NÖN-Sprechstunde mit der Landeshauptfrau im Newsroom Mostviertel

Erstellt am 06. Dezember 2022 | 09:41
Lesezeit: 4 Min
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger diskutierten im Newsroom Mostviertel mit NÖN-Lesern über hohe Energiekosten, Förderungen und Bodenversiegelung.
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„Corona war nur die Vorstufe. Was jetzt mit Energie, Heizung und Treibstoff auf uns zukommt, wird heavy. Allein die Stromkosten für mein Haus steigen monatlich von 2.500 Euro auf 10.000 Euro“, erzählte Hermann Wurzenberger vom Ramsauhof in Purgstall der Landeshauptfrau von den Sorgen der Gastronomie. Mikl-Leitner versichert, dass ein Strom- und Gaspreisdeckel kommen wird. „Ich habe da auch schon mit Wirtschaftsminister Kocher verhandelt. Für mich ist klar, dass es noch vor Weihnachten ein klares Signal geben muss, damit die Gastronomie, die Touristiker, die Lebensmittelhändler, aber auch die Industrie, Planbarkeit haben“, betonte die Landeshauptfrau.

Hermann Wagner aus Waidhofen an der Ybbs forderte Mikl-Leitner auf, sich für Tempo 100 auf Autobahnen einzusetzen, weil damit viel Energie einzusparen sei. Er macht sich außerdem Sorgen um die Bodenversiegelung, die laut Daten des Umweltbundesamtes für NÖ „nicht gut ausschaut.“ Mikl-Leitner betonte, dass das Land da andere Zahlen habe, und dass man den Flächenverbrauch in den letzten fünf Jahren von einem Hektar auf 0,5 Hektar pro Tag reduziert habe. „Wir haben dazu auch ein strenges Raumordnungsprogramm gemacht. Und wir starten eine Initiative zum Thema Entsiegelung von ungenützten Flächen. Dafür gibt es auch eine Förderung“, berichtete die Landeshauptfrau und versicherte, dieses Thema sehr ernst zu nehmen.

Franz Baumgartner aus Berging kritisierte, dass trotz der derzeitigen Energiekrise noch Unternehmen Anlagen errichten würden, die mit Gas betrieben werden müssten. „Den Kleinen sagt man, sie sollen auf Hackschnitzel oder Pellets umsteigen, für die Großen gilt das offenbar nicht“, kritisierte er. Für Baumgartner ist es auch unverständlich, warum überhaupt noch große Autos mit hohem Spritverbrauch produziert werden.

Bau von PV-Anlagen für Firmen erleichtert

„Darauf hat das Land NÖ natürlich keinen Einfluss. Da kann man nur an die Leute appellieren, keine so großen Autos mehr zu kaufen“, sagte die Landeshauptfrau. In Sachen Gas sei jedes Unternehmen gut beraten, in erneuerbare Energie zu investieren. Das Land leiste dazu seinen Beitrag. „Wir haben gerade erst beschlossen, 40 Unternehmen, die sonst abwandern würden, die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf ihrem Areal zu erleichtern.“

Roswitha Schönbichler aus Ybbs hat eine „Naturfee“ kreiert, mit der sie Kinder zum Beispiel durch Müllsammelaktionen spielerisch darauf hinweisen will, wie wichtig der Erhalt der Natur ist. „Ich komme aus der Baubranche und weiß, dass auch die Wirtschaft leben muss. Aber wir müssen den Spagat schaffen“, sagte sie. Als ärgerlich empfindet sie die Plastikflut in Kaufhäusern.

Mikl-Leitner versicherte, dass das Land die Bewusstseinsbildung der Kinder ernst nehme, und erinnerte an entsprechende Aktionen in Schulen und Kindergärten. Beim Thema Plastik wies sie auf das Pfand hin, das 2025 für solche Gebinde bundesweit eingeführt wird.

Markus Felber aus Opponitz , Geschäftsführer der Ybbsitzer Firma Fuchsmetalltechnik, die in Opponitz gerade einen Standort errichtet, ist es ein Anliegen, kleinen Abgangsgemeinden neue Perspektiven zu geben und dadurch auch Bevölkerungszuzug zu fördern. Mikl-Leitner erklärte, dass das Land finanzschwachen Gemeinden durch Bedarfszuweisungen und interkommunalen Finanzausgleich unter die Arme greife. Für Anregungen sei sie aber offen: „Kommen Sie mit einer super Idee und einem Konzept und wir reden darüber“, lud sie Felber ein.

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