Scheibbs: Bezirkshauptstadt hat keinen Arzt. Einzig verbliebener Allgemeinmediziner in der Bezirkshauptstadt ist aktuell im Urlaub. Eine Situation, die für die umliegenden Ärzte eine zusätzlich Belastung schafft.

Von Claudia Christ. Erstellt am 21. Juli 2021 (06:02)
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Die Ordination von Dr. Egger ist diese Woche nicht besetzt. Noch übernimmt der pensionierte Paul Kupelwieser die Vertretung.
Christ, Christ

Wer diese Woche beim Scheibbser Arzt Martin Egger einen Termin ausmachen möchte, der wird sich mit Musik vom Anrufbeantworter zufriedengeben müssen. Denn seit Montag befindet sich der Mediziner für zwei Wochen in seinem wohlverdienten Urlaub.

„Dass die Bezirkshauptstadt ohne Arzt ist, das gab es noch nie.“ Martin Egger

Bereits am vergangenen Freitagvormittag war der Warteraum in der Praxis heillos überfüllt. Viele Patienten nutzten noch schnell die Gelegenheit, um sich mit Medikamenten einzudecken. Überraschend kam die Nachricht vom bevorstehenden Urlaub des Mediziners für einen NÖN-Leser, der verärgert mitteilte: „Dass die Bezirkshauptstadt ohne Arzt ist, das gab es noch nie.“

„Stimmt nicht ganz“, informiert der Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner auf Nachfragen, „denn freundlicherweise übernimmt der seit Jahreswechsel pensionierte Doktor Paul Kupelwieser die Vertretung von Doktor Egger, jedoch erst ab 26. Juli wie es scheint.“

Mögliche Gespräche für Nachbesetzung

Dass das keine Lösung auf Dauer sein kann, ist auch Aigner bewusst. „Wir sind halt aufgrund der gescheiterten Übergabe der Ordination von Karl Exinger jetzt in einer besonders blöden Situation“, sagt der Bürgermeister, der aktuell wieder Gespräche bezüglich einer möglichen Nachbesetzung führt. „Konkret ist aber noch nichts“, so Aigner.

Zudem ist die freie Stelle eines Allgemeinmediziners nun bereits zehn Mal ausgeschrieben worden. Interessenten gab es bislang aber nicht. „Wir bemühen uns, aber es scheint so, dass Geld der einzige Anreiz ist, um sich als Hausarzt niederzulassen“, sagt Aigner.

„Alle fünf Minuten wird ein Termin vergeben“ Thomas Schwarzenberger

Diese Woche auf jeden Fall sind die Scheibbser Patienten auf die umliegenden Ärzte angewiesen, was sich bereits bei Thomas Schwarzenberger in St. Anton/Jeßnitz am Montagvormittag deutlich zeigte. „Die Patienten stehen weit bis vor die Ordinationstüre. Alle fünf Minuten wird ein Termin vergeben“, klagt die Ordinationsassistentin und Ehefrau, Sylvia Schwarzenberger, „wir sind am Limit und hoffen, dass wir bald wieder einen weiteren Arzt haben, denn lange werden wir so nicht mehr durchhalten können.“