Scheibbser beschäftigt das Miteinander auf der Straße. Wohnstraße, Fußgängerzone, verkehrsberuhigte Zone – die Liste der Wünsche ist derzeit mannigfach.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 21. April 2021 (04:37)
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Verkehrskonzepte hat die Bezirkshauptstadt schon einige in der Schublade. Das „neueste“ hat aber auch schon wieder fast zehn Jahre am Buckel. Weshalb der Ruf nach einem neuen „Gesamtverkehrskonzept für die Stadt“ immer lauter wird.

Vor allem die Bürgerliste Umwelt und Gemeinwohl Scheibbs (BUGS) fordert bei jeder Gelegenheit ein „zeitgemäßes Verkehrskonzept mit Blick auf das Ganze und ins Detail“, wie es Listensprecher Joseph Hofmarcher formuliert und sich auf den Social Media Kanälen dafür stark macht.

Dort sind mittlerweile auch Diskussionen rund um eine mögliche Fußgängerzone in der Innenstadt, eine 20- oder 30-km/h-Beschränkung für die Stadt oder der Wunsch nach Wohnstraßen entfacht. So macht sich etwa Doktor Karl Exinger für eine Wohnstraße im Siedlungsgebiet Im Burgfried stark. „Hier hat es einen starken Generationswechsel gegeben. Es sind viele junge Familien mit Kinder zu uns in die Siedlung gezogen. Da wäre eine Wohnstraße auf alle Fälle eine Überlegung wert“, sagt Exinger.

„Großteil hält sich an Beschränkungen“

Bürgermeister Franz Aigner (ÖVP) gibt sich aber bei all diesen Diskussionen und Überlegungen noch zurückhaltend. Denn man hätte grundsätzlich schon in vielen Siedlungsgebieten oder vor neuralgischen Punkten 30er-Zonen eingeführt. Auch gäbe es keinen einzigen Unfallhäufungspunkt in Siedlungsstraßen.

„Wir haben schon zahlreiche 30er-Zonen bei uns im Stadtgebiet, wo wir auch regelmäßig unsere Geschwindigkeitsmessanlagen aufstellen. Zuletzt etwa sechs Wochen in der Feldgasse. Bei dieser Auswertung von registrierten 12.375 Fahrzeugen zeigt sich, dass sich fast 65 Prozent der Autolenker an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten und sogar 85 Prozent unter 40 km/h liegen. Natürlich gibt es auch rund ein Prozent schwarze Schafe. Und eine gemessene Höchstgeschwindigkeit in der Feldgasse von 75 km/h ist gemeingefährlich. Nur leider halten oft die Siedlungsbewohner selbst sich nicht an das Tempolimit. Auch das zeigen die Erhebungen“, weiß Aigner.

Über Wohnstraßen zu diskutieren sei für Aigner nur dann sinnvoll, wenn die dortigen Anrainer geschlossen mit diesem Wunsch zur Gemeinde kommen. „Wohnstraße bedeutet Schritttempo und bauliche Maßnahmen. Dessen sind sich viele nicht bewusst. Wir hatten schon Wohnstraßen, die wir dann wieder zurückbauen mussten, weil die Bewohner es doch lieber anders wollten“, sagt Aigner. Er kann sich aber vorstellen, dass das Thema Verkehr im Stadtentwicklungskonzept ein eigener Bereich sein wird.

Verkehr mitdenken und verschiedene Klassen

Das erhofft sich auch SPÖ-Stadtrat Johann Huber. Er ist der Meinung, dass dabei sowohl die Flächenwidmung als auch die Verkehrserschließung mancher Flächen genau unter die Lupe genommen werden müssten. „Es macht Sinn, wenn man sich entsprechende Maßnahmen gleich mitüberlegt und nicht erst im Nachhinein. Der Scheibbsbachweg wäre für solche Überlegungen jetzt prädestiniert. Generell ist unsere Forderung eine verkehrsberuhigte 20er-Zone im Innenstadtgebiet – ähnlich wie in Purgstall, wo Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt sind“, sagt Huber.

Auf keinen Fall auf die lange Bank schieben will BUGS-Stadtrat Joseph Hofmarcher das Thema. „Es liegt in der Verantwortung der Stadt selbst, sich für eine zeitgemäße und zukunftsweisende Verkehrsorganisation zu engagieren“, sagt Hofmarcher und plädiert für verschiedene „Beruhigungsklassen“ im Gemeindegebiet: Von der 20 km/h-Begegnungszone im Innenstadtbereich mit Vorrang für Fußgänger, über Begegnungszonen mit 20 und 30 km/h in Siedlungsstraßen (Burgfried, Feldgasse, Burgerhof), über Ortsgebiete mit 30 km/h-Begrenzung (Gürtel, Erlafpromenade, Karl-Höfinger-Promenade) bis hin zu „Verbindungsstraßen“ wie etwa der Eisenwurzenstraße oder der B29, wo dann auch weiterhin die 50 km/h erlaubt sind.

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