Mostviertel: Betrieb geht bei Firma Queiser trotz Insolvenz weiter

Die Queiser GmbH hat Sanierungsverfahren angemeldet. 22 Mitarbeiter betroffen. Corona-Pandemie brachte Druckerei Umsatzeinbruch von 32 Prozent. Fortführung ist das große Ziel.

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 06:01
Lesezeit: 2 Min
Queiser: Betrieb geht trotz Insolvenz weiter
Die Queiser GmbH mit Produktionsstandort in Scheibbs hat am Dienstag der Vorwoche ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beim Landesgericht St. Pölten angemeldet. Eigentümer Stefan Ramharter will das Unternehmen aber auf alle Fälle fortführen.
 
Foto: Fotos: Queiser, Eplinger

Seit 1876 ist der Name Queiser im Mostviertel unmittelbar mit dem Druckereigeschäft verbunden. In den vergangenen Jahren hat das Familienunternehmen zahlreiche Investitionen getätigt und insgesamt acht Firmen übernommen, darunter auch die Traditions-Druckereien Radinger in Scheibbs (2010) und Lahnsteiner in Wieselburg (2011).

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Doch dann kam Corona und brachte Umsatzeinbußen von rund 32 Prozent. „Wir hatten 2019 noch einen Jahresumsatz von rund 4,3 Millionen Euro. Der brach mit der Covid-19-Pandemie ein. Bei Messebau und den Veranstaltungen gab es einen Totalausfall, beim Schilderdienst für die Gastronomie und dem Werbe- und Druckbereich allgemein einen starken Rückgang“, erklärt Eigentümer und Geschäftsführer Stefan Ramharter.

Queiser: Betrieb geht trotz Insolvenz weiter
Die Queiser GmbH mit Produktionsstandort in Scheibbs hat am Dienstag der Vorwoche ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beim Landesgericht St. Pölten angemeldet. Eigentümer Stefan Ramharter will das Unternehmen aber auf alle Fälle fortführen.
 
Foto: Fotos: Queiser, Eplinger


Schon im Vorjahr versuchte man, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, und tätigte verschiedene Umstrukturierungen und Maßnahmen. So bündelte Queiser im Sommer des Vorjahres die gesamte Produktion in Scheibbs. Amstetten blieb „nur mehr“ Anlaufstelle für Kunden. Das Gebäude in Wieselburg wurde vermietet. Gleichzeitig trennte sich Queiser von zehn Mitarbeitern. „Leider hat das Kurzarbeitsmodell, das wir rund zwei Monate gewählt hatten, für einige in unserem Team keine probate Maßnahme dargestellt“, schildert Ramharter.

„Leider hat das Kurzarbeitsmodell, das wir rund zwei Monate gewählt hatten, für einige in unserem Team keine probate Maßnahme dargestellt“
Stefan Ramharter

Inzwischen haben sich Verbindlichkeiten von 1,66 Millionen Euro angehäuft. Demgegenüber stehen Aktiva von rund 440.000 Euro. „Wir sahen, dass eine Rückführung der Gesamtverbindlichkeiten ohne Sanierung nicht mehr möglich ist. Deshalb haben wir am 30. November ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beim Landesgericht St. Pölten beantragt. Für die 119 betroffenen Gläubiger, von denen allerdings viele nur mit einem sehr geringen Betrag betroffen sind, bieten wir eine Sanierungsplanquote von 30 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans“, erläutert Stefan Ramharter.

Als Insolvenzverwalter bestellte das Landesgericht St. Pölten den Amstettner Rechtsanwalt Martin Brandstetter. Erste Gespräche zwischen Ramharter und Brandstetter seien durchaus positiv verlaufen und lassen Ramharter zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die erste Gläubigerversammlung ist für 21. Dezember anberaumt.

„Wir wollen für unsere Kunden auch zukünftig der kompetente Ansprechpartner für alle Fragen in den Bereichen Druck und Werbetechnik bleiben.“ Stefan Ramharter

Der Betrieb soll aber auf alle Fälle fortgeführt werden. Am angebotenen Leistungsspektrum (Digital- und Offsetdruck sowie Werbetechnik) soll sich nichts ändern. „Wir wollen für unsere Kunden auch zukünftig der kompetente Ansprechpartner für alle Fragen in den Bereichen Druck und Werbetechnik bleiben. Intern und in unseren Arbeitsabläufen werden wir aber entsprechende strukturelle Änderungen vornehmen“, sagt Ramharter.
Der Sanierungsplan beinhaltet auch eine weitere leichte Reduktion des Mitarbeiterstandes. Aktuell sind 22 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.

„Wir rechnen damit, dass unsere Stammmannschaft künftig aus einem Team von rund 19 Mitarbeitern bestehen wird. Mit den Betroffenen ist das auch bereits akkordiert und vereinbart“, führt Ramharter aus.
Keine Auswirkungen soll das Sanierungsverfahren auch auf den Standort Wieselburg haben. „Ein großer Teil des Areals ist bereits vermietet. Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass diese Liegenschaft nicht verkauft wird“, erklärt Stefan Ramharter.