Kampf gegen Abschiebung: Hoffen für die Familie Omar. Seit November 2015 lebt die Familie Omar in Wang und ist bestens integriert. Dennoch droht Abschiebung.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 26. Juni 2018 (05:01)
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Als die Welt in Wang für die Familie Omar noch in Ordnung war: Vater Ziad und Mutter Ashwaq Omar (47 beziehungsweise 35 Jahre alt) mit ihren sechs Kindern Mardin (10), den Zwillingen Midia und Mario (beide 9), Mustafa (6), Maher (3) und Mohammad (2). Nun muss die Familie per Mandatsbescheid in die Bundesbetreuungseinrichtung nach Fieberbrunn übersiedeln, wo ihnen in Folge die Abschiebung droht.
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Aufregung herrscht seit der Vorwoche in der Gemeinde Wang und der Pfarre Steinakirchen. 14 Polizisten und Beamte der Fremdenpolizei kamen am Donnerstag ins Quartier der achtköpfigen kurdischen Familie Omar in die Schulgasse in Wang zur Kontrolle. Zwei Tage später tauchten die nächsten Polizisten auf und überreichten Vater Ziad Omar einen Mandatsbescheid.

Nachdem der Asylantrag von Ziad Omar am 29. März zum zweiten Mal negativ abgelehnt worden ist, besteht eine rechtskräftige Rückkehrentscheidung des Bundesamtes für Fremdenverkehr und Asyl in den Irak verbunden mit einer Aufforderung der freiwilligen Ausreise. Gleichzeitig hält man im Bescheid fest, dass eine Abschiebung in das Heimatland Irak für die Familie Omar zulässig wäre.

Drei Tage Zeit, um nach Fieberbrunn zu ziehen

Bis dahin müsse sich Ziad Omar mitsamt seiner Familie innerhalb der nächsten drei Tage in die Bundesbetreuungseinrichtung Trixlegg nach Fieberbrunn (Tirol) begeben. Wird die Familie Omar dieser „Wohnsitzauflage“ innerhalb der Frist nicht gerecht, kann das mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden, heißt es im Bescheid.

Für die Familie Omar ein riesiger Schock. Denn eine Rückreise in den Irak wäre für sie das Todesurteil, betonen Ziad und seine Ehefrau Ashwaq. Aus dem Irak wurden sie aufgrund ihrer Religion und ihrer kurdischen Herkunft vertrieben. „Unser Haus wurde bombadiert. Das Haus meiner Schwester abgebrannt“, schildert Ashwaq, die vor der Flucht im Irak Lehrerin war. Ihr Mann betrieb einen Autohandel. 

Mardin und Midia spielten erst vor zwei Wochen beim Fest zum Fastenbrechen in Steinakirchen auf der Blockflöte.
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Dabei sind die Omars, die seit November 2015 in Wang leben, deren Kinder hier seit zweieinhalb Jahre zur Schule und in den Kindergarten gehen und gut Deutsch sprechen, in Wang bestens integriert. Die älteren Kinder haben in der Schule sehr gute Noten, die jüngeren sprechen überhaupt nur noch Deutsch. Der Vater macht Schülerlotsendienst und hilft mit, wo man ihn braucht. Er hätte auch schon eine Arbeit bei der Firma Mosser in Aussicht – doch ohne positiven Asylbescheid darf er nicht arbeiten gehen.

Dass im Bescheid nun steht, die Familie sei weder beruflich noch sozial verankert, kann man in Wang daher in keinster Weise verstehen. „Wir sind schockiert und können es nicht glauben, wie der österreichische Rechtsstaat ein unmenschliches Fremdenrecht zum Hohn der Menschenrechte durchsetzt“, ist Birgit Redl von der Initiative Willkommen Mensch in der Pfarre Steinakirchen bestürzt. Sie betreut die Familie Omar seit zweieinhalb Jahren.

„Wir können es nicht glauben, wie der österreichische Rechtsstaat ein unmenschliches Fremdenrecht zum Hohn der Menschenrechte durchsetzt.“Birgit Redl

Auch hätte sich die Familie Omar in Österreich nichts zu Schulden kommen lassen. „Sie haben alle Kontrollen stets eingehalten. Aber jetzt will man sie zur freiwilligen Ausreise drängen, weil man sie aufgrund von fehlenden gültigen Papieren nicht abschieben kann. Nur dieses Lager in Fieberbrunn ist eine Horrorvorstellung für die Familie und auch für uns“, schildert Redl.

Noch hat man die Hoffnung in Wang daher nicht aufgegeben. Es gibt Empfehlungsschreiben für die Familie von der Gemeinde, der Schule, der Pfarre und vielen Nachbarn. Am Montag (nach Redaktionsschluss) versuchte man auch noch über die Diakonie, die die Familie Omar nach Wang zugewiesen hatte, etwas zu bewegen. Gleichzeitig hofft man, dass man den zweiten negativen Asylbescheid per Einspruch doch noch zum positiven wenden könnte. Dieser Einspruch ist bereits abgegeben. „Wenn man die Familie jetzt aber nach Tirol bringt, werden alle Bemühungen der letzten zweieinhalb Jahre von allen Seiten einfach ausgelöscht“, fürchtet Birgit Redl.

„Engagement wird zunichte gemacht“

Das bestätigt auch Steinakirchens Pfarrer Hans Lagler, der sich mit seiner Pfarre 2015 sofort für Flüchtlinge stark machte. Hunderte ehrenamtliche Stunden, die unter der Leitung des engagierten Pfarrgemeinderates Christoph Heinreichsberger von der „Willkommen Mensch“-Gruppe geleistet wurden, um die Familie Omar gut zu betreuen, würden damit mit einem Schlag zunichte gemacht.

„Die Familie Omar erhielt in Wang eine Wohnung und wurde bei den Behördenwegen gut unterstützt. In Zusammenarbeit mit dem Kindergarten und der Volksschule Wang ist Großartiges gelungen. Die Kinder reden Mostviertler Dialekt. Der Vater hat eine fixe Arbeitszusage einer Firma. Die Familie hat sich sehr gut integriert. Eine Abschiebung dieser Familie ist einfach nicht zu verstehen“, betont Lagler.