Unterwegs mit dem Lunzer Wetter-Flüsterer. Hannes Hager beschäftigt sich intensiv mit dem Wetter. Seit 2013 schreibt er einen Wetterblog.

Von Claudia Christ. Erstellt am 14. August 2019 (04:32)
Christ
Routinearbeit. Täglich um acht Uhr misst Hannes Hager bei der Biologischen Station die Temperatur, den Niederschlag und die Verdunstung.

Täglich um fünf Uhr ist bei Hannes Hager Tagwache. Nach dem Frühstück setzt er sich an den Computer und checkt die Lage, die Wetterlage nämlich. Seine Beobachtungen und Messwerte schreibt er dann in seinem Wetter-Blog (lunzerwetter.blogspot.com) nieder.

Bis zu 1.000 Zugriffe hat er täglich. „Sogar 1.432 habe ich vor ein paar Wochen erreicht, das Wetter interessiert halt alle“, erzählt er stolz.

Im Laufe der Jahre ist der Mitarbeiter der Biologischen Station des Wasserclusters ein wahrer Experte geworden, wenn es um Vorhersagen und Deuten des Wetters geht. „Viele Leute rufen mich an, und wollen wissen, ob sie ihre Feier oder ein Fest an diesem Tag im Freien durchführen können“, schmunzelt er. Seine Erfolgsquote ist relativ gut. „Natürlich kann es schon mal passieren, dass ich das ein oder andere Mal daneben liege.“

„In den letzten 30 Jahren ist die Temperatur in Lunz um 1,2 Grad im Durchschnitt angestiegen“.Hannes Hager

Für den gelernten Förster – er hatte früher eine eigene Fischerei und war Fischerei-Sachverständiger – ist das Wetter zur Leidenschaft geworden. „Durch meine Berufe hatte ich immer mit dem Wetter zu tun.“

Sein Arbeitsplatz, die Biologische Station, wurde bereits 1905 von Carl Kupelwieser gegründet. 2003 wurde diese geschlossen. Heute betreibt der Lunzer Wassercluster die Station weiter.

„Wir haben hier Wetteraufzeichnungen, die bis ins Jahr 1909 zurückgehen, also Werte von über 110 Jahren, in unserem Archiv“, erklärt der 62-jährige Lunzer.

Bei der Frage, ob der Klimawandel für ihn erkennbar sei, wird Hager ernst: „Wenn wir nicht bald was unternehmen, könnte es nicht besonders rosig für uns aussehen.“ Denn die Klimaveränderungen sind auch im idyllischen Bergdorf Lunz bereits deutlich spürbar.

Erwärmung steigt seit 80iger Jahre stetig an

Hager nennt Beispiele: „Heute haben wir hier im Durchschnitt während der Sommermonate Juni, Juli und August 14 Sonnentage mit über 17 Grad. Im Vergleich dazu war es im Jahr 1983 nur ein Tag. Das zeigt die gravierende Veränderung ganz deutlich.“
Veränderungen gibt es auch beim See zu bemerken. Hier misst er jeden Tag um sieben Uhr früh die Temperatur immer an der gleichen Stelle im eineinhalb Meter tiefen Wasser. Und auch hier sprechen die Fakten für sich. „23 Grad hatte der See bis 1992 nur einmal, nämlich im Jahr 1947. Jetzt liegt die Wassertemperatur durchschnittlich an drei bis vier Tagen über 23 Grad“, erklärt Hager.

Laut seinen Beobachtungen stieg die Erwärmung seit den 80iger Jahren stetig an. In den letzten zehn Jahren aber besonders rapide und exponentiell: „Sicher ist auch, dass Eis und Schnee in Lunz in Zukunft nicht mehr so oft liegen bleiben werden“, zieht Hager seine Schlüsse.

In den letzten 30 Jahren ist die Temperatur in Lunz um 1,2 Grad im Durchschnitt angestiegen. Sollte diese laut den aktuellen Prognosen in den kommende Jahren weiterhin steigen, wird es bei uns keine Fichten mehr geben und auch die Fischarten im See werden sich ändern und anpassen müssen. Fakt ist für den Wetterexperten auch, dass die Wetterextreme zunehmen werden.

„Das hat man ja auch heuer schon bei der Schneekatastrophe im Jänner sehen können.“ Anders als früher treffen Lunz jetzt nur mehr sehr wenige Gewitter aus dem Südwesten. „Grund dafür ist der Jetstream. Bereits 30 Kilometer weiter, zum Beispiel in den Wildalpen, ist das Wetter oftmals völlig anders als bei uns“, erklärt Hager.