Das Ende einer Trafikanten-Dynastie in Lunz am See

Erstellt am 23. Februar 2022 | 04:42
Lesezeit: 3 Min
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Seit Jahresbeginn ist Monika Riedl die neue Trafikantin in Lunz am See. Vorgänger Willi Dinstl: „Mit ihr habe ich die perfekte Nachfolgerin gefunden.“
Foto: Claudia Christ
Willi Dinstl geht nach 38 Jahren als Trafikant in Lunz am See in Pension. Nachfolgerin Monika Riedl führt das Geschäft weiter.
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Willi Dinstl und Lunz am See, das gehört einfach zusammen. 38 Jahre lang betrieb der gelernte Kaufmann die Trafik im Ort. Seit Anfang des Jahres ist aber Schluss. Der 67-jährige geht in Pension. Das Ende einer Ära und eine neue Weichenstellung für das Geschäft. Denn 137 Jahre war die Trafik im Familienbesitz.

Der Schwiegervater seines Großvaters hat die Trafik im Mai 1884 erhalten. Willi Dinstl selbst hat das Geschäft 1983 von seinem Vater übernommen. Bis 2006 betrieb er auch den angrenzenden Lebensmittelhandel. „Ich bin schon als kleiner Bub immer am Sonntag nach der Kirche im Geschäft gestanden und hab dem Großvater geholfen, die Zigaretten abzupacken und zu verkaufen“, erinnert er sich. Besonders das Warenangebot habe sich im Laufe der Jahre durch den Verkauf der Telefonwertkarten und die Einführung von Lotto sehr verändert. Zudem sei das Tabakwarengeschäft rückläufiger. Wichtig war Dinstl immer der persönliche Kontakt zu seinen Kunden. „Deshalb bin ich sehr froh darüber, mit Monika Riedl eine tolle Nachfolgerin gefunden zu haben. Sie wohnt seit zehn Jahren hier im Ort und kennt die Leute.“ Und das ist wichtig, denn das Geschäft, das unmittelbar an den Unimarkt angrenzt, ist ein Ort der Begegnung.

Besondere Kunden

Begegnet sind Dinstl in seiner beruflichen Karriere in seinem Geschäft auch ein sechsstelliger Solo-Joker-Gewinner sowie ein vierrädriger Sondergewinn eines Urlauber-Stammgastes, der mit 50 Quittungen in sein Geschäft kam und mit einem Jeep nach Hause ging. „Wir haben natürlich gleich im Geschäft mit Sekt auf den Gewinn angestoßen und noch Jahre später kam der Gewinner immer mit seinem gewonnenen Auto zu uns nach Lunz auf Urlaub“, erinnert sich der Neo-Pensionist, der selbst dem Motorsport verfallen ist.

Denn wenn ihn irgendetwas von seiner Berufswahl Kaufmann abhalten hätte können, dann nur die brummenden Motoren. Der langjährige Organisator der Ennstal-Classic war von 2007 bis 2015 Pressesprecher beim Rennteam von Richard Lietz und hat in dieser Zeit die ganze Welt bereist. „Leider hab ich da immer nur die Rennstrecken gesehen, und nichts von den Ländern selbst mitbekommen“, sagt Dinstl.

Das soll sich jetzt in Ruhestand aber ändern. Reiseziele hat der Vater zweier erwachsener Töchter schon viele auf seiner Liste. „Demnächst geht es mit meiner Frau für längere Zeit nach Andalusien und im nächsten Jahr möchte ich unbedingt nach Japan reisen. Das Land fasziniert mich einfach.“ Langeweile kennt der Tausendsassa also nicht. Die tägliche Fitnessstunde am Vormittag, viele Pläne und sein Engagement für Lunz halten ihn weiter auf Trab. So wird er heuer erstmalig als Beifahrer bei der Ennstal-Classic dabei sein. „Organisieren brauche ich heuer nichts, denn die Challenge wird heuer erstmals nach acht Jahren nicht zum Boxenstopp in Lunz am See halten. Deshalb habe ich die Einladung von Doktor Günther Alth angenommen, ihn bei der Rallye zu begleiten.“

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