Wieselburg will Verkehr „abladen“. Wieselburg will ein Fahrverbot für Schwerverkehr in der Grestner Straße. Wolfpassing und Purgstall negieren.

Von Karin Katona, Anna Faltner und Claudia Christ. Erstellt am 28. Juli 2021 (06:01)
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Viel befahrene Kreuzung B25/Grestner Straße in Wieselburg ist das Nadelöhr ins Kleine Erlauftal.
Christ, Christ

Seit sieben Wochen ist die Umfahrung Wieselburg nun eröffnet. Sie bringt eine wesentliche Entlastung des Schwerverkehres durch Wieselburg. „Das ist seit der Eröffnung wirklich deutlich spürbar. Die Menschen kommen wieder gerne in unsere Stadt, um einzukaufen“, freut sich Wieselburgs Bürgermeister Josef Leitner (SPÖ). Einziger Wermutstropfen für das Stadtoberhaupt und seinen Kollegen Bürgermeister Karl Gerstl (ÖVP) in Wieselburg-Land ist nun der stetig zunehmende Schwerverkehr in der Grestner Straße.

Eine Verkehrszählung im Oktober des Vorjahres hat ergeben, dass sich von Montag bis Freitag durchschnittlich 5.647 Fahrzeuge und 430 LKW pro Tag durch die Verbindungsstraße in das Erlauftal wälzen. Und das, obwohl sich das Land während der Messungen im Lockdown befand.

„Es kann nicht sein, dass wir den Verkehr haben und die Wolfpassinger das große Geld machen.“ Karl Gerstl, ÖVP-Bürgermeister Wieselburg-Land

„Das ist viel zu viel“, meinen die beiden Bürgermeister „und auch den rund 500 Bürgern, die entlang der Straße leben, nicht mehr zumutbar.“ Bereits seit Jahren gebe es laut Leitner diesbezüglich Bemühungen mit den angrenzenden Gemeinden im Kleinen Erlauftal, eine Lösung zu finden. Bisher jedoch vergeblich.

„Die Problematik liegt neben dem hohen Verkehrsaufkommen auch im zu geringen Straßenquerschnitt von rund sieben Metern in der Grestner Straße und nur neun Metern auf der Kreuzung im Stadtgebiet“ Josef Leitner, Bürgermeister Wieselburg (SPÖ)

„Die Problematik liegt neben dem hohen Verkehrsaufkommen auch im zu geringen Straßenquerschnitt von rund sieben Metern in der Grestner Straße und nur neun Metern auf der Kreuzung im Stadtgebiet“, erklärt Leitner, der sich als Ausweichrouten zum einen die Strecke über Purgstall oder über die über die Autobahn Amstetten-Ost vorstellen kann. „Die Kreuzung in Purgstall hat 13,40 Meter Straßenquerschnitt“, betont er, „da ist ein Durchkommen mit einem Lkw um ein Vielfaches leichter.“

Auch für Karl Gerstl ist die Situation eindeutig: „Als die Umfahrung vor Jahren geplant wurde, da war noch keine Rede von einem Wirtschaftspark in Wolfpassing. Es kann nicht sein, dass wir den Verkehr haben und die Wolfpassinger das große Geld machen“, ärgert er sich. Denn durch die ständige Vergrößerung des Parks werde der Anlieferverkehr durch die Grestner Straße immer mehr. Dazu kämen auch noch die vielen tschechischen Holztransporte. „Die sind nämlich in den letzten Jahren um 40 Prozent gestiegen“, weiß Gerstl.

„Uns ist deshalb wichtig, dass wir für beide Seiten eine adäquate Lösung finden können“ Josef Leitner

Dass die beiden Bürgermeister mit ihren Vorstellungen bei den umliegenden Gemeinden keine Luftsprünge verursachen, ist beiden klar. „Uns ist deshalb wichtig, dass wir für beide Seiten eine adäquate Lösung finden können“, meint Leitner.

Wie diese aussehen könnte, das soll bereits ab August durch Gespräche mit den Bürgermeistern in Wolfpassing und Purg stall ausgelotet werden.

Auch die Verlagerung des Schwerverkehres auf die Schienen kann sich das Bürgermeister-Duo gut vorstellen. „Der Wolfpassinger Wirtschaftspark liegt gänzlich an der Bahntrasse, das sollte man unbedingt nutzen.“

Fakt ist, dass sowohl Gerstl als auch Leitner die Zeit bis zur nächsten Verkehrszählung des Landes NÖ, diese wird im Herbst erfolgen, nicht einfach so verstreichen lassen wollen, „denn das Ergebnis wird für uns wenig überraschend sein, weniger ist der Verkehr in diesem Bereich sicherlich nicht geworden.“

„Das ist für mich jetzt quasi ein Vertragsbruch.“ Friedrich Salzer, Wolfpassinger Bürgermeister (ÖVP)

Dieses „Vorpreschen“ der beiden Wieselburger Bürgermeister findet der Wolfpassinger Ortschef Friedrich Salzer (ÖVP) nicht sehr kollegial. Immerhin liegt auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung aus dem Jahr 2010 vor, die alle beteiligten Gemeinden (und die damaligen Bürgermeister) unterschrieben haben.

„Das ist für mich jetzt quasi ein Vertragsbruch. Damals gab es eine Verkehrsprognose, die ziemlich genau eingetroffen ist. Unseren Wirtschaftspark und die Firma Mosser gab es bereits. All das haben die Gemeinden gewusst, als sie unterzeichnet haben“, betont Salzer. Dabei haben sich die Gemeinden auch auf die OST-Variante geeinigt, bei welcher der gesamte Verkehr ins Kleine Erlauftal über den Wieselburger Hauptplatz führt.

„Das ist für mich jetzt verwunderlich, dass das plötzlich nicht mehr passt. Für uns kommt das überhaupt nicht in Frage. Ich kann nicht den gesamten Verkehr über Zarnsdorf führen. Dieser Option hätten wir auch damals nie zugestimmt“, sagt der Wolfpassinger Ortschef entschieden.

„In Wieselburg-Stadt will man immer nur das Maximum für sich selbst rausholen, ohne Rücksicht auf rundherum.“ Friedrich Salzer

Hinzu kommt: Noch vor der Umfahrung gab es eine Verkehrszählung, bei der sich herausstellte, dass in der Grestner Straße absolut kein Handlungsbedarf besteht. Erst vor einem Monat habe man sich bei einem Gespräch mit Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko und der Straßenbaudirektion geeinigt, diesen Herbst wieder eine Verkehrszählung durchzuführen. „In Wieselburg-Stadt will man immer nur das Maximum für sich selbst rausholen, ohne Rücksicht auf rundherum. Das finde ich schlimm.“

Der Purgstaller Bürgermeister Harald Riemer (ÖVP) drückt es ähnlich aus: „Eine Kompromisslösung gibt es für uns in diesem Fall nicht. Die Lkw werden sicher nicht über unsere Kreuzung fahren. Laut Verkehrssachverständigen-Gutachten ist der Verkehr dort ohnehin dicht an der Belastungsgrenze.“

Was Riemer besonders ärgert, ist der Alleingang der Wieselburger. „Statt sich mit den Beteiligten zusammenzusetzen, richtet man ihnen durch die Medien aus, was man zu tun gedenkt. Über diese Vorgehensweise haben wir schon im vorigen Jahr bei einem gemeinsamen Treffen mit Bezirkshauptmann Johann Seper diskutiert. Und jetzt fängt es wieder so an. Das lassen wir uns nicht gefallen.“

Entschlossen zeigt sich auch Josef Leitner: „Als erste Schritte werden wir uns für ein Nachtfahrverbot und eine Radarmessung in der Grestner Straße stark machen.“

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