Umfahrung Wieselburg: „Das ist keine Autobahn“

Acht Wochen nach Verkehrsfreigabe klagen Anrainer über Lärm und Raserei auf der Umfahrungsstraße.

Erstellt am 11. August 2021 | 05:27
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Hans Wurzer (links) und Franz Huber waren seinerzeit die Hauptprotagonisten der Bürgerinitiative Lebensraum Stadt-Land. Heute sehen sie sich wieder mit vielen Anrufen von Umfahrungsanrainern konfrontiert, die den Lärmpegel kritisieren. Wurzer und Huber wünschen sich daher mehr Verkehrszeichen und eine verstärkte Geschwindigkeitskontrolle – idealerweise eine Section Control. „Beim Schall machen 20 km/h viel aus“, weiß Huber.
Foto: Eplinger

Am 10. Juni hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Umfahrung Wieselburg für den Verkehr freigegeben. Heute, acht Wochen später, lassen sich zwei Fakten schon deutlich festhalten: Der Verkehr durch das Wieselburger Stadtgebiet hat deutlich und spürbar abgenommen. Die von den Experten berechnete Entlastung des Stadtgebietes durch die Ostumfahrung von 44 Prozent wird sich erfüllen. Das hebt die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Auf der anderen Seite gibt es auch Verlierer: die Anrainer entlang der Umfahrungsstraße. Vor allem der Lärm in Form des sogenannten „energieäquivalenten Dauerschallpegels“ sorgt in Neumühl, Teilen von Mühling, Gumprechtsfelden und Petzenkirchen sowie in Fohra für Ärger bei vielen Bürgern. Das rief nun auch wieder die seinerzeitigen Protagonisten der Bürgerinitiative Lebensraum Stadt-Land, die sich von 2004 bis 2013 gegen die Ostvariante stark gemacht hatten, auf den Plan.

„Ich habe etliche Anrufe von Anrainern bekommen. Viele unserer damals geäußerten Befürchtungen sind jetzt eingetroffen. So sehr die Umfahrung eine Verbesserung in Wieselburg bringt, für die Anrainer an der neuen Trasse hat sich die Lebensqualität spürbar verschlechtert“, sagt Franz Huber, der selbst mit seinem Privathaus in Neumühl rund 200 Meter neben der Umfahrung wohnt.

Am Nachtrand knapp am Schwellenwert

Der ausgebildete Ziviltechniker für Akustik hat auch selbst schon einige Messungen durchgeführt. „Die Stundenwerte am Tag liegen bei rund 54 Dezibel. Damit sind sie unterhalb des Schwellenwertes für Straßenlärm von 60 Dezibel bei Tag. In der Nacht, wo er Schwellenwert bei 50 Dezibel liegt, ist es schon ruhiger, aber vor allem zu den Randzeiten von 22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr früh erreichen wir schon auch Stundenwerte von bis zu 50 Dezibel. Das hängt natürlich auch immer etwas vom Wind ab“, erklärt Huber.

„Aktuell steht kein einziges Geschwindigkeitszeichen entlang der Umfahrung. Leute, die von der Autobahn kommen, glauben, sie sind da schon wieder auf einer Autobahn“ Franz Huber

Da man den Wind nicht beeinflussen kann, würde sich Huber wünschen, dass zumindest die Geschwindigkeit entsprechend eingehalten wird.

„Beim Schall können 20 km/h sehr viel ausmachen. Und aktuell empfinden nach meiner Wahrnehmung viele Auto- oder Motorradfahrer die Umfahrungsstraße als Autobahn. Wenn man da den erlaubten 100er fährt, wird man oft genug überholt. Und auch die Lkws über 3,5 Tonnen halten sich nur selten an die 70 km/h-Beschränkung, die sie hier eigentlich hätten“, sagt Huber und fordert gemeinsam mit seinem damaligen Mitstreiter Hans Wurzer verstärkte Geschwindigkeitskontrollen sowie mehr Verkehrszeichen bei der Umfahrung. „Aktuell steht kein einziges Geschwindigkeitszeichen entlang der Umfahrung. Leute, die von der Autobahn kommen, glauben, sie sind da schon wieder auf einer Autobahn“, sagt Wurzer.

„Die Lärmschutzwände alleine sind – sofern überhaupt vorhanden – eindeutig zu wenig“ Franz Huber

Ideal wäre für Huber und Wurzer eine Section Control für die Umfahrungstrasse. „Das wäre sicher die optimale Variante. Natürlich auch die teuerste, aber bei Projektkosten von sicher weit über 80 Millionen Euro sollte es auf diese rund 500.000 Euro auch nicht mehr ankommen“, betont Wurzer. „Es wäre jetzt eben auch an der Zeit, vom Land etwas für die Verlierer der Umfahrung zu machen. Die Lärmschutzwände alleine sind – sofern überhaupt vorhanden – eindeutig zu wenig“, ergänzt Huber und spielt dabei auch auf den Petzenkirchner Ortsteil Fohra an.

„Für uns ist es ein Wahnsinn. Wir können kein Fenster mehr aufmachen und brauchen auch keinen Wecker mehr.“ Johann Übelbacher

Im Bereich von Fohra hat das Land ostseitig auf rund 600 Meter Lärmschutzwand verzichtet. Im Herbst soll es dort nochmals Lärmmessungen geben, hat das Land den Bewohnern versprochen. Für Johann Übelbacher, Sprecher der Bewohner von Fohra, sollten diese Messungen aber so rasch als möglich stattfinden. „Für uns ist es ein Wahnsinn. Wir können kein Fenster mehr aufmachen und brauchen auch keinen Wecker mehr. Denn ab fünf Uhr ist an Schlaf ohnehin nicht mehr zu denken“, kritisiert Übelbacher und denkt auch an Protestmaßnahmen, sollte nicht bald etwas geschehen. „Wir müssen uns auf die Beine stellen, sonst bleiben wir über“, ist Übelbacher überzeugt.

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