Abschied für Diakon: Hl. Josef gab einst Starthilfe. Diakon Bernhard Neumeier geht als Pastoralassistent in Pension. Einst hat den Bayern die Liebe nach Wieselburg geführt, ein Heiliger leistete Starthilfe ins neue Leben.

Von Karin Katona und Christian Eplinger. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:24)

Der heilige Josef, davon ist Diakon Bernhard Neumeier überzeugt, hatte in seinem Leben die Hand im Spiel. Die dazugehörige Geschichte erzählte der 65-Jährige, der mit Anfang Mai als Pastoralassistent in Pension gegangen war, bei seiner Verabschiedung in der Zehn-Uhr-Messe am vergangenen Sonntag.

Als der gebürtige Bayer seiner Frau Helga, einer Wieselburgerin, zum zweiten Mal begegnete, stand bald der Beschluss fest, zu heiraten und nach Wieselburg zu ziehen. Doch die berufliche Zukunft war beim Umzug 1990 unsicher.

„Ich habe einen Zettel mit dem Wunsch ‚Bitte um eine Arbeit in Wieselburg oder Umgebung‘ hinter eine Ikone des heiligen Josef, die ich heute noch habe, gesteckt. Da ich Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit studiert hatte, wollte ich mich bei der Diözese als Religionslehrer bewerben“, erinnert sich Neumeier zurück.

„Ich sehe, wie sich durch Gottes Führung ein roter Faden durch mein Leben zieht.“ Diakon Bernhard Neumeier

„Dort wurde mir gesagt, dass in Wieselburg ein Pastoralassistent gesucht werde. Der Vorstellungstermin war am 19. März – dem Fest des heiligen Josef. Und noch am selben Tag kam die Zusage“, schildert Neumeier.

Neben der Tätigkeit als Pastoralassistent machte Bernhard Neumeier die Ausbildung zum Diakon, wurde 1993, im Alter von 37 Jahren, als einer der Jüngsten in der Diözese St. Pölten zum Diakon geweiht. Auch „Neuland“ für die Pfarre: „Werner Scholz und ich waren die ersten Diakone in Wieselburg“, weiß Neumeier.

Für ihn, gibt Bernhard Neumeier zu, sei der Umzug nach Österreich ein „Sprung ins kalte Wasser“ gewesen, doch: „Ich habe Heimat, Familie und Freunde hinter mir gelassen. Aber ich habe trotzdem gewusst, ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Heute sehe ich, wie sich durch die Führung Gottes ein roter Faden durch mein spirituelles Leben zieht.“ Ein Leben, in dem er mit seiner Frau auch den richtigen Menschen an seiner Seite hatte: „Sie war mir eine unglaubliche Stütze. Sie hat viele Opfer gebracht. Die Frau eines Diakons muss diesen Weg mitgehen, da gehören zwei dazu.“

Als Pastoralassistent geht der in Weinzierl wohnhafte Bernhard Neumeier jetzt in Pension, nicht jedoch als Diakon. „Ich stehe der Pfarre weiterhin als Diakon zur Verfügung, soweit das gesundheitlich möglich ist. Doch es wird jetzt im Vergleich zu vorher mehr Zeit für die Familie sein, sagt der Vater zweier Kinder und inzwischen schon Großvater. „Meine Familie hat viel auf mich verzichten müssen, denn als Pastoralassistent und Diakon war ich an den Wochenenden oder an kirchlichen Feiertagen oft wenig daheim.“

Nichtsdestotrotz ist auch sein Sohn Jakobus dem Ruf Gottes gefolgt, ist mittlerweile Pater und zelebrierte am Sonntag die Abschiedsmesse für seinen Vater gemeinsam mit Pfarrer Dechant Daniel Kostrzycki, Monsignore Franz Dammerer (unter ihm ist Neumeier nach Wieselburg gekommen) und Diakon Dietmar Ramharter.

Konnte Kinder und Jugendliche begeistern

„Als Pastoralassistent lagen dir vor allem auch die Kinder und Jugendlichen am Herzen. Kindermette, Sternsingeraktion, Firmvorbereitung, Ministrantenbetreuung waren dir wichtig. Das habe ich immer gespürt, wenn wir auf Ministrantenwerbung in der Volksschule unterwegs waren. Viele Kinder haben dich wiedererkannt und sich gefreut, der Bernhard ist da“, schildert Pfarrer Kostrzycki und überreichte Neumeier zum Abschied eine Josef-Ikone.

Geschenke gab es auch von der Pfarrgemeinde – vom Gutschein für eine Agape, über einen Bierkrug bis zu einem Gehstock und einer Regenbogenkerze. „Ruhestand bedeutet für dich kein Stehenbleiben, sondern ein ruhigeres Weitergehen“, betonte der stellvertretende Pfarrgemeinderatsobmann Andreas Seifert. Als besondere Überraschung intonierte Elfriede Pernkopf mit vier Kindern Neumeiers Lieblingslied „Einfach spitze, dass du da bist!“.

Noch einmal zurück zum heiligen Josef: Der sei zwar nicht sein einziger „Lieblingsheiliger“, sagt Diakon Neumeier, denn: „Jeder Heilige führt uns näher zu Christus, er ist die Quelle der Heiligkeit. Doch wenn man sich mit den Biografien von Heiligen beschäftigt, erkennt man, wie Gott im Leben eines Menschen handelt.“ Dass er jetzt im Josefs-Jahr in Pension geht, ist für den 65-Jährigen aber ein besonderes Zeichen.