderlichen Transporte so gering wie möglich zu halten.“ Die Einreichunterlagen für die Genehmigung sind laut Bauer bereits in der Ausarbeitung. Von Seiten der Firma Brandl wollte man dazu vorerst keine Stellungnahme abgeben. Allerdings ist auch bei einem Schotterabbau in Mühling mit Anrainerprotesten zu rechnen.

In Ybbs ist man über die Wende beim Schottertransport alles andere als erfreut, denn jetzt erfolgt ein Großteil der Transporte direkt durch das Stadtgebiet. „Ich habe keine Infos erhalten, jedoch fordere ich eine behördliche Prüfung. Ohne Genehmigung darf so etwas nicht durchgeführt werden“, ärgert sich Schroll.

Harald Ebert: „Schuss ist nach hinten losgegangen"

Kritik an Moser gibt es auch vom Ybbser Parteikollegen VP-Stadtrat Harald Ebert: „Der Schuss ist nach hinten losgegangen. Jetzt fahren die Lkw direkt durch Ybbs. Die ökologisch sinnvollste Lösung wäre der Transport von Neusarling zur Baustelle gewesen.“ Und auch Ebert sieht Mosers Lösung auf Kosten der Ybbser. „Mit uns hat er im Vorfeld nicht gesprochen. Wenn er sich tatsächlich für diese Variante eingesetzt hat, kann ich ihm nur gratulieren“, schüttelt Ebert den Kopf.

Als „keine zufriedenstellende Lösung“ bezeichnet auch Sidl die Situation, denn bereits seit wenigen Tagen ist in Ybbs ein verstärktes Verkehrsaufkommen durch Lkw zu spüren. „Ich verstehe nicht, dass man mit einer Baustelle in dieser Größenordnung beginnt, und man im Vorfeld nicht weiß, woher der Schotter kommt.

Kritik an schleppenden Informationsfluss

Das ist eine massive Belastung für die Ybbser Bevölkerung und gehört unterbunden. Dass Moser dies als Erfolg verkauft, ist ein völliger Wahnsinn“, meint Sidl. Er kritisiert aber auch den schleppenden Informationsfluss seitens der Baufirma: „Niemand von den Gemeinden weiß Bescheid.“