Florianis aus dem Bezirk Scheibbs in Nordmazedonien. Zehn Feuerwehrmitglieder aus dem Bezirk Scheibbs waren in Nordmazedonien im Einsatz.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 17. August 2021 (18:17)

Brennende Wälder in Nordmazedonien. Mittendrin Feuerwehrleute aus Niederösterreich und dem Bezirk Scheibbs. Doch auch in den heimischen Wäldern steigt infolge der Klimakrise die Waldbrandgefahr deutlich. Im Vorjahr gründete der NÖ Landesfeuerwehrrat daher auch den Sonderdienst Waldbrandbekämpfung.

Kommandant dieser Spezialeinheit ist der 61-jährige Scheibbser Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Spendlhofer aus Gaming. Er war auch einer der ersten, der mit 40 Mann dieser Sondereinheit und zahlreichen Gerätschaften von Tulln aus noch Nordmazedonien ausgerückt war. Insgesamt eine Woche stand er in der Region um Pehcevo, wo der Brand rund 3.000 Hektar Wald vernichtet hatte, im Einsatz. „Ich war schon bei vielen Brandeinsätzen dabei.

Aber dieser Einsatz in rund 1.000 bis 1.400 Metern Seehöhe und bei Temperaturen um die 35 bis 38 Grad ging auch an die körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen. Wenn dieser Feuerwall auf einen zukommt, hat man ein mulmiges Gefühl. Zuerst hörst du das Feuer, dann kommen Asche und Hitze und am Schluss das Feuer selbst“, schildert Franz Spendlhofer, der einmal mit seiner Gruppe in letzter Minute noch ausgeflogen werden musste, ehe das Feuer sie eingekreist hätte. Ansonsten hätte der Aufbau der Riegelstellungen aber immer sehr gut funktioniert. Dadurch konnte man mehrere Dörfer schützen.

Ähnliches schildert auch der 27-jährige Göstlinger Rene Prosini, Gruppenkommandant der Bezirkseinheit Waldbrandbekämpfung, der ebenfalls in Nordmazedonien im Einsatz war. „Es ist schon sehr bedrohlich, wenn der Feuerwall auf einen zukommt und du mit dem Schlauch in der Hand auf das Feuer wartest. Da hoffst du nur, dass das Wasser nicht ausgeht, weil das gibt dir in solch einer Situation schon ein wenig Sicherheit“, erzählt Prosini.

Insgesamt war der – letztlich auch von Erfolg gekrönte – Auslandseinsatz sowohl für Spendl hofer als auch Prosini sehr lehrreich, auch wenn man die Infrastruktur der beiden Länder nicht vergleichen kann. „Wir hatten in Mazedonien nur ganz selten Hubschrauberunterstützung und der Ausbau der Forststraßen lässt sich mit dem Wegenetz bei uns auch nicht vergleichen. Aber insgesamt hat die Zusammenarbeit sowohl mit den einheimischen Einsatzkräften als auch mit den slowenischen und bulgarischen Feuerwehreinheiten sehr gut geklappt. Und wir haben als niederösterreichisches Feuerwehrwesen eine sehr gute Visitenkarte abgegeben“, sagt Spendlhofer.

Erfahrungen zu Hause umsetzen

Nun geht es darum, die Erfahrungen im Fall des Falles auch zu Hause umzusetzen. Die NÖ Sonderdiensteinheit Waldbrandbekämpfung, die insgesamt rund 300 Feuerwehrleute umfasst, wird bei großflächigen Bränden die örtlichen Einsatzkräfte unterstützen. Insgesamt stehen der Einheit 21 Fahrzeuge (HLF2, Pick ups und Quads) zur Verfügung, die an verschiedenen Standorten stationiert sind. Im Bezirk eben in Göstling. Zudem gibt es Container mit Gerätschaften in Gaming und Scheibbs.

Schon am 28. August gibt es in Lackenhof eine große Waldbrandeinsatzübung, bei der auch drei Hubschrauber sowie der Katastrophenhilfsdienst mitwirken werden.

Risikogebiete definieren, statt allgemeiner Verordnung

Aber für Franz Spendlhofer gehört auch das Waldbrandverordnungs-System überarbeitet. „Derzeit wird praktisch alljährlich irgendwann im Juni oder Juli die Waldbrandverordnung erlassen und gilt meist bis September oder Oktober. Nur damit sensibilisiert man die Leute zu wenig. Diese Verordnungen sind einfach zu allgemein gehalten“, sagt er und plädiert für eine eigene Risikowert-Definition.
„Es gibt ähnlich wie bei der Lawinenwarnkommission auch Risikowerte für Waldbrandgefahren, die sich aus Messungen über Satelliten und aufgrund des Baumbewuchses, der Trockenheit beziehungsweise Niederschlagsmenge je nach Gebiet unterschiedlich darstellen lassen. Das wäre situationsbezogener und hätte meiner Meinung nach mehr Sinn, weil es auf die tatsächlichen Gegebenheiten eingeht und rasch anpassbar ist. So könnte man das Bewusstsein der Bevölkerung besser schärfen“, meint Spendlhofer.

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