Oberndorfer Reifen-Imperium setzt auf grüne Ideen

Die Firma Weichberger setzt neue Umweltmaßstäbe in der Reifenbranche: Dem abbaubaren Reifensack folgen nun jede Menge Photovoltaikanlagen.

Erstellt am 29. Januar 2021 | 05:52
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Weichberger-Geschäftsführer Matthias Leichtfried (links) und Werkstätten-Mitarbeiter Daniel Konstantin präsentieren die biologisch abbaubaren Reifensäcke.
Foto: Eplinger, Reifen Weichberger

Rund 60 Millionen Euro Jahresumsatz macht die Firma Weichberger hauptsächlich mit Gummi. Das Reifengeschäft ist nach wie vor der Hauptumsatzbringer des Familienunternehmens, das Matthias Leichtfried mittlerweile in vierter Generation führt – auch, wenn sich der Prozentanteil des Fahrradgeschäftes vor allem dank der E-Bikes zuletzt stark erhöht hat.

„Sich als Reifenhändler ein grünes Image zu verleihen ist nicht so einfach.“Matthias Leichtfried

„Sich als Reifenhändler ein grünes Image zu verleihen ist nicht so einfach und mag auch etwas aufgesetzt anmuten. Allerdings haben wir zuletzt einige Initiativen gesetzt, die durchaus auch innerhalb der Branche für Aufsehen und Vorbildwirkung gesorgt haben“, schildert Matthias Leichtfried.

Seit einem Jahr setzt Weichberger als erster Reifenhändler im deutschsprachigen Raum etwa auf biologisch abbaubare Reifensäcke. Hubert Seiringer hat den Kontakt mit einer Tiroler Firma hergestellt.

„Gemeinsam haben wir reißfeste und elastische Reifensäcke entwickelt und extra für uns produzieren lassen“, schildert Leichtfried. Die anfängliche Skepsis, auch von den eigenen Mitarbeitern, ist mittlerweile in der gesamten Branche durchaus einer gewissen Dynamik gewichen.

Der Verband der Reifenspezialisten Österreichs hat den Tiroler Produzenten gelistet und auch die Kunden greifen zu 90 Prozent zu diesen Säcken, obwohl sie dafür sogar 1,50 Euro pro Reifensack bezahlen, während der Plastiksack gratis wäre. „Aber Plastik ist out, das anerkennen auch die Kunden – immerhin kostet der biologisch abbaubare Sack im Einkauf rund das Doppelte eines Plastiksacks“, erklärt Matthias Leichtfried. Weichberger benötigt pro Jahr rund 100.000 Reifensäcke.

Erste PV-Anlage geht in Obendorf ans Netz

Doch damit nicht genug an grünen Ideen. „Wir setzen in Zukunft bei unseren Standorten verstärkt auf Sonnenenergie. Die erste große Photovoltaik-Anlage auf den Dachflächen unserer Zentrale in Oberndorf mit 435 Kilowatt-Peak (kWp) geht diese Woche ans Netz. Sie wird rund 450.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren.

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Auf einer Fläche von 2.750 m2 errichtete die Firma Weichberger in Oberndorf eine 435 kWp-Photovoltaikanlage mit 1.600 Paneelen, die seit dieser Woche Strom erzeugt. Fotos: Eplinger, Reifen Weichberger
NOEN

Heuer, 2021, sollen weitere vier kleinere Photovoltaikanlagen auf den Standorten Traismauer, Liezen, Wien 22 und St. Pölten folgen. Die restlichen Standorte – darunter auch Wieselburg – kommen sukzessive an die Reihe“, schildert Leichtfried. Weichberger nimmt dafür pro Jahr rund 350.000 Euro an Investitionssumme in die Hand.

Der auf den Dächern der Oberndorfer Hallen produzierte Strom dient einerseits dem Eigenbedarf und wird andererseits auch dem öffentlichen Netz zugeführt.

Apropos Strom: Um den Stromverbrauch im Unternehmen generell zu senken, werden aktuell auch sämtliche Beleuchtungen in den Geschäften und Werkstätten sukzessive auf LED-Technologie umgestellt. „Auch das ist ein weiterer Beitrag auf dem Weg zu einem grünen Reifenhändler“, sagt Leichtfried mit einem zufriedenen Lächeln.