Herbert Zebenholzer: „Krise trifft einfach alle“. Herbert Zebenholzer über den Stillstand und die Chancen nach der Krise.

Von Claudia Christ. Erstellt am 12. April 2020 (03:56)
Seit März des Vorjahres ist Herbert Zebenholzer Geschäftsführer der Tourismuskooperation Ybbstaler Alpen. „Nach der Krise werden wir gefragter sein denn je“, ist er überzeugt.
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Das Coronavirus brachte innerhalb von wenigen Tagen auch den Tourismus in den acht Gemeinden der Ybbstaler Alpen zum Erliegen. Die NÖN sprach mit dem Geschäftsführer des Vereines Ybbstaler Alpen über die Auswirkungen und die Zukunftsperspektiven.

NÖN: Wie schwer trifft die Krise die Tourismusbetriebe in der Region Ybbstaler Alpen. Gibt es Betriebe bzw. Branchen, die stärker betroffen sind als andere?

Herbert Zebenholzer: Es trifft durch die Bank alle, da von einem zum anderen Tag alles still stand. Einige Tage wurde zusammengeräumt, dann der Urlaub und Zeitausgleich aufgebraucht. Teilweise Kurzarbeit eingeführt. Die Saisonarbeiter wurden früher als vorgesehen nach Hause geschickt. Wie hoch der Schaden sein wird, kann auch noch nicht beziffert werden. Welche Folgen daraus noch entstehen, werden wir sehen.

Wie zufrieden sind Sie generell mit der heurigen Wintersaison bis zum Lockdown am 15. März?

Zebenholzer: Da der Schnee lange auf sich warten ließ, teilweise nur eingeschränkt Liftbetrieb möglich war, war der Beginn nicht berauschend. Danach hatten wir einige gute Wochen und Wochenenden. In den Gemeinden der Ybbstaler Alpen hatten wir bis Ende Februar ein Nächtigungsplus von rund vier Prozent. Vom Snowboard Weltcup, der gleich zweimal abgesagt werden musste, das FIS Rennen in Lackenhof, zuletzt die Polizei ÖM und dann die Masters WM waren die großen Veranstaltungen, die auch viele Nächtigungen in die Region gebracht hätten und Wertschöpfung. Aber auch viele kleinere Orts- und Vereinsmeisterschaften, Langlaufevents und die Ötscher-Attack wurden abgesagt. Zum Schluss mussten auch alle Veranstaltungen am Hochkar abgesagt werden. Hier wäre ein Skibetrieb, teilweise Frühjahrsskilauf, bei top Bedingungen bis Ostern möglich gewesen.

Wie verlief die heurige Saison am Königsberg?

Zebenholzer: Die Saison fing für uns erst Mitte Jänner an und endete bereits im Februar. So eine schwierige Situation hatten wir seit der Übernahme 2012 noch nicht. Insgesamt kamen an den 24 Betriebstagen rund 4.500 Liftgäste, bei nur zwei Liften. Am Wochenende nach der Sperre der Coronakrise hätten wir den Bike-Betrieb gestartet. Der Lift war bereits umgebaut und serviciert. Strecken wären ebenfalls fertig geworden. Das Wetter hätte gepasst, frühlingshafte Temperaturen und die Nachfrage war davor sehr groß.

Was bedeutet die Coronakrise für den Betrieb des Bikepark Königsberg? Steht alles still?

Zebenholzer: Derzeit steht alles still. Mit April hätten wir die ersten Schulkinder am Königsberg. Auch diese haben bereits storniert. Im Mai hätten wir die Downhill Staatsmeisterschaften und die Austrian Gravity Series, auch die wird voraussichtlich abgesagt. Die Entscheidung fällt nächste Woche.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen haben die schlechte Skisaison und jetzt die Coronakrise für sie als Geschäftsführer der Königsberg Lifte GmbH?

Zebenholzer: Der schlechte Winter trifft uns hart. Es wird bereits an Lösungen gearbeitet, damit es weiter einen Betrieb im Winter und Sommer geben wird. Nächsten Winter gibt es uns bereits 50 Jahre und voraussichtlich noch einige weitere Jahre. Der Königsberg ist ein kleiner regionaler Wirtschaftsmotor, würde dieser wegbrechen, hätte das große Auswirkungen.

Stichwort Stornos: Wie wurde auf Gäste-Stornierungen bei den Beherbergungsbetrieben reagiert?

Zebenholzer: Wir, die Ybbstaler Alpen, und Tourismus Mostviertel haben versucht, schnell zu zuverlässigen Informationen und Empfehlungen zu kommen, diese wurden an alle unsere Mitglieder gesendet. Es gab auch viele Telefonate. Auf der Homepage haben wir einen Button Corona installiert mit Verlinkungen zu allen Themen, Institutionen und Unterlagen. Die Betriebe haben unterschiedlich, je nach Situation gehandelt, teilweise in Abstimmung mit uns. Es wurde sehr kulant gehandelt. Viele Besucher haben uns bereits zugesichert, wieder zu kommen.

Bekanntlich ist das Frühjahr die Zeit für Wanderer, Radler und Ausflügler. Viele zieht es da üblicherweise ins Mendlingtal, an den Lunzer See oder mit dem Rad entlang des Ybbstaler Radweges. Wie sind Ihre Erwartungen für die bevorstehende Saison?

Zebenholzer: Derzeit sieht man nur vereinzelt Personen, die unterwegs sind. Die Ausflugsziele sind gesperrt. Sollten die Maßnahmen gelockert oder aufgehoben werden, haben wir sicher großes Potenzial. Die Leute wollen wieder raus in die Natur und wir können alles bieten. Die meisten Besucher hatten wir auch davor aus Wien, Niederösterreich und Oberösterreich, daraus resultieren auch viele Nächtigungen.

Gibt es Tourismusbetriebe in der Region, die mit Erfindergeist bzw. kreativen Ideen auf die Krise reagieren?

Zebenholzer: Einige Gastbetriebe bieten einen Lieferservice an, das sehr gut angenommen wird. Diese Betriebe findet man bei uns auf der Ybbstaler-Alpen Homepage. Viele landwirtschaftliche Betriebe bieten zudem ihre Lebensmittel für die Einheimischen an und nicht nur für die Gäste.

Wie wird es danach mit dem Tourismus in den Ybbstaler Alpen weitergehen?

Zebenholzer: Wie schon gesagt, können wir von der Kultur, Natur, dem Wasser, den Almen und Bergen viel bieten, sind schnell erreichbar und haben eine Stadt und viele schöne Orte. Die 56 Ausflugsziele in der Region werden auf die Tages- und Nächtigungsgäste gut vorbereitet sein. Auch die Betriebe werden schnell wieder starten können. Viele werden nicht ins Ausland fahren, sondern unsere Region besuchen. Die Ybbstaler-Alpen und das Mostviertel werden gefragter sein denn je.