Erstellt am 29. Dezember 2014, 12:26

von Hermann Knapp

Volksbanken-Fusion schreitet voran. Im April nächster Schritt, Ötscherland folgt 2016.

Die neue Regionaldirektion der Volksbank könnte künftig ihren Sitz im Gebäude am Hauptplatz haben. Die Bankstelle in der Kruppstraße bleibt aber auf jeden Fall erhalten. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp
Die Pläne zur Neustrukturierung der Volksbanken sind wieder ein Stück weiter gediehen. Bereits bis April 2015 soll in Niederösterreich der erste große Fusionsschub erfolgen. Geplant ist die Zusammenlegung der Volksbanken Alpenvorland, St. Pölten-Krems-Zwettl und Donau Weinland (Stockerau).

Auch Finanzmarktverwaltung muss noch zustimmen

Im Herbst sollen dann in einem zweiten Schritt die Volksbanken Tullnerfeld und Oberes Waldviertel (Heidenreichstein) sowie die Waldviertelvolksbank Horn und voraussichtlich die kleine Volksbank Fels am Wagram dazukommen. 2016 ist schließlich noch die Erweiterung um die Volksbanken Ötscherland und Enns-St. Valentin geplant.

Im Endausbau wird die neue große Volksbank eine Bilanzsumme von 3,3 Milliarden und 80 Geschäftsstellen haben.

Doch über all dem steht derzeit noch ein Fragezeichen – schließlich müssen dem Deal neben Brüssel und dem Finanzministerium (von denen es grundsätzlich schon grünes Licht gibt) auch noch die Bankenaufsicht und die Finanzmarktverwaltung zustimmen. Außerdem müssen noch die Gremien der einzelnen Volksbanken entsprechende Beschlüsse fassen.

Verwaltungstechnischer Grund für die Eile

Allein mit dem ersten Fusionsschub, der bis April über die Bühne gehen soll, haben sich die Volksbanken ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. „Der Zeitplan ist ein sehr enger, denn es müssen zuvor ja die Jahresbilanzen abgesegnet werden und es müssen bei allen beteiligten Instituten die Genossenschaftsbeschlüsse eingeholt werden“, sagt der Direktor der Volksbank Alpenvorland, Adolf Hammerl.

Der Grund für die Eile ist letztlich ein verwaltungstechnischer. Denn das Rechenzentrum, das ja auch andere Großkunden betreut, hat für die Abwicklung solch großer Fusionen nur einige wenige Zeitfenster im Jahr zur Verfügung – und das nächste ist eben im April.

Sitz der neuen, großen Volksbank, deren Name vermutlich Regionalbank Volksbank Niederösterreich West lauten wird, wird in St. Pölten sein. Hammerl tritt aber Gerüchten von einer Schließung des Hauses in der Kruppstraße in Amstetten entschieden entgegen.

„Es wird in jedem Gebiet eine Regionaldirektion geben, natürlich auch in Amstetten. Noch nicht ganz klar ist, wie viele Leute künftig hier arbeiten werden und daher auch nicht, wie viel Platzbedarf wir haben“, erklärt der Direktor. Es sei auch möglich, dass die neue Direktion über der Volksbank am Hauptplatz angesiedelt werde, wo man zwei Stockwerke zur Verfügung habe.

Bankstelle in der Kruppstraße wird bleiben

„Die Bankstelle in der Krupp straße bleibt auf jeden Fall erhalten. Jener Teil, der jetzt für die Direktion genützt wird, könnte dann vermietet werden“, erklärt Hammerl.

Eine sehr wichtige Botschaft kurz vor Weihnachten: Niemand aus der Belegschaft der Volksbank muss um seinen Job fürchten. „Alle Mitarbeiter werden übernommen, manche werden aber vielleicht nach St. Pölten pendeln müssen, wobei für etliche damit auch eine berufliche Aufstiegschance verbunden sein wird“, sagt der Direktor.

Langfristig ist natürlich auch eine Personaleinsparung vorgesehen, doch diese soll sich durch natürliche Abgänge ergeben.

Steyr-Enns: „Dort bisher für Großkunden zu klein“

Die Zentralisierung soll immer dort haltmachen, wo sie direkte Auswirkungen auf die Kunden und Genossenschaftsmitglieder der Bank hätte. „Sie sollen davon gar nichts spüren. Und Bereiche wie die Innenrevision, wo es natürlich eine Konzentration geben wird, haben für sie ja keine Bedeutung“, betont Hammerl.

Mit dem für 2016 geplanten Zusammenschluss mit der Volksbank Enns-St. Valentin will das Großinstitut auch den Großraum Steyr-Enns verstärkt ins Visier nehmen. „Bisher sind wir dort einfach für Großkunden zu klein. Das wird sich dann ändern“, sagt Hammerl. Es ist geplant, auch in diesem Bereich eine Regionaldirektion anzusiedeln – ob in St. Valentin oder eventuell in Steyr ist aber noch offen.

Die Genossenschaftsstruktur der einzelnen Volksbanken bleibt natürlich erhalten. „Im Kern geht es bei der Fusion darum, allen bisherigen Kunden künftig das gleiche Service anbieten zu können wie bisher und für Großkunden interessanter zu werden“, sagt Hammerl. „Regionalität wird aber auch künftig bei den Volksbanken Trumpf sein“, sagt Hammerl.


Fusionspläne:

Die Volksbanken planen österreichweit eine Konzentration auf acht Großbanken.

  • Zur Regionalbank Volksbank Niederösterreich West (Sitz: St. Pölten) sollen folgende Volksbanken zusammengeschlossen werden: Volksbank Niederösterreich St. Pölten-Krems-Zwettl Aktiengesellschaft (aufnehmende Bank), Volksbank Fels am Wagram e.Gen., Volksbank Alpenvorland e.Gen., Volksbank Donau-Weinland registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, Volksbank Ötscherland eG, Volksbank Tullnerfeld eG, Waldviertler Volksbank Horn registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, Volksbank Enns - St. Valentin eG und die Volksbank Oberes Waldviertel registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung

  • Zur Regionalbank Volksbank Wien (Sitz: Wien) sollen folgende Volksbanken zusammengeschlossen werden: Volksbank Wien-Baden AG (aufnehmende Bank), Gärtnerbank (bereits in die Volksbank Wien-Baden AG fusioniert), Volksbank Niederösterreich Süd eG, Volksbank Ost registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, Volksbank Weinviertel e.Gen., Volksbank Marchfeld e.Gen., Volksbank Obersdorf - Wolkersdorf - Deutsch-Wagram e.Gen. und die Volksbank Südburgenland eG